08.06.2007 - 19:00 Uhr

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G8 am Ende: Zwei Polizisten erzählen von ihrer Woche

Text: anke-luebbert - Fotos: anke-luebbert

Blockaden, Vorträge, Demonstrationen: Eine Woche voller Proteste gegen den G8-Gipfel geht heute in Rostock zuende. "Wir haben unser Ziel übertroffen, wir waren mehr als 12 000 Menschen auf der Straße und ihr seid super", so feierten die Organisatoren auf der Abschlusskundgebung ihre Aktionen. Nicht nur die Demonstranten machen sich auf den Weg nach Hause, auch für die Polizisten geht eine anstrengende Woche zuende.

René Günther, 28, und Angela Kuphal, 34, stehen in der Mittagssonne am Hafen und warten auf die Abschlusskundgebung. René Günther und Angela Kuphal sind Polizisten und tragen über ihrer Polizeiuniform die signalgelben Westen des Anti-Konflikt-Teams. „Wenn ich nicht als Konfliktschlichterin unterwegs bin, arbeite ich nur in Zivil“, sagt Angela Kuphal. Seit dem 25. Mai ist sie schon in Rostock im Einsatz, um bei Konflikten zwischen Polizei und Demonstranten zu vermitteln. „Das waren anstrengende zwei Wochen“, sagt auch René Günther. Die beiden waren täglich 16 bis 17 Stunden im Einsatz. Gestern standen sie bei einer der Blockaden der Zufahrtsstraßen nach Heiligendamm zwischen Anwohnern, Polizei und Demonstranten. Die Anwohner wollten an der Blockade vorbei zu ihren Häusern. Die Demonstranten wollten die Straße nicht verlassen. „Ich glaube, da haben wir ganz gut zu einer Lösung beitragen können“, sagt René Günther. "Nach langen Diskussionen sind die Blockierer aufgestanden, um die Anwohner durchzulassen."
Angela und René Die Reaktionen auf seine Arbeit empfindet er meistens als positiv - sowohl von Anwohnern, als auch von Demonstranten. "Manchmal wird man allerdings auch beleidigt oder beschimpft. Spätestens wenn jemand einen Stein in die Hand nimmt, hört mein Redebedarf auf. Dann ziehen wir uns zurück." Vor acht Jahren seien die ersten Konfliktschlichter ausgebildet worden. Man habe eingesehen, dass sich Polizisten mit Helm und voller Schutzkleidung nicht gut eignen, um deeskalierende Gespräche mit aufgebrachten Demonstranten zu führen. „Bei großen Demos sind wir dabei, am 1. Mai zum Beispiel oder bei Castor-Transporten, aber auch bei der WM waren wir im Einsatz.“ Angela Kuphal glaubt, dass man „schon aus einer ganz besonderen Wolle gestrickt sein muss, um diesen Job zu machen.“ Ihr liegt die Transparenz am Herzen. Angela Kuphal vertritt ein demokratisches Verständnis von der Arbeit der Polizei. Sie informiert die Demonstranten darüber, welche rechtlichen Grundlagen es für Polizeiaktionen gibt, warum Kontrollen statt finden, Leute festgenommen oder Veranstaltungen abgesagt werden. Abgesehen von den Eskalationen am vergangenen Samstag ist sie über die Proteste der letzten Woche begeistert: „Ich finde es gigantisch, wie viele Demonstranten hier zusammengekommen sind. Wo die überall herkommen: Holländer, Belgier, Dänen, Kanadier. Was die für Geld ausgegeben haben, nur um ihre politische Meinung zu vertreten.“ Sie schweigt kurz und sagt dann: „Ganz oft habe ich eine richtige Gänsehaut bekommen. Alle Achtung.“ Die Einsatzleiter der Polizei waren in den vergangenen Tagen heftiger Kritik ausgesetzt. Während der Blockaden sollen Beamte unverhältnismäßige Maßnahmen angewendet, Polizisten in Zivil in die Blockadegruppen eingeschleust und überflüssige Gewalt ausgeübt haben. Offensichtlich hat die Polizei auch Falschmeldungen über Verletzte in den eigenen Reihen publiziert. Von über 400 gemeldeten Schwerverletzten waren nur zwei tatsächlich im Krankenhaus - üblicherweise das Kriterium, um als „schwer verletzt“ eingestuft zu werden.
Konfliktschlichter im Einsatz Auch auf der Abschlusskundgebung ist die Atmosphäre angespannt. Es gibt Sprechchöre, die „Eure Kinder sehen bald aus wie wir“ oder „Haut ab!“ rufen. Die Moderatorin der Abschlusskundgebung fordert die Polizei immer wieder auf, die Kontrollen von Teilnehmern zu beenden. Demonstranten werden in Gewahrsam genommen, weil sie schwarze Handschuhe dabei haben oder Sonnenbrillen tragen. Die Kontrollen verzögern den Beginn der Kundgebung um fast zwei Stunden. Zu all dem mag Angela Kuphal nicht viel sagen. „Am Samstag, bei der Demo in Rostock, als es die Ausschreitungen gab, haben wir nicht kontrolliert“, sagt sie. „Wir haben gesehen, wo das geendet hat. Was genau momentan passiert, weiß ich nicht, da habe ich keinen Überblick.“


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Lycana
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Mag ich Mag ich nicht

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10.06.2007 - 13:29 Uhr
Lycana

Nein es gab keine Abschlussparty ;)

AntoineV
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Mag ich Mag ich nicht

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10.06.2007 - 13:52 Uhr
AntoineV

Na, ob Augenzeugenberichte immer gleich Gerüchte sind,...
am Anfang hat die Polizei ja noch bestritten, überhaupt Zivilpolizisten einzusetzen. Das steigert nicht gerade ihre Glaubwürdigkeit und bestätigt doch eher die Demonstraten in ihrer Aussage, dass die Polizei Falschmeldungen rausgibt

HerrIrgendwoAnders
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10.06.2007 - 14:00 Uhr
HerrIrgendwoAnders

Ich bin Bremer und kenne die Leute die den Zivi identifiziert haben. Direkt dabei war ich nicht, aber das war schon eine recht eindeutige Aktion. Die Polizeiwollte Gewalt um die ansonsten völlig freidliche Blockade vor dem Osttor des Zauns vor den Augen der anwesenden Medien räumen zu können.
Ich betrachte die Bullen ja sonst immer als Leute, die auch nur ihren Job machen (weil sie halt Geld verdienen müssen, wie alle), aber was ich bei den Protesten gesehen und erlebt hab, tut mir leid, das war jedenfalls keine Deeskalation. Und was die über die rostock Demo sagen, ist auch allenfalls die halbe Wahrheit.

puppenspieler
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Mag ich Mag ich nicht

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10.06.2007 - 15:15 Uhr
puppenspieler

für diesen artikel auch lob von mir! war die ganze zeit dabei in rostock und bin froh, dass es noch presse gibt, die die dinge so beschreibt, wie sie wirklich waren ( anzahl der schwerverletzten polizisten, gründe für ingewahrsamnahmen...)

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Mag ich Mag ich nicht

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10.06.2007 - 15:23 Uhr
puppenspieler

im übrigen war ich auch bei der blockade, bei der der zivi enttarnt wurde... das war auch die blockade von der es anfangs hieß, die blockierer seien mit molotowcocktails bewaffnet und würden schutzkleidung anlegen... sowas von gelogen!

andererseits hat es mich bei der blockade überrascht, dass die polizei versprach diese nicht in der nacht zu räumen und sich daran hielt, selbst lagerfeuer am straßenrand erlaubt wurden und die polizisten am nächsten morgen ohne helm und nur noch vereinzelt in kleineren gruppen herumstanden....naja.. es gab eben negatives und positives am verhalten der polizei...es gäbe noch vieles zu berichten.. letztendlich glaube ich aber, dass die polizei oftmals nicht eingriff bzw. eingreifen konnte, weil sie von den menschenmassen bzw. "der lage" total überfordert war.

wiedemauchsei
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Mag ich Mag ich nicht

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10.06.2007 - 19:07 Uhr
wiedemauchsei

schließe mich dem puppenspieler an.
außerdem möchte ich zwei zitate aus dem obigen text nebeneinanderstellen:

„Wenn ich nicht als Konfliktschlichterin unterwegs bin, arbeite ich nur in Zivil“, sagt Angela Kuphal.

Angela Kuphal vertritt ein demokratisches Verständnis von der Arbeit der Polizei.

ich weißn icht recht!!! ich wurde selbst mal von einem zivilbeamten festgenommen, der sich nur mit einem kleinen polizei-schlüsselanhänger ausgewiesen hat, und anschließend direkt zur gewaltanwendung überging...

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Mag ich Mag ich nicht

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10.06.2007 - 19:09 Uhr
wiedemauchsei

ach so, und noch zum text: ja, die konfliktteams waren wichtig unhd gut, aber bei vielen straßenblockaden der polizei gabs sowas nicht, dafür wasserwerfer, schlagstöcke und tränengas für freidlich demonstranten, wie mich ;)

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anke-luebbert

ist jetzt-Mitarbeiterin und hat diesen Beitrag verfasst.