Wir-gegen-Die-Musik: Der Protestsong von Bertolt Brecht bis Kettcar
Böse Menschen haben keine Lieder. Die Guten, die in diesen Tagen in Heiligendamm zusammenkommen, haben gleich eine ganze CD. Auf dem Sampler „Move Against G8“ (über antifa-versand.de) liefern Bands wie Kettcar, Blumfeld und Tote Hosen den Soundtrack zum Nein – und reihen sich damit in eine alte Tradition ein.
Woodstock ist im 21. Jahrhundert unnötig, wir haben das Internet. Auf der Webseite von Neil Young, dem großen Mann der Gitarrenpolitk, der in zwei Alben erst den Krieg gegen den Terror lobte und dann verdammte, findet sich die Rubrik „Songs of the Times“, in der Young Lieder-Links zu Protestsongs sammelt: Dylan-Bootlegs, Amateuraufnahmen, Parodie-Pop und You-Tube-Ansprachen. Mehr als 2500 Einträge sind mittlerweile zusammen gekommen, die meisten mit wenig subtilen Titeln wie „Nights in Falludscha“ oder „No more Bush“. Let’s Blog’n’Roll – oder wie? Es ist ein Zeichen der Zeit, dass sich jeder äußern darf, aber keine Stimme, kein Song mehr so laut erklingt, dass auch alle zuhören. Das war früher, so erzählen es die Alten, irgendwie anders. Warum soll die Stimme des kleinen Mannes nicht schön und eingänglich klingen? Das ist die Logik hinter der Idee, mit dem emotionalen Musik-Medium, eingängigen Akkorden (G-E-C-D) und Zeilen, die Menschen zu ändern.
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