07.06.2007 - 19:00 Uhr

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Eintrag aus dem Klassenbuch. Heute: Für was ist Schwänzen gut?

Text: eva-schulz

Die einen besuchen sie neun, die anderen zwölf Jahre: Die Schule prägt uns ein Leben lang. Eva Schulz steckt noch mitten drin im Leben zwischen Lehrerzimmer und Spickerschreiben. Heute widmet sie sich den Schwänzern.

Im Label Schulkolumne findest du noch mehr Texte aus dem Schulleben von Eva Schulz.

Letztes Wochenende war also Rock am Ring. Das Festival, auf das Bernhard, Tim und die anderen seit Wochen, nein, Monaten hinfieberten. Entsprechend groß war ihr Entsetzen, als der Klausurplan veröffentlicht wurde und die Bioarbeit ausgerechnet für den einen, den besonderen Freitag angesetzt war. Eigentlich hatten die Jungs nämlich geplant, schon am frühen Freitagmorgen in ein verlängertes Wochenende (und in Richtung Eifel) zu starten. Da man aber von einer Klausur eben nur mit ärztlichem Attest zu entschuldigen ist, analysierten sie noch schnell Licht- und Dunkelreaktion der kanadischen Wasserpest, um dann nach zwei Stunden mit wehem Blick über den Schulhof zu taumeln. „Uhh, Benni, ist dir auch auf einmal so schlecht...?“ – „Tim, ich kann mich kaum noch halten!“ Einmal hinter dem Tor verschwunden, hörten wir von ihnen nur noch quietschende Reifen.
Ich persönlich habe noch nie geschwänzt. Na gut, einmal, aber das war aus Versehen. Und noch in der Grundschule. Mein Fahrrad war kaputt, deswegen brachte meine Mutter mich morgens hin. Nach dem Unterricht wartete ich wie abgesprochen vor dem Eingang, aber sie kam und kam nicht. Allmählich waren auch alle anderen Kinder verschwunden und ich begann mich zu wundern. „Na gut“, dachte ich irgendwann, „vielleicht ist ihr etwas dazwischengekommen.“ Ich lief also los. Der Weg nach Hause war, für kleine Drittklässlerfüße, ein ziemlich langer. Kurz vor dem Ziel bog noch die Mutter meiner Freundin in ihrem Auto um die Ecke und guckte ganz verwundert drein. Und als ich dann endlich angekommen war, stieg meine Mutter gerade ins Auto. „Eva“, rief sie, „was machst du denn schon hier?“ Erst da fiel mir das Sportzeug auf, das über meiner Schulter baumelte. Hatte ich das heute nicht noch anziehen wollen? So habe ich zum allerersten Mal geschwänzt, und dann auch noch ausgerechnet Sport, dieses typischste aller Schwänzfächer. Zumindest unter Mädchen. Meine Entschuldigung war damals, dass ich es einfach vergessen hatte, und die Lehrerin lachte darüber. Aber heute muss man zu härteren Bandagen greifen. Es gibt Mitschülerinnen, die das völlig skrupellos tun. Ein „Ziehen in der Brust“ oder noch besser die obligatorischen „Unterleibsschmerzen“ sind einfach unschlagbare Waffen. Was soll ein Sportlehrer dagegen machen, selbst wenn er noch so sehr überzeugt davon ist, dass seine Schülerinnen sich bloß drücken? Einen Zykluskalender für sie führen? Jungs haben es da schwerer. Andererseits nehmen sie am Sportunterricht auch meistens mit großer Begeisterung teil. Müssen sie doch einmal kreativ werden, fällt ihnen höchstens „vergessenes Sportzeug“ ein. Naja. In anderen Fächern sind sie dafür umso dreister. So reichte ein Mitschüler neulich folgende Begründung für seine Abwesenheit ein: „Leider konnte ich letzten Donnerstag nicht am Mathematikunterricht teilnehmen, da ich nach dem Ende der ersten Klausurphase Ermüdungserscheinungen in Verbindung mit Kopfschmerzen hatte. Doch ich konnte mich im Laufe des Tages aufrappeln und in der 7. und 8. Stunde bin ich dann noch zum Englisch LK gekommen.“ Die erhoffte Unterschrift verweigerte ihm der Mathelehrer. Ich frage mich immer, was meine Mitschüler eigentlich tun, wenn sie blaumachen. Kathi musste neulich schwänzen, um ihr Kunstprojekt fertig zu stellen. Quasi Schule ausfallen lassen, der Schule wegen. Schwänzt man also üblicherweise aus Stress? Wohl kaum. Aber nach dem, was sie mir erzählt haben, wissen die meisten Blaumacher mit ihrer gesparten Zeit nicht viel Besseres anzufangen als irgendwo herumzuliegen, fernzusehen oder abzuwarten, bis die anderen nachkommen. Rock am Ring ist da natürlich etwas anderes. Bernhard sagt jedenfalls, es habe sich absolut gelohnt. Sein Wochenende (und sein Freitag) waren fantastisch, so fantastisch, dass er am Montag lieber auch noch mal gefehlt hat. Die Entschuldigung dafür liegt schon in seinem Block: „Bernhard fuhr am Freitag nach der Biologieklausur nach Hause, weil er unter starken Kopf- und Bauchschmerzen litt. Seine Erkältung und ein Tinnitus zogen sich über den Montag hin. Ich bitte, seine krankheitsbedingte Abwesenheit vom Unterricht zu entschuldigen. Mit freundlichen Grüßen – meine Mutter.“ Illustration: katharina-bitzl


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DarkAngel9434
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Mag ich Mag ich nicht

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07.06.2007 - 19:47 Uhr
DarkAngel9434

Also in unserer Mädchen-Sport Klasse ist es Gang und Gäbe regelmäßig zu "schwänzen".Entschuldigt natürlich.Dass das andere Mädchen wöchentlich durchziehen, scheint der Sportlehrerin natürlich gar nicht mehr aufzufallen, bei manchen zumindest.
Ich schwänze nur die Schule wenn ich gute Gründe dafür habe.
Letztens wollte ich Mittwochs nicht in die Schule, weil ich am Abend zuvor auf einem Placebo-Konzert war.Auch wenn ich morgends verpenne spare ich es mir gerne auf noch in die Schule zu laufen.
Aber das eher selten....Und schwänzen tut man entweder ganz oder gar nicht ;)

Kapuzenkind
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Mag ich Mag ich nicht

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07.06.2007 - 21:34 Uhr
Kapuzenkind

Ich hab bisher in meinen 10 Jahren Schulzeit ehrlich gesagt nur 2 mal geschwänzt (ja schwach.. ich weiß):
Einmal weil ich wirklich keine Lust hatte in der Sommerhitze Sport zu treiben, da hab ich mir dann selber eine Entschuldigung geschrieben (war aber die anderen 4 Stunden auch noch anwesend)
Und des zweite mal kam mein Bus viel zu spät, so dass ich natürlich die erste Stunde nicht pünklich geschafft hätte.. ich bin dann mit 2 Freundinnen frühstücken geganen und wir sind erst zur Pause erschienen.

Also das ist ja quasi keinmal...
Um so richtig zu schwänzen bin ich warscheinlich zu feige.. außerdem würden meine Eltern mir auch was erzählen.. Das würde mich auch mal interessieren: Sagen die eure Eltern denn nichts dazu, liebe Schwänzerkinder?

lafuxa
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Mag ich Mag ich nicht

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07.06.2007 - 21:53 Uhr
lafuxa

Müßiggang wird unterbewertet! Scheinbares Nichtstun kann auch sehr produktiv werden.

(Wobei meine knallharten Schwänzgründe meistens verzeihlich waren, zB Vorstellungsgespräch oder eben ... Kunstprojekt.)

dem_osten_so_nah
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Mag ich Mag ich nicht

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07.06.2007 - 21:53 Uhr
dem_osten_so_nah

hmm...ich habe so jedes schuljahr meist in der höhe einer niedrigen zweistelligen zahl geschwänzt.
gründe sind verschieden:
- unterricht zu erwartenderweise sterbenslangweilig
- wichtigeres zu tun
- unglaublich großer drang nach mittagsschlaf
- allgemeines unwohlsein

und die hürden waren ja auch an sich eher gering. auf den endjahreszeugnissen standen eh nie fehlstunden drauf - abgesehen von der tatsache, dass immer maximal die hälfte an fehlstunden überhaupt registriert wurde. und als man dann älter war (sprich 18) hat man sich ab un zu eben einfach flugs nen zettel geschrieben und sich was plausibles ausgedacht. oder auch das nicht getan, da langfristige konsequenzen keine zu befürchten waren.

lafuxa
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Mag ich Mag ich nicht

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07.06.2007 - 21:54 Uhr
lafuxa

Und Mutti sagt immer: Mach was du willst, die Noten sind ja gut.

Bettmenschin
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Mag ich Mag ich nicht

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07.06.2007 - 22:09 Uhr
Bettmenschin

Gründe fürs Schwänzen:
Sommer, Sonner, Schwimmbad ist schöner, Date für das man sich noch schön machen muss, der Zug fährt 5 Minuten vor Unterrichtsschluss, keine Lust usw.
Man sieht, Gründe gibt es genug, nur sollte man das den Eltern mal klar machen...

farilari
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Mag ich Mag ich nicht

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07.06.2007 - 22:10 Uhr
farilari

lehrer sagte: wenn sie's nicht interessiert, brauchen Sie nicht zu kommen. hatte trotzdem 15 punkte im mathe abi.

ich lernte oft in der zeit. man lernt wesentlich besser, wenn man nicht in der schule ist.

Bettmenschin
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Mag ich Mag ich nicht

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07.06.2007 - 22:11 Uhr
Bettmenschin

Achja, und besagtes Rock am Ring. Da bin ich doch recht froh, dass in BW Ferien waren bzw sind.

Kapuzenkind
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Mag ich Mag ich nicht

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07.06.2007 - 22:13 Uhr
Kapuzenkind

Also meine Mutter sagte nie "mach was du willst" ;)

MisterBrightside
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Mag ich Mag ich nicht

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07.06.2007 - 22:21 Uhr
MisterBrightside

Au weia. Bei uns in der Oberstufe haben die Lehrer gar keinen Überblick mehr, wer bei welchem Lehrer wann Unterricht hat... Das ist eines der grandiosen Vorteile des Kurssystems, da kann man guten Gewissens in der restlichen Zeit anwesend sein. Aber meine Lehrer waren in solchem Sonderfällen eh cool, ich durfte aufgrund eines Besuchs bei einem Fensehsender legal schwänzen, sprich: die hatten ihr Segen dafür gegeben.

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eva-schulz offline

eva-schulz

ist jetzt-Mitarbeiterin und hat diesen Beitrag verfasst.

Eva Schulz