24.06.2007 - 19:00 Uhr

0 17 Über Twitter weiterempfehlen

Wie man sich nie bewerben sollte (XVII). Heute: OBI

Text: christian-helten

Beim Bewerben, ganz wichtig, wollen wir den Personalchef beeindrucken. Mancher von uns schießt dabei arg übers Ziel raus: In unserer jetzt.de-Kolumne erzählen Personalchefs von ihren Erlebnissen und sagen, auf was es beim Bewerben ankommt.

In Folge 17 referiert Thomas Belker, warum und wie ein Anschreiben ihn anmachen muss. Und was er von Schummeleien im Lebenslauf und auffälligen Bewerbungsformaten hält. Belker ist Geschäftsführer Human Resources im OBI Franchise Center Wermelskirchen.

Kernstück einer jeden Bewerbung ist das Anschreiben. Standardisierte Anschreiben oder Textbausteine, die aus Bewerbungsbüchern abgeschrieben wurden, sollte man tunlichst vermeiden. Erfahrenen Personalern fällt so etwas garantiert auf. Wenn ich merke – und glauben Sie mir, das tue ich – dass sich ein Bewerber mit ein und derselben Bewerbung nach dem Gießkannenprinzip auch bei anderen Firmen vorgestellt hat, kommt das überhaupt nicht gut bei mir an. Das Anschreiben muss immer individuell auf die Firma und auf die Position zugeschnitten sein. Gleichzeitig darf das Anschreiben nicht zu lang geraten. Meine Empfehlung ist eine, maximal eineinhalb Seiten. Geben Sie nicht auf, wenn es beim ersten Anlauf nicht sofort perfekt gelingt. Feilen Sie so lange an Ihrem Anschreiben, bis Sie glauben, dass es Ihren zukünftigen Arbeitgeber anspricht. Es muss „anmachen“. Ich empfehle grundsätzlich eine eher schlichte, sachliche Bewerbung. Seien Sie authentisch und geben Sie auch etwas von sich Preis. Bei der Aufzählung von Praktika oder Hobbys fügen Sie einfach noch einen Satz an, warum Sie zum Beispiel gerne Bergsteigen gehen oder warum man sich für Literatur interessiert, etc. Solche kleinen Hinweise helfen uns, uns ein Bild von der Person des Bewerbers zu machen. Es geht uns bei OBI um den Menschen, den wir einstellen und nicht ausschließlich um den formalen Lebensweg. Zeigen Sie mehr Mut! Selbstverständlich bekommen wir auch ausgefallene Bewerbungen, zum Beispiel in Form großflächiger Mappen mit riesigen Fotos. Wir versuchen, solche Bewerbungen, die um jeden Preis auffallen wollen, so sachlich wie möglich einzustufen. Auffallen nur um des Auffallens Willen ist keine gute Idee. Wie die meisten Personaler und Führungskräfte bevorzugen wir beim Lebenslauf den klassischen Aufbau, der mit den persönlichen Angaben zur Schulzeit beginnt und mit der letzten Station - Ausbildung oder Arbeitsstätte - endet. Von größtem Interesse ist für uns immer die letzte Ausbildungs- oder Arbeitsstätte, die man vor der Bewerbung innegehabt hat. Sie ist der Blickfang einer jeden Bewerbung. Entscheiden Sie, ob Sie dies an den Anfang oder an das Ende Ihres Lebenslaufs stellen. Wichtig ist, dass wir diese Station möglichst schnell im Lebenslauf auffinden. Und in vielen Bewerbungen, die wir erhalten, werden beispielsweise Praktika ausschließlich chronologisch aufgelistet, ohne dabei Angabe zur konkreten Aufgabe, die man erledigt hat, dem Zeitraum, dem Gelernten, etc. zu machen. Ihre Kommentare wären aber wiederum für uns wichtige Information über das absolvierte Praktikum. Sie würden diese Ausbildungsphase wertvoller machen. Leider verzichten die meisten Bewerber auf persönliche Kommentare oder erläuternde Beisätze. Zeigen Sie hier mehr Mut! Klarer Fall von Vertrauensmissbrauch Vergessen Sie nicht, zu jeder Station, die Sie in Ihrem Lebenslauf aufführen, genau anzumerken, wann man sie begonnen und wann sie aufgehört hat. Zeiten, in denen Sie beispielsweise arbeitslos waren oder einfach nichts gemacht haben, sind per se nicht schlimm. Wichtig ist nur, dass Sie dies nicht verschweigen, sondern auch für diese Zeiten eine plausible Erklärung geben können. Stellen wir fest, dass ein Bewerber Lücken im Lebenslauf zu vertuschen versucht, wird die Bewerbung gleich beiseite gelegt. Arbeitslosigkeit oder eine Auszeit, ist kein Makel. Man muss lernen hierzu zustehen und dies auch unaufgefordert anzusprechen. Manche Bewerber schreiben, dass sie Lücken oder berufliche Pausen im persönlichen Gespräch erklären möchten. Das ist keine gute Idee. Ich möchte in dem Moment, in dem ich eine Bewerbung lese, wissen, mit was für einem Menschen ich es zu tun habe. Oftmals fordern wir den Bewerber auf, zu den Gesprächen seine Dokumente, sprich die Bewerbungsunterlagen, nochmals mitzubringen. Das hat seinen guten Grund! Wir leben ja leider in Zeiten, in denen vieles zusammenkopiert werden kann. Grundsätzlich misstrauen wir unseren Bewerbern nicht, doch leider müssen wir immer wieder feststellen, dass einzelne Bewerber Dinge von sich behaupteten, die gar nicht stimmten. Ich habe schon Bewerber erlebt, die gleich am Anfang des Vorstellungsgesprächs „gestehen“, dass diese Stationen erfunden wurden, weil sie befürchteten, ohne diese Behauptungen gar keine Chance zu haben, überhaupt zum Gespräch eingeladen zu werden. In solchen Fällen beende ich das Gespräch freundlich, aber ziemlich schnell. Das ist ein klarer Fall von Vertrauensmissbrauch. Tun Sie alles, um sich in ein positives Licht zu stellen, aber spielen Sie dabei unter keinen Umständen falsch. Erfahrene Personaler stoßen relativ schnell auf erfundene Stationen im Lebenslauf oder auf erfundene Geschichten. +++
Thomas Belker +++ Hier Teil eins der Personaler-Kolumne: die Werbeagentur Hier Teil zwei der Personaler-Kolumne: Greenpeace Hier Teil drei der Personaler-Kolumne: Siemens Hier Teil vier der Personaler-Kolumne: MTV Hier Teil fünf der Personaler-Kolumne: der Personalberater Hier Teil sechs der Personaler-Kolumne: McDonald´s Hier Teil sieben der Personaler-Kolumne: IKEA Hier Teil acht der Personaler-Kolumne: Lufthansa Hier Teil neun der Personaler-Kolumne: Burda Hier Teil zehn der Personaler-Kolumne: HypoVereinsbank Hier Teil elf der Personaler-Kolumne: Fotoagentur Corbis Hier Teil zwölf der Personaler-Kolumne: Adidas Hier Teil dreizehn der Personaler-Kolumne: Peek & Cloppenburg Hier Teil vierzehn der Personaler-Kolumne: Jamba Hier Teil fünfzehn der Personaler-Kolumne: Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit Hier Teil sechzehn der Personaler-Kolumne: GEZ


Neue Magazin-Texte:

Mehr Texte von jetzt.de liest Du jeden Montag in der Süddeutschen Zeitung - außerdem dienstags im Lokalteil der SZ. Du kannst die SZ zwei Wochen kostenlos testen - du musst nicht einmal kündigen!

Textoptionen
Mehr Texte von
christian-helten
Mehr Texte zum Label
personaler
Text Freunden empfehlen Text drucken Text melden
Der Text gefällt Dir?
Lesenswertpunkt schenken
Fehler gefunden?
Report an Error
Hier bei jetzt.de anmelden,
Texte schreiben und kommentieren.
17 Kommentare

speichern

Alle Kommentare anzeigen

weltherrrschaft
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

24.06.2007 - 19:41 Uhr
weltherrrschaft

Jane! Bitte sag was! Bitte, Jane!

sozialesatom
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

24.06.2007 - 19:46 Uhr
sozialesatom

ich hab einige beiträge zu dieser reihe gelesen, wenn auch nicht alle. und viele waren lausig.

diesen hier finde ich sehr ordentlich. sachlich, konkret, ohne zwanghaften anekdotenwahn. vermittelt gut, wie personaler denken.

dem_osten_so_nah
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

24.06.2007 - 20:31 Uhr
dem_osten_so_nah

was ich mich eigentlich frage: sollte man diese 2 wochen praktikas die man in der sek I machte, überhaupt erwähnen? und wenn, ja, dann extra oder?

weltherrrschaft
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

24.06.2007 - 20:41 Uhr
weltherrrschaft

Vor allem sollte man sie nie als "Praktikas" erwähnen, sondern als "Praktika"

hyks
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

24.06.2007 - 21:12 Uhr
hyks

@sozialesatom... ich stimme zu. Ein guter Artikel.

air_kaviar
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

24.06.2007 - 21:22 Uhr
air_kaviar

unsympathischer kerl, aber hoher informationswert.

0_o
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

24.06.2007 - 22:06 Uhr
0_o

na das war doch endlich mal aufschlussreich.

88EdlingtonLane
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

24.06.2007 - 22:36 Uhr
88EdlingtonLane

Ich hab mal von irgendeiner Obi-Filiale gehört, die ihrem Azubi angeboten haben, seine Überstunden mit 0,53 Cent sich auszuzahlen lassen.

Kauft bei Praktiker, Hornbach oder sonstwo!

chocoblob
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

25.06.2007 - 00:00 Uhr
chocoblob

das ist so neutral, sachlich und...normal. genau so hab ich mir das bei obi immer vorgestellt. ist aber nicht negativ

octopussy
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

25.06.2007 - 09:18 Uhr
octopussy

Das ist also Herr Obi. Eine sehr ausführliche und sachliche Schilderung, wie Bewerbungen allgemein ausfallen sollten. Interessant. Und auch gut, dass nicht so Anekdoten kamen, wie "einer hat seinen Lebenslauf auf ein Brett genagelt" oder so. Ich würde dieses Interview jetzt nicht speziell obi zuordnen, aber das muss ja auch nicht sein.

Weiter Seite 1 2

Alle Kommentare anzeigen


Speichern

Jetzt-Mitglied

christian-helten unbekannt

christian-helten

ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.