Die Kopien lese ich vielleicht später noch
Semesterende. Wie ich mich immer freue. Zwar ist inzwischen aus mir, einer übermotivierten Erstsemesterin, die nach der harten Baden-Württemberger Oberstufe an der Philosophischen Fakultät der Uni Köln als einzige die 30 Semesterwochenstunden-Marke knackte, sechs Leistungsnachweise mit 1,0 absolvierte und das auch noch nach dem allmorgendlichen Regale-Einräumen von 6-9 Uhr bei real inzwischen eine stinkfaule Viertsemesterin geworden, ohne Job, ohne Semesterwochenstunden, dafür inzwischen mit Freunden, aber immerhin eine Prüfung habe auch ich dieses Semester abzulegen. Und das ist ja wiedermal echt keine meiner Lieblingsaufgaben.Lernen. Ich bin da einfach nicht gut drin. Das Problem, das man, sobald man sein Buch aufgeschlagen hat, plötzlich seine CD-Sammlung sortieren muss, kennt ja jeder, an das ICQ-Verbot versuche ich mich auch so gut wie möglich zu halten und dass mein Zimmer ein Chaos ist, liegt daran, dass ich dem großartigen Spruch: "Hausarbeit ist immer noch besser als Hausarbeit", leider nicht zustimmen kann.
Nur eine einzige Prüfung und ich kriegs einfach nicht auf die Reihe. Eines der Hauptprobleme ist diesmal: Vor ein paar Tagen wurde meine Prüfung um einen Tag verschoben. Ich hab noch einen ganzen Tag mehr Zeit! Ach, dann lass ich es doch langsam angehen, sagt mein Gehirn und fordert meine Beine auf, in die Küche zu gehen, um schon wieder was zu essen.
Essen! Wäre meine Verdauung nicht ein Geschenk Gottes würde ich am Prüfungstag nicht mehr durch die Prüfungstagstür passen. Bei der einen Kalorie, die ich pro Stunde durch das Bewegen meiner lesenden Augen verbrauche, gibt es eigentlich überhaupt keinen Grund, nach frischer Energie zu lechzen. Statt dessen aber hier einen Becher heiße Schokolade mit Sahne und da ein paar Kirschen mit Sahne und überhaupt alles mit Sahne. Snickers für die Nerven, ein Eis als kleine Belohnung und zur Abwechslung kann man sich ja auch mal was Richtiges kochen.
Wenigstens fällt mir nach meinen Nahrungsexkursionen jedes Mal ein, dass ich mein Zimmer lüften sollte. Ich war gestern sogar schon bei der Lungenfunktionsuntersuchung, hab drei Mal in ein ekliges Rohr gepustet, nur um zu erfahren, dass meine Lungen perfekt funktionieren. Dann muss meine ominöse Atemnot wohl daran liegen, dass mein Zimmer in letzter Zeit leicht Kohlenstoff-Dioxid überlastet ist. Zwei Stunden im Wartezimmer gesessen, anstatt mal das Fenster aufgemacht zu haben. Das ist wieder ein Verlust von zwei Stunden, in denen ich schön lernen können hätte sollen.
Aber ich fang ja nicht an. Ich fang nicht an, weil ich weiß, dass ich am Ende sowieso immer fertig werde. Jahrelange Erfahrung. Egal, wann man die erste Seite aufschlägt, die letzte beendet man stets eine halbe Stunde vor der Klausur. Dann hat man noch genau eine halbe Stunde, um zur Uni zu kommen und alles ist toll.
Nicht mal in der Bibliothek, in der die einzige Ablenkung, die man hat, ein Kommilitone ist, der zu laut mit den Klarsichtfolien im Seminarordner raschelt, komme ich zum Lernen. Da verbringe ich die Zeit immer mit dem Kopieren von neuen Texten, die ich dann ja vielleicht später mal lesen kann, wenn ich mit den alten fertig bin. Vielleicht, später- Wenn es Sätze gibt, die niemals wahr werden, dann ja wohl die, in denen eine Kombination der Wörter "vielleicht" und "später" vorkommt.
Vielleicht sollte ich einfach mal mein Notebook ausschalten, das Anklicken des Outlook-Senden/Empfangen-Knopfes im Minutentakt, die zuverlässige Informations-Sammlung in Wikipedia und das Verfassen zeitraubender jetzt.de-Beiträge dienen nicht gerade einer Verbesserung meiner Situation.

- Vereint 28.08.2010
- Während den Vorlesungen 16.11.2007
- Mein Leben ist wie eine auf den Boden gefallene Zuckerwatte 17.06.2007
- I fuck on the first Date 20.03.2007
Nun halt bei der Arbeit. ;-)









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30.06.2007 - 22:37 Uhr
diedrossel
und das ist so verdammt wahr!