"Mit Indie kann man ja auch Kuchen verkaufen, oder Porno!" Das Tocotronic-Interview.
Das Arabella Sheraton in München ist ein Fünf-Sterne-Betonklotz am Ostrand der Stadt, bei dem man als Münchner nie weiß, wie er funktioniert – was sollen die reichen Touristen bloß da draußen? Ist aber natürlich so ein Business-Tempel: Vor der goldenen Drehtür ist eine neue BMW-Limousine aufgedockt, eilige japanische Anzugträger flanieren durch die Halle, ein livrierter Hotelboy trägt eine Kreidetafel auf der ein Name steht, suchend durch die Welt. Hier sollen also auch Tocotronic abgestiegen sein – mondäner Hinweis auf den Wechsel zum Major-Label Universal? Ne, Dirk von Lowtzow und Arne Zank sitzen in einem fensterlosen Konferenzraum im Keller. Höflich bieten die beiden vor dem Gespräch Getränke und kleine Erfrischungen an.
Euer achtes Album, wie anstrengend! Der Name Tocotronic schleppt heute so viel Geschichte mit sich, wie kann man sich einem neuen Album da noch unbefangen nähern? Dirk: Die Hörer sollen einfach nur zuhören oder nur tanzen und nicht auf den Rest achten. Ich finde es ja viel besser, wenn die ganze Geschichte der Band in jedem Stück ein bisschen zu hören wäre. Arne: Ich mag Wiederholungen. Ich fände es gar nicht schlimm, wenn einer sagt: Tocotronic, kennt man eine, kennt man alle. Wie bei Thomas Bernhard, das ist ja auch irgendwie immer dasselbe Buch. Kapitulation klingt aber doch wieder anders. Opulent wie damals "KOOK", aber auch ätherisch wie "Tocotronic". Dirk: Wir wollten das Gegenteil vom letzten Album machen. Das war ja sehr unräumlich und dogmatisch und diesmal: großer Raum, sehr offen, Mikrofone wie bei Klassikplatten, sehr symphonisch. Trotzdem nicht wie KOOK, weil sich die Sounds mit der Zeit einfach verändern, fast wie Modetrends. Die Rocklänge ändert sich. Diesmal habt ihr so viele wunderbare Refrains, ich habe seit zwei Tagen diesen „Hamonie,-ie, -ie“ – Chorus im Ohr. Ist das etwas, worauf ihr besonderen Wert legt? Arne: Man ackert sich nicht daran ab, einen Hit zu machen, der gleichzeitig wohlfeile Tiefe und Mächtigkeit hat oder so. Das geht ja nicht. Es geht immer nur darum, ob einem etwas interessant vorkommt, Relevanz hat. Wir halten am Grundformat „ Song“ in all seinen Konservatismen fest. Wir brauchen Songs. Und wir waren diesmal an einer Floppyness interessiert, unscharf und wolkig sollte es sein. Neue Poprock-Bands klingen ja gerade eher komprimiert und auf den Punkt zugeschnitten, unflexibel und steif.

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eure
eckes edelkirsche aka das ist mir zu raunend siegstyle
04.07.2007 - 19:37 Uhr
siegstyle
"...Man hört auch antizyklisch..."
"...man hatte doch schon immer abseitigeren Musikgeschmack, man hat ja auch nicht U2 gehört, oder?.."
Auweh, TOCO sind so Klischee-(Akdemiker)-Indie, das es wehtut, auch wenn Sie das Wort ganz bäh finden.
"Dirk (leise): Ich hab auch U2 gehört."
:-)
was will uns das sagen?
aber der track kapitulation ist schon mal vielversprechend.
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04.07.2007 - 19:10 Uhr
rasenmaeherkaputtmacher