Hauptsache super: Ned, 26, beschreibt wie ihn Karriere-Stress krank machte
Text: philipp-mattheis
In Amerika wurde das Buch als "eines der lustigsten über Depression" bezeichnet: Ned Vizzini, 26, schreibt darüber, wie ihn der Erfolgsdruck unter New Yorker Jugendlichen in die Klapse brachte und was er dort erlebte. Ein Textmarker zum Buch und ein Interview mit Ned über Erfolgsdruck in unseren Leben
Ned Vizzini (Foto) ist 26 Jahre alt und studierter Informatiker. Mit 19 veröffentliche er sein erstes Buch „Teen Angst? Naaah…“. Vor drei Jahren erkrankte er selbst an einer Depression, was ihn veranlasste, seine Geschichte aufzuschreiben.
Wie autobiografisch ist die Geschichte von Graig Gilner? Wie hast Du die Depressionen in den Griff gekriegt?
Die Geschichte ist zu 85 Prozent autobiografisch. Der größte Unterschied ist das Alter: Als ich krank wurde, war ich 23, nicht 15. Mit meiner Krankheit zurecht komme ich, seitdem ich die richtigen Medikamente nehme. Außerdem habe ich gelernt, die Dinge, insbesondere meine Karriere, entspannter zu sehen. Ich habe mich früher wegen allen möglichen Sachen stressen lassen und es hat einige Zeit gedauert, bis ich kapiert habe, was Stress anrichten kann.
Warum schreibt man so ein Buch?
Nach den Erfahrungen mit meiner Depression ging mir „Eine echt verrückte Story“ sehr leicht von der Hand. Ich hatte das Gefühl, dass ich diese Geschichte erzählen muss, weil es vielen Menschen sehr ähnlich geht. Das Buch hat sich also beinahe von selbst geschrieben.
Sind psychische Erkrankungen mittlerweile eine Volkskrankheit?
Statistiken zeigen, dass psychische Erkrankungen in den letzten zwanzig Jahren zu einem sehr großen Problem geworden sind – nicht nur unter jungen Menschen. Die Zahl der diagnostizierten Depressionen unter Jugendlichen in den USA hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Ich glaube, dass das mitunter an dem hohen Druck liegt, der schon im Schulalter ausgeübt wird. Eine richtige Kindheit haben viele heute nicht mehr – schon im Vorschulalter ist das Arbeitspensum immens. Das wirkt sich aus.
Machen sich Teenager heute zuviel Stress?
Jugendliche setzten sich selbst unter Druck, um immer früher erfolgreich zu sein. Sie sehen gleichaltrige Idole in den Medien und denken, mit ihnen konkurrieren zu müssen. Und auch die schwierige Arbeitsmarktsituation spielt eine Rolle – viele denken, sie müssen unbedingt auf das richtige College gehen, um den richtigen Job zu kriegen. Dieses Denken erzeugt unheimlich viel Stress.
Welche Ratschläge würdest Du heute dem 15-jährigen Craig geben?
Denke daran, dass sich das Leben ständig verändert. Vergiss nie, wie sehr dich deine Familie und deine Freunde lieben. Mach Dir bewusst, dass es anderen Menschen viel schlechter geht als dir und dass du jeden Tag, an dem du gegen etwas kämpfst, stärker wirst. Stress tut niemandem gut. Vergiss nicht, zu lachen – es gibt zuviel komische Sachen da draußen.