Mächtige-Online Spezial: Die Webseiten der US-Präsidentschaftskandidaten
Text: caroline-vonlowtzow - meredith-haaf, roland-schulz
Am Montag und Dienstag war Kassensturz in den USA: Die Kandidaten für die nächste Präsidentschaftswahl 2008 veröffentlichten, wie viel Spenden sie im letzten Quartal gesammelt haben. Ein erster Gradmesser für die Chancen der Kandidaten, denn den Wahlkampfspenden kommt erhebliche Bedeutung zu, weil damit die teure Wahlwerbung im Fernsehen und die Organisation professioneller Wahlkampfteams in den einzelnen Bundesstaaten finanziert werden kann.
jetzt.de stellt die wichtigesten Bewerber der Demokraten und der Republikaner vor.
Der Kandidat:
Barack Obama, charismatischer Kandidat der Demokraten, seit 2004 Senator von Illinois. Sammelte im letzten Quartal 32,5 Millionen Dollar Wahlkampfspenden und liegt damit weit vor seiner größten Konkurrentin, Hillary Clinton, die etwa 27 Millionen eingenommen hat. Obama ist damit der erste Demokrat, dem es gelang, mehr als 30 Millionen Dollar in einem Quartal eines Nichtwahljahrs zu sammeln. Clinton liegt in Umfragen jedoch vor Obama.
Der Empfang der Seite:
Ein großes Bild, das den Besucher über den Stand des Spendenaufkommens informiert, springt als erstes ins Auge. Viele verschiedene Buttons führen einen ins Innere der Webseite. Da gibt es Nachrichten, in denen Barack erwähnt ist, einen Button, der über das Spendenaufkommen und die Fortschritte der Kampagne informiert, ein Link zu einem Filmchen über Obamas Werte und Ideale, den man aber leider von Deutschland aus nicht anschauen kann, es gibt natürlich eine Biografie von ihm und seiner Frau, eine Übersicht über seine politischen Themen, bei denen interessanterweise an erster Stelle der Kampf gegen die Armut steht, es gibt ein Blog und eine Community, einen Barack Shop mit T-Shirts und Barack TV, wo man sich seine letzten Reden anschauen kann, und natürlich den obligatorischen Spendenbutton. Alles auch in Spanisch möglich, übrigens.
Das soll beim Leser hängen bleiben:
Am Auffallendsten finde ich an der Seite, dass einem hier zwar die amerikanischen Nationalfarben blau, weiß, rot am Kopf der Seite begegnen, aber nicht in dieser patriotischen "Star-Spangled Banner"-Form, sondern in einem eigenen Logo – zwar mit stripes, aber ohne stars. Ausdruck dafür, dass hier jemand alles anders machen und die Politik erneuern möchte?
Dieser Eindruck entsteht jedenfalls, wenn man auf den Button „Taking Our Government Back“ klickt, eine Rede Obamas, die Korruption und Lobbyismus in Washington anprangert und ethische Reformen verspricht. In dieser Rede fordert Obama eine ehrliche und offene Regierung, eine Regierung, in der nicht diejenigen mit dem meisten Geld und den besten Verbindungen das Sagen haben („This isn't the government they deserve. This isn't the America we believe in. And this is the kind of politics that will end when I am President“), sondern eine Regierung, die dem amerikanischen Volk verpflichtet ist. Auch seinen Spendenerfolg bezeichnete Obama als Ergebnis einer Graswurzelbewegung, die imstande sei, die Lobbyisten-Politik in Washington zu ändern und das Land zu verwandeln.
Bestes Feature:
Die Videos von Spendern, in denen sie erklären, warum sie für Obama sind und die Rubrik „People“. Hier gibt es Studenten für Obama, Gläubige für Obama und Frauen für Obama, die in Botschaften mitteilen, warum sie Obama toll finden – Männer und ältere Menschen scheinen sich nicht so sehr für den Senator aus Illinois zu interessieren.
Interessantes Detail:
Eine Rede von Barack Obama, in der er erklärt, wie er zum Glauben fand und welche Rolle der Glaube seiner Meinung nach im öffentlichen Leben spielen sollte – ein Thema, dem wir Europäer, vor allem seit dem Widererstarken der christilichen Rechten unter dem evangelikalen Präsident Bush, oft skeptisch gegenüber stehen. In den USA ist dieses Thema aber von zentraler Bedeutung und Obama tritt an, um die Kluft zwischen Politik und Glaube, die Bush auch in Amerika vergrößert hat, zu schließen: “When we ignore the debate about what it means to be a good Christian or Muslim or Jew; when we discuss religion only in the negative sense of where or how it should not be practiced, rather than in the positive sense of what it tells us about our obligations towards one another…others will fill the vacuum, those with the most insular views of faith, or those who cynically use religion to justify partisan ends."