04.06.2007 - 19:00 Uhr

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„Die Riesen zittern“

Text: jakob-schrenk - Illustration: katharina-bitzl

Vor Beginn des G 8-Gipfels erklärt der Soziologe Ulrich Beck, warum der Einkaufswagen zur Wahlurne wird
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Welche Formen von Politik und Protest sind heute noch Erfolg versprechend? Wo liegen Probleme und Chancen der Parteien, Gewerkschaften, NGOs und von Medien- und Konsumaktivismus? Diesen Fragen geht der Suhrkamp-Band Und jetzt? Politik, Protest und Propaganda nach, an dem einige jetzt.de-Autoren mitgeschrieben haben und dem dieses Interview in gekürzter Version entnommen wurde.

Ulrich Beck; Foto: Regina Schmeken Herr Beck, bei Ihren Büchern entsteht gelegentlich der Eindruck, als ob Sie erst den Weltuntergang beschwören, um dann umso effektiver die Lösung zu präsentieren: Wir sollen global denken und aktive Bürger werden. Ulrich Beck: Ich hecke ja nicht selber ökologische Untergangsszenarien aus. Als Soziologe beschreibe ich, wie verschiedene gesellschaftliche Akteure ein Bild von ökologischen Gefahren zeichnen und ich beschreibe die Wirkungen, die dieses Bild hat. Um es salopp zu sagen: Ich interessiere mich dafür, wie eine Risiko-Religion gestiftet wird und wie die Gläubigen es schaffen, dass immer mehr Menschen zu dieser Religion konvertieren. Wie erfolgreich ist das Missionieren? Die Umweltbewegung verzeichnet Erfolge, die vor einigen Jahren unvorstellbar gewesen wären. Vor einigen Monaten war ich auf einer Konferenz in Paris zum Thema Umweltschutz. Jacques Chirac hielt dort eine Rede, damals noch als Präsident eines Landes, in dem man sich gerne über die Deutschen mit ihrem „le Waldsterben“ lustig machte. Irgendwann beugte sich der Chef von Greenpeace zu mir rüber und sagte: „Der redet ja, als ob er bei uns Mitglied wäre. Der redet genauso wie ich.“ Die Rolle des ökologischen Mahners wird schon bald nicht mehr von Greenpeace gespielt werden, sondern von verrenteten Staatsmännern. Al Gore ist ja schon so ein globaler Bühnenheld. Politik der Nichtpolitiker An der Umweltbewegung haben Sie auch die von Ihnen so genannte Subpolitik illustriert. Erklären Sie doch bitte noch einmal dieses Konzept. Die Idee der Subpolitik ist, dass genau die Entscheidungsbereiche, die im Windschatten des Politischen liegen, also der Konsum, die Wissenschaft oder das Privatleben, jetzt in die Stürme der politischen Auseinandersetzungen geraten. Das verstehen wir immer noch nicht wirklich: Wir suchen das Politische bei den falschen Personen. Diejenigen, die wir gewählt haben, sitzen machtlos auf der Zuschauertribüne, während die, die wir nicht gewählt haben, Schlüsselentscheidungen treffen, die unser Leben bestimmen. Die Politikverdrossenheit hat hier ihre Wurzeln. Dabei wird aber übersehen, dass die Politik nicht erstarrt ist. Es gibt eine Vielzahl an neuen Akteuren. Der Kern heutiger Politik ist die Fähigkeit zur Selbstorganisation, das bedeutet nicht Ellbogenkonkurrenz, sondern Gesellschaftsgestaltung von unten. Die Menschen organisieren sich also selbst und schaffen eine herrschaftsfreie Gesellschaft? Das ist eine etwas einseitige Interpretation, an der ich nicht ganz unschuldig bin. Subpolitik findet nicht nur im Weltladen statt. Auch das globalisierte Kapital betreibt Subpolitik, und Bin Laden ist der Ehrenpräsident einer Gewalt-NGO. Was sie gemeinsam haben, ist, dass ihre Aktionen nicht demokratisch legitimiert sind und außerhalb der klassischen politischen Arenen ablaufen. Man sollte sich auch weniger die einzelnen Gruppen anschauen – also hier Greenpeace und dort BP – sondern die Bündnisse, die sie miteinander eingehen. Eine Koalition aus NGOs und Großindustrie bringt zum Beispiel George W. Bush in den USA immer mehr unter Druck, endlich dem Kyoto-Protokoll beizutreten. Die Subpolitik kann Entscheidungen aber nicht alleine durchdrücken. Sie müssen an den Staat appellieren, der zum ausführenden Organ ihrer Wünsche wird. Auf der nächsten Seite liest du, was die Antiglobalisierungsbewegung bisher erreicht hat
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