S. Deluxe oder Chicks on Speed: Was diese 5 Songs über Ausverkauf erzählen
Text: katja-peglow - Fotos: dpa, Glen Friedman (oh)
Diese Woche widmet sich jetzt.de gemeinsam mit dem Online-Magazin daheim dem "Ausverkauf". Jeden Tag beleuchten wir diesen Begriff von einer anderen Seite und befassen uns mit dem Ausverkauf des Hip-Hop genauso wie mit dem Ausverkauf unserer eigenen Körper. Heute: Katja Peglow über den Ausverkauf in der Musik.
BÖSE WITWE
"AWFUL"
von Hole
Ähnlich wie ihre Labelkollegen von Nirvana sah sich die Grungeband Hole seit den wachsenden Verkaufszahlen und spätestens seit ihrem Labelwechsel zum bösen Major ständig mit penetranten Ausverkauf-Vorwürfen aus der Indie-Ecke konfrontiert. Auf ihrem dritten Studioalbum vollzog Sängerin Courtney Love dennoch den endgültigen Wandel vom ungekämmten Grungeact zum Mainstreamtauglichen Rock-Glamour-Girl und klang so poppig wie noch nie. Dass sie immer noch eine große Klappe hat und sich zu behaupten weiß, zeigen die Lyrics auf Awful. In diesen nimmt sie auf ihre Vergangenheit als ehemaliges Riot Girl lakonisch Bezug – „I was punk / Now I’m just stupid / I’m so awful“, nur um ihren Widersachern und Kritikern in der nächsten Zeile ein schnoddriges "Oh, just shut up, you’re only 16“ entgegenzuschleudern – und zeigt: Celebrity Skin schützt vor freier Meinungsäußerung nicht.
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KLEINE PREISE
"SELL-OUT"
von Chicks On Speed
Auf ihrem dritten Album setzen sich die Konzeptkünstlerinnen kritisch mit den Auswirkungen des Kapitalismus auf die Popwelt im Allgemeinen und der Kommerzialisierung von Popmusik im Speziellen auseinander. Logisch, dass auf dem programmatisch
mit 99 Cents betitelten Album des Trios auch der klassische Ausverkauf ein unumgängliches Thema ist. „Exploit yourself, just sellout / Cash cards, just sellout / Do it to yourself before it’s done to you “ Nutze dich selber aus, bevor es andere tun!“ – lautet die Devise. Ausgerechnet auf ihrem Majordebüt klingen die Chicks so gesellschaftskritisch wie nie zuvor („Kommerz sucks. Marketing isn’t cool.“) und zeigen: Selbstausbeutung ist okay – just do it yourself! Das alte Prinzip Subversion durch Affirmation ging jedoch nur zur Hälfte auf: Der Tiefpreis des zunächst für nur 9,99 Euro auf den Markt gebrachten Tonträgers wurde bald darauf von der Plattenfirma nach oben korrigiert.
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ALLES SCHLAMPEN
"CAPITALISM STOLE MY VIRGINITY"
von The (International) Noise Conspiracy
Auf ihrem zweiten Album verkünden die politisch ambitionierten Schweden den Ausverkauf der Menschheit und verpacken ihre marxistischen Thesen in elf Protestsongs. Einer davon ist Capitalism Stole My Virginity und handelt eben von, nun ja, dem Ausverkauf der gesamten Menschheit: „We are all sluts, cheap products, in someone else’s notebook“, singt Dennis Lyxzén, und dass die Tage unserer Unschuld gezählt sind. Auch von „corrupted dreams“ und „smashed illusions“ ist da die Rede, bevor Rädelsführer Lyxzén optimistisch zur finalen Revolution aufruft („But now we are unsentimental and unafraid to destroy this culture that we hate“), weil er so „tired of being nothing“ ist. Selten klingt Kapitalismuskritik so beschwingt.
Und dann noch: Massive Töne und Samy Deluxe und was sie mit Ausverlauf zu schaffen haben.