22.06.2007 - 19:00 Uhr

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Comrade Allah kämpft gegen die Schwarzfüße: Guerilla-Organisationen und ihre Webseiten

Text: durs-wacker

Was eine ordentliche Rebellenorganisation sein will, braucht heutzutage auch eine Website. jetzt.de hat sich auf einen Streifzug gemacht und die Webseiten der FLNC, KPN (M), FARC-EP und Hamas untersucht.

Screenshot: jetzt.de Die Gruppe: Fronte di Liberazione Naziunale Corsu (F.L.N.C.) (oder in der Sprache des Feindes: Front de libération nationale de la Corse) Wer ist das? Die FLNC sieht sich als korsische Befreiungsbewegung. Sie richtet sich vor allem gegen Frankreich und in Korsika ansässige Franzosen, besonders die so genannten „pieds noirs“, Schwarzfüße, also ehemalige Bewohner von Französisch-Algerien, die nach dem Ende des Algerienkrieges nach Korsika umgesiedelt wurden. Daraufhin regte sich Widerstand unter der einheimischen Bevölkerung, die italienische Wurzeln hat. Zu den Gründungsmythen der FLNC gehört es, dass ihre Gründungsväter Mitte der siebziger Jahre einen Weinkeller in Aleria besetzte, weil der französischstämmige Weinbauer angeblich Wein panschte. Als die Polizei die Besetzung beenden wollte, kam es zu einer Schießerei, bei der zwei Polizisten starben. Seitdem gilt die Besetzung als Geburtsstunde der FLNC. Begrüßung: „1976 – 2006: 30 Anni Di Resistenza Corsa“ steht in der Schreibmaschinen-Optik von RAF-Bekennerschreiben auf der Startseite der FLNC – dann geht es aber munter in Französisch weiter. Soviel Ausrichtung auf die Zielgruppe muss offenbar sein. Was erfahren wir? Jede Menge Räuberpistolen aus der Geschichte der FLNC, garniert mit ideologischen Grundlage-Werken, dem Grün- bzw. Weiß-Buch der FLNC. Darin wird hergeleitet, warum die FLNC immer und allezeit eines hat: recht. Deswegen trägt das Grünbuch (Titel: „A Liberta O A Morte“) auch den Namen „Bibel der Front“. Das soll beim Leser hängen blieben: Wer nach Korsika kommt, soll gefälligst daran denken, dass es Korsika ist und keine französische Provinz. Und natürlich, dass die FLNC zu den Guten gehört, jede Gegenmeinung eine böse Lüge Frankreichs ist und überhaupt – Tod, äh, Moment: Freiheit! Multimedia-Material: Der korsische Widerstandsliebhaber kann sich ein Video über die Geschichte der FLNC anschauen, in dem zu einpeitschender Propaganda-Mukke Autos abfackeln und patriotische Patrioten Patriotisches sagen. Web 2.0-Gimmick Auf der Seite gibt es einen kleinen Zähler, auf dem – durch Landesflaggen gekennzeichnet – aufgeführt wird, wer aus aller Welt gerade auf der Seite surft. Außerdem poppt gelegentlich ein Fenster auf, das vor dem Runterladen von Pornos warnt. Was verschwiegen wird: Die interessante Phase der FLNC, in der sie sich in die „FLNC – canal historique“ und die „FLNC - canal habituel“ aufspaltete. Beide Gruppen bekämpften sich in Folge vor allem gegenseitig: Die Mitglieder brachten sich leidenschaftlich gegenseitig um – wer genaueres über die Dynamik des Konflikts wissen will, liest in „Asterix auf Korsika“ nach. Leider auch kein Thema auf der Seite: Die FLNC schuf ein neues Wort im Französischen, das Verb „plastiquer“. Es spielt auf das bevorzugte Werkzeug der FLNC an, den Plastiksprengstoff. Inzwischen gilt die FLNC mehr als Gangsterbande denn als Befreiungsorganisation.
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