25.05.2007 - 19:00 Uhr

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Die Lieder der Woche mit Erdmöbel, Miss Platnum, Mumm-Ra und den Shout Out Louds

Text: christina-waechter

Reingehört

Lied: “Was geht, Muschikatz“ von Erdmöbel Ausgesucht weil: der Song exemplarisch für das Album steht. Man hätte aber auch jeden anderen der zwölf Tracks nehmen können. Ausgesucht von: “No. 1 Hits” (Sony BMG)
Achtung! Das ist ein Konzeptalbum. Mit (evtl.) Humor auch noch. Erdmöbel haben sich dabei vielleicht sogar Gedanken gemacht. Aus No. 1 Hits aus fünfzig Jahren haben sie sich zwölf ausgesucht, die Texte ins Deutsche übersetzt und dann noch einmal eingespielt. Der Sinn? Lässt sich lange suchen. Warum sie ausgerechnet aus den tausenden No. 1 Hits genau die zwölf ausgesucht haben (Nirvana „Riecht wie Teen Spirit“, Kylie Minogue „Can’t Get You Out Of My Head“, Robbie Williams „The Road To Mandalay“, etc.), die es auf die Platte geschafft haben? Etwas wirr sprechen sie davon, dass auch erfolgreiche Songs gut sein können. Eine Erkenntnis, die so bahnbrechend neu nun wirklich nicht ist. Was sie dem Hörer damit sagen wollen? Wird nicht weiter abgehandelt. Und warum ich mir das anhören soll? Ebenfalls: keine Ahnung. Ihre Interpretation beschränkt sich auf eine relativ werktreue Übersetzung und eine minimal neue Instrumentierung. Vielleicht soll es eine subtile Medienkritik sein, vielleicht ist es einfach auch nur echter Mist. Lied: “Limelight“ von Apparat Ausgesucht weil: man da mal auch als Laie kapiert, warum elektronische Musik etwas Feines sein kann. Ausgesucht von: “Walls” (Shitkatapult)
“Walls” kommt daher, wie die beste Abschlussarbeit aus einem Berliner Elektrogefummel-Workshop. Manchmal ziemlich beeindruckend, manchmal ein bisschen fad und streberhaft. Sascha Ring ist Apparat und hat sich für sein aktuelles Solo-Album fast vier Jahre Zeit genommen. Aber zwischendurch war er gar nicht faul, sondern hat zusammen mit Ellen Alien einmal die Erde umrundet und das sehr beeindruckende Album „Orchestra For Bubbles“ aufgenommen. Wer in Berlin lebt, hat es gut, denn da tritt Apparat zusammen mit Ellen Alien, T.Raumschmiere, Transforma und anderen großen Elektrofummlern am Pfingstmontag in der Volksbühne auf. Alle anderen können sich für ihr Provinzdasein schämen und die Platte hören. Lied: “Give Me The Food“ von Miss Platnum Ausgesucht weil: da besonders toll zusammenkommt, was eigentlich nicht zusammen gehört. Ausgesucht von: “Chefa” (Four Music)
Man glaubt es nicht, bis man es gehört hat, was so alles zusammengeht. In Miss Platnums Fall ist das dann rümänischer Derwisch-Sound, eine ordentlich geschmierte R’n’B-Stimme, ein ordentlich knarrrrziger Akzent und Soul- und HipHop-Beats. Ruth, die Rumänin, ist mit acht Jahren ihren Eltern nach Deutschland gefolgt. In Berlin hat sie ihre Stimme bei der Alt-Soul-Größe Jocelyn B. Smith geschult und recht erfolgreich als Backgroundsängerin gearbeitet. Ein erstes, sehr erfolgloses, Debutalbum hat sie ordentlich aus der Bahn geworfen. Inklusive Alkohol- und Drogen-Problemen. Aber jetzt ist sie wieder da – und Miss Platnum ist ihr rumänisches Party-Kugel-Alter-Ego. Ganz besonders schön die Single „Give Me The Food“, ihre Aufzählung von fetten Speisen, die sie sich von ihrem Liebhaber wünscht werden da akzentuiert von ordentlich trockenen Bläsern. Sollen sich doch die anderen ihrer Bikinifigur entgegen hungern. Eine Miss Platnum braucht Fleisch. Lied: “Ill Wills“ von Shout Out Louds Ausgesucht weil: da mal wieder zusammen kommt, was zusammen gehört. Schweden, Pose und Pop. Ausgesucht von: “Our Ill Wills” (Haldern Pop Recordings)
Wenn Promoter besoffen (oder einfach nur sehr verplant) ihre Info-Zettel zur Platte schreiben, kann das schöne Blüten treiben. Im falle der Shout Out Louds klingt das dann so: „Astrid Lindgren, eine literarische Strategin generationsübergreifender Begeisterung für die kleine alltägliche Melodie, der immer wiederkehrende Antrieb des Lebens. Dieser unkomplizierte Ausdruck des Positiven und der in Ton gegossenen Freude findet mit den Shout Out Louds seine musikalische Fortsetzung.“ Kapiert? Nee, ich auch nicht. Und besonders gemein: Die Band hat das gar nicht verdient. Die ist nämlich – wenn auch kein bisschen originell oder neu oder überraschend – doch ein sehr solider Schweden-Import. Mit ein wenig Kunsthandwerks-Geklöppel und sehr schlauen Melodien machen die ganz einfach gute Laune. Und das ist ja schon mal ganz schön viel. Lied: “She’s Got You High“ von Mumm-Ra Ausgesucht weil: Das wird der Frühsommer-Spätfrühlings-Hit. Wetten? Ausgesucht von: “These Things Move In Threes” (Sony BMG)
Ach, kann ich auch einfach mal gute Laune haben? Ja? Danke, Mumm-Ra. Der Song geht gar nicht mehr aus dem Kopf, so catchy ist die Melodie, so sympathisch british-english, so überberstend von Harmonie-Gesang. Und da ist noch mehr drin in der Platte: Ein Schlagzeuger, der für sein Geld noch richtig arbeitet, ein Chor, der sich in der aussterbenden Kunst des Kanon-Singens auskennt und eine ganze Ladung Frühlings-Laune. Die sind gut, die wurden als Vorgruppe von den Killers eingeladen und nicht nur der NME überschlägt sich in Lobeshymnen. Die werden noch groß werden. Ganz sicher. Lied: “The Loveliest Alarm“ von This Et. Al Ausgesucht weil: sie auf diesem Song noch ein bisschen mehr ihrer Liebe zum minutenlangen Aufbau eines Stücks frönen. Ausgesucht von: “Baby Machine” (Strange Ways)
This Et. Al haben ihre Wurzeln im Nu Metal, ganz besonders Mutige behaupten gar, sie hätten sein Revival in England erst begründet. Diesen Einfluss hört man deutlich, auch wenn sie sich davon mit jeder Single weiter entfernt haben. Auf „Baby Machine“, ihrem ersten Debüt-Longplayer, ist der Wille zur Hymne deutlich, aber hinter den eingängigen Melodien baut die Gitarre eine Sound-Wall auf, an der fast kein Vorbeikommen ist, alle paar Takte kommen sie mit einem neuen Trick um die Ecke und Wu, der Sänger, singt sich mit seiner Jungs-Stimme einen ab. Das könnte ein gutes Jahr für This Et. Al werden.

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SoMuchFor
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Mag ich Mag ich nicht

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25.05.2007 - 19:57 Uhr
SoMuchFor

Also bitte Christina, hast Du Dir das ERDMÖBEL Album wirklich mal genau angehört?

Von einer - ich zitiere- : "minimal neue Instrumentierung" kann ja wohl echt nicht die Rede sein...

Oder hörst Du bei "Smells like Teenspirit" im Original etwa Posaunen oder in der "Auf und Ab"-Version" von Erd,öbel die unerträglichen Discobeatz des Originals von den Venga Boys?

Falls, ja, wüd ich raten: OHRENARZT und echt nichts für ungut, mir taugt das Coveralbum nämlich absolut.

stundenhotel
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Mag ich Mag ich nicht

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26.05.2007 - 09:53 Uhr
stundenhotel

mich stößt das erdmöbel-album etwas ab. es ist dieser pseudotrash-kultversuch-blödian-wahn, der hier wieder um sich greift. mit humor hat das ja nicht so viel zu tun. hauptargument: es ist nicht gut gemacht, hat keine leidenschaft. aber die leute, die ironie-modern talking-t-shirts tragen werden damit bestimmt wieder versuchen zu bei-ein-druk-ken.

Tante_Rock
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Mag ich Mag ich nicht

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26.05.2007 - 12:37 Uhr
Tante_Rock

Aber dafür sind die Shout out Louds einfach nur großartig. Ja ja, nichts neues, dafür aber tolles. Die gehören umarmt, so einfach ist das.

poormisguidedfool
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26.05.2007 - 15:48 Uhr
poormisguidedfool

ich kann mich gar nicht satt hören an den särgen.
bei paul ankas "rock swings" hörte man noch begeisterung allenthalben - hier scheiden sich die geister. es sei.
mir schmeckt das album sehr gut. mag dran liegen, dass die erdmöbel ohnehin zu meiner akkustischen leibspeise gehören.

und danke für mumm-ra!

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Mag ich Mag ich nicht

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26.05.2007 - 15:51 Uhr
poormisguidedfool

ps: so'n satz wir "das ist ja schon mal ganz schön viel" bitte umgehend aus dem plattenkritik-wortschatz streichen! der ist nämlich schon mal ganz schön vielvielviele Male geschrieben worden. und zeugt immer von ratlosigkeit und argumentationsarmut.

DrPhilHarmonie
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Mag ich Mag ich nicht

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26.05.2007 - 21:02 Uhr
DrPhilHarmonie

Apropos "Erdmöbel": Da ist ein Schreibfehler in der Überschrift - es müsste "Leider der Woche" heißen. =)

HannesB
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27.05.2007 - 22:39 Uhr
HannesB

es heißt "orchestra OF bubbles".

Speed_Child_o_Mine
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Mag ich Mag ich nicht

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28.05.2007 - 18:25 Uhr
Speed_Child_o_Mine

ich muss SoMucHfor absolut beipflichten. wenn dir das erdmöbel-album nix taugt, liebe christina, ist das deine geschmackssache, aber du kannst unmöglich "eine[r] relativ werktreue[n] Übersetzung und eine[r] minimal neue[n] Instrumentierung" sprechen. da finde ich tust du den särgen absolut unrecht. die holen nämlich echt krasse sachen mit ihren instrumenten.

phantasievolleFabelhaftigkeit
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Mag ich Mag ich nicht

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18.07.2007 - 21:35 Uhr
phantasievolleFabelha…

Besonders lustig und urkomisch: Die verdeutschte Version von "Smells like Teen Spirit"; selten so was stranges gehört. Toll Toll.

stream
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Mag ich Mag ich nicht

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05.08.2007 - 13:32 Uhr
stream

eine Freundin hat Miss Platnum live in Köln gesehen und war begeistert! das Vido auf youtube zu "Give me the food" finde ich auch einfach klasse! jetzt heißt es warten, bis sie live in meine Gegend kommt...

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ist jetzt-Mitarbeiterin und hat diesen Beitrag verfasst.

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