15.06.2007 - 12:38 Uhr

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Im Flugzeug

Text: Megalomaniac

Dass Stereotypen nicht frei erfunden sind, wird sicher niemand bestreiten wollen. Und ich hatte vor nicht allzu langer Zeit das Vergnügen mit zweien zu fliegen, zwischen denen ich anderthalb Stunden saß. Ein Klischee-Sandwich sozusagen. Links von mir - direkt am Gang, denn da ist man ja am schnellsten draußen, "sobald die Anschnallzeichen erloschen sind" - : der gemeine Businessman: Brille, dunkler Anzug, hässlische Krawatte. homo pecuniarii. Er zeichnet sich durch zur Schau getragene Routine aus, für ihn ist Fliegen nichts anderes als Taxi fahren - es geht nur schneller, was gut. Denn man hat ja so viel zu tun. So blättert er während der Sucherheitshinweise gelangweilt im Lufthansa-SkyShop-Magazin. Doch das schafft nicht lange Beschäftigung (wahrscheinlich schon gestern und vorgestern im Flieger gelesen), und so schöpft er während des Fluges lieber dösend neue Energie, für die wichtigen Aufgaben, die ihn heute noch erwarten. Rechts dagegen sitzt sein Gegenentwurf. Sportsonnenbrille, kurze Cargohose (wahrscheinlich von Camel Active), dazu eine Jack Wolfskin-Jacke aus der Wolle lappländischer Frosta-Schafe. Für ihn ist Fliegen Ausdruck einer Lebenseinstellung. Deshalb baut er in das Gespräch mit seinem Bekannten immer wieder als Nebeninformation ein, dass man ja gerade aus ORLANDO kommt. Als die Flugbegleiterin mit Getränken herumkommt, bestellt sich der Herr links von mir doch tatsächlich einen Tomaten saft. Mit Salz und Pfeffer, wie er betont (Gab es eine Tomatensaft-Industrie, bevor es Flugzeuge gab?). Der Herr rechts von mir dagegen fragt, ob er nicht etwas stilles Wasser in seine Volvic-Flasche haben könnte. Während des Fluges liest dieser in einem Buch, wobei er stets den Marker gezückt hat und jeden zweiten Satz anstreicht. Muss ja ein super Buch sein. Wahrscheinlich tut er das, um in eventuellen weltmännischen Gesprächen mit tiefgründigen Zitaten glänzen zu können. Bei der Landung schaut er dann doch mal aus dem Fenster, um sich über das Wetter zu äußern (also in ORLANDO war es ja besser). Sobald businessman die Maschine verlassen hat, erkundigt er sich natürlich sofort nach dem neuesten Stand der Dinge! "Ja ok, das machen wir dann soundso, ich bin gerade gelandet blabla...." Aber auch Kolumbus zückt sofort sein (wahrscheinlich Satelliten-)Telefon, um sich bei sonstwem zu melden ("Ja wir sind jetzt wieder da aus ORLANDO").


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2 Kommentare

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ShesSoHigh
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Mag ich Mag ich nicht

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15.06.2007 - 12:43 Uhr
ShesSoHigh

gabs aus Orlando eigentlich keinen Frankfurt-Direktflug?
Billig.

Businneskasper ahoi. "Also ich fliege heute nach Frankfurt, mache mich dort wichtig, und fliege abends wieder zurück".

Megalomaniac
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Mag ich Mag ich nicht

0

16.06.2007 - 01:49 Uhr
Megalomaniac

Und wohin fliegen sie?

Nach Bangkok.

Und was machen sie da?

Ich fliege nach Berlin.


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Megalomaniac

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