21.06.2007 - 19:00 Uhr

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Eintrag aus dem Klassenbuch (Schluss): Schule, warum ich dich hasse und liebe

Text: eva-schulz

Die einen besuchen sie neun, die anderen zwölf Jahre: Die Schule prägt uns ein Leben lang. Eva Schulz steckt noch mitten drin im Leben zwischen Lehrerzimmer, Spickerschreiben und Banknachbarn. In unserer Kolumne beschreibt sie, was das Schulleben ausmacht.

Hier findest du alle Folgen der Schulkolumne.

In der letzten Folge widmet sich Eva den Dingen, die wir an Schule nie vermissen werden und dem, was an Schule durchaus liebenswert ist.

Wow. Heute ist mein erster Ferientag. Der Tag, auf den ich seit Wochen hingefiebert habe. Auf dem Tisch in der Klasse war der Stunden-Countdown, in Bleistiftzahlen, und nach jeder Stunde radierten wir eine davon aus. Im Schrank noch Kuchenkrümel und benutzte Servietten aus den vergangenen Tagen, an denen selbst die Lehrer meist keine Lust auf Unterricht mehr hatten. Die letzten Klausuren wurden zurück- und (fast) alle Bücher abgegeben (wer zum Henker hat mein Erdkundebuch?!). Dann klingelte die Glocke zum letzten Mal.
Das war gestern – scheint aber jetzt schon ganz weit weg. Denn wir lehnen uns zurück, endlich frei von Stress nach den abschließenden, so anstrengenden Monaten, in denen mehr und mehr die grässlichen Seiten von Schule auffielen. Die, die man nach einem ganzen Schuljahr erst mal wieder Leid ist, die man dann kaum noch erträgt: • Montage • die 5 minus in Bio • die nervtötenden Fünftklässler morgens im Bus • wenn Michael neben einem sitzt • Auf die Frage, was man für die Klausur können muss die Antwort: „Alles!“ • Tafeldienst zu haben • wenn die Mensa „frischen Obstsalat“ anbietet und eine braune Banane meint • Stufenversammlungen, bloß um über eine T-Shirt-Farbe abzustimmen • wenn der Lehrer in einer selbsternannten „Demokratur“ über das Wandertagsprogramm entscheidet • erwischt zu werden, während man heimlich Hausaufgaben macht • wenn draußen die Sonne scheint • zu entdecken, dass die Gerüchte über den neuen Englischlehrer („jung, dynamisch, sportlich, fit“) nicht stimmen • als Oberstufenschüler kein Hitzefrei mehr zu haben • wenn laut Vertretungsplan wieder nur die blöde Parallelklasse freikriegt. Auf all das könnte man gut und gerne verzichten. Das sind Gründe, direkt umzudrehen, wenn man wieder vor dem Schultor steht. Aber wenn in gut fünf Wochen die erste Freundin anruft, um über Kursleiter oder Klassenlehrer zu spekulieren, wenn die Stundenpläne herausgegeben werden und die neuen Bücher ankommen, kurzum: wenn man sich allmählich wieder mit dem Gedanken anfreunden muss, früh aufzustehen und zur Schule zu gehen, dann erinnert man sich zurück an die schönen Seiten des Schullebens. Die, die die Schulzeit letztendlich zu einer herrlichen Zeit machen: • Freitage • eine Facharbeit über „Die heile Welt von Astrid Lindgren am Beispiel von Michel aus Lönneberga“ zu schreiben • die letzte Lateinstunde seines Lebens zu haben • wenn Andi neben einem sitzt • wenn die Referendarin Muffins für alle backt • Radiergummistempel zu schnitzen • wenn die Doppelstunde Reli ausfällt • der versteckte Wecker im Overhead-Projektor • ausnahmsweise mit dem Rad zur Schule zu fahren • wenn der erste Schnee fällt • die endlosen Diskussionen im Philosophieunterricht • mit den Jungs um ein Knoppers zu wetten, dass sie keine Krawatte binden können - und zu gewinnen. • der „Stowasser“ in neudeutscher Schrift • gemeinsam mit Steffi alle anderen verrückt zu machen, indem man sich nur noch in „Gilmore Girls“-Zitaten unterhält Nur Eine kenne ich, die am liebsten und wirklich für immer und ewig Ferien hätte. Die die schreckliche Langeweile, welche sich irgendwann einstellt, ertragen und den Spaß, den sie mit ihren Freunden in der Schule hätte, opfern würde. Weil sie dort nämlich einfach ständig einschläft, und deshalb immer nur „Vier oder Fünf Minusse“ schreibt. Peppermint Patty, von den Peanuts. Einmal, gegen Ende der Ferien, kommt sie in einen Schreibwarenladen und sagt: „Ich brauch’ Sachen für die Schule...“, und zieht eine Liste hervor. „Einen Bleistift, Papier, eine Heftmappe...“, liest sie. „Und Lösungen... jede Menge richtige Lösungen...“ Illustration: dirk-schmidt


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AnatolH
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Mag ich Mag ich nicht

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21.06.2007 - 19:17 Uhr
AnatolH

schade, dass ich kein Deutsch-LK habe, sonst hätte ich dieselbe Facharbeit geschrieben :D

Milupa
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Mag ich Mag ich nicht

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21.06.2007 - 21:05 Uhr
Milupa

huch, welches Bundesland hat denn jetzt schon Ferien? Naja, egal, ich hab auch Ferien, wollte ich eben mal hinausschreien!

guglhupf_
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Mag ich Mag ich nicht

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21.06.2007 - 21:23 Uhr
guglhupf_

schöner abschluss!

lifthrael
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Mag ich Mag ich nicht

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21.06.2007 - 23:06 Uhr
lifthrael

Ach ja, irgendwie erinnere ich mich auch mit einem halben Lächeln an meine Schulzeit. Uni ist eben doch etwas anderes.
Auf der einen Seite würde ich schon gerne noch einmal zwei Wochen Schule erleben, auf der anderen Seite bin ich froh, dass ich endlich raus bin und studieren darf.

darkgenius
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Mag ich Mag ich nicht

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22.06.2007 - 10:05 Uhr
darkgenius

tja, ich genieße (bzw. muss es ertragen ) noch 2 JAhre lang....

HelenaVonTroja
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Mag ich Mag ich nicht

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22.06.2007 - 10:34 Uhr
HelenaVonTroja

ich habs gerade hinter mir! ich fand schule schön.

belowlee
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Mag ich Mag ich nicht

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22.06.2007 - 10:41 Uhr
belowlee

sehr nett geschrieben, und Peppermint Patty ist sowieso eines der stärksten Mädchen der Literatur.
Es gab da aber noch eine, die mit Schule sehr souverän umgegangen ist: Pippilotta Langstrumpf natürlich, die bei einem ihrer wenigen Besuche in der richtigen Schule von der Traumschule schlechthin erzählt hat: nur zwei Tage pro Jahr, und an denen gab es ausschließlich Süßigkeiten.

PrinzessinPerla
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Mag ich Mag ich nicht

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22.06.2007 - 11:44 Uhr
PrinzessinPerla

Ich bin jetzt ein Jahr aus der Schule raus. und ich vermisse sie kein bisschen Meine Mitschüler ebenso wenig wie die Lehrer, irgendwelche lustigen Diskussionen oder sonstwas. Denn: wenn du irgendwo arbeitest, wo das klima stimmt (das muss durchaus vorausgesetzt sein), triffst du auf leute, mit denen du mehr oder weniger viel gemeinsam hast, wo zumindest die grundfrequenz zwischeneinander stimmt. Das ist viel angenehmer als zwischen einem Haufen spätpubertierender Jungs und frühreifer Mädels.

Ich vermisse keine Hausarbeiten, keine Diskussionen. Und das schönste ist und bleibt: Wenn ich jetzt ein Buch lese, lese ich es für mich. Nicht für irgendwelche Deutsch- oder Englischleistungs- oder Grundkurse. Sonderne infach weil es mich interessiert. und dann muss ich halt nicht von Thomas Mann "Der Tod in Venedig" lesen, sondern es darf auch "Der Zauberberg" sein. Ich habe keinen Zeitdruck und muss keine fadenscheinigen Interpretationsansätze finden. Ich lese es einfach für mich und auch zwischen den zeilen, aber. Aber ich muss nicht jeden Satz auseinandernehmen. Ich liebe die Literatur, aber ich hasse es, wie damit in der Schule umgegangen wurde.

Und bis auf die Grundrechenarten habe ich von Mathe bisher gar nicht benötigt. Weder integral noch infinitisimal.

Besser ist: Freu dich auf die Zukunft, denn in der Vergangenheit wirst du nicht leben.

jane
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Mag ich Mag ich nicht

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22.06.2007 - 14:07 Uhr
jane

tafeldienst! an tafeldienst habe ich definitiv seit eintausend jahren nicht mehr gedacht. tafeldienst ist eigentlich eine sauerei, weil dann automatisch die raucherpause ein unding wurde, ausser der lehrer schraenkte sich ein und schrieb mal eine runde nichts an die tafel.

kakoshka
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Mag ich Mag ich nicht

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22.06.2007 - 16:31 Uhr
kakoshka

pro: raucherpause

so sind die stunden auch leichter auszuhalten.


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eva-schulz offline

eva-schulz

ist jetzt-Mitarbeiterin und hat diesen Beitrag verfasst.

Eva Schulz