Mami und Papi, meine Goldesel: Ich lebe von meinen Eltern - und das ist gut so
Ja, ich gebe es zu: Ich bin ein Schmarotzer. Aber du und du und deine Freundin auch sind ebenfalls Schmarotzer, womöglich sogar noch größere als ich. Bei mir ist es so: Jedes vierte Bier zahlt mein Vater, das Zimmer in der WG zahlt er auch, die Flatrate und die Bücher und manchmal, wenn ich sparsam bin, zahlt er sogar die Zigaretten. Das darf meine Mutter aber nicht merken, schließlich ist sie es, die das Geld meines Vaters auf mein Konto überweist, jeden Monat, pünktlich zum Ersten. Das sind 420 Euro. Die Studiengebühren von 300 Euro an der Uni hier übernehmen meine Eltern auch. Und den Flug in meinem Urlaub, schön getarnt als Erasmus-Aufenthalt, den haben sie auch gezahlt, plus Spesen am Studienort in Spanien, waren insgesamt 2700 Euro extra. Ja, ich gebe es zu: Ich Schmarotzer lebe von meinen Eltern. Ich sage das guten Gewissens. Ich bin sogar stolz darauf.
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Aber schade, dass immer vergessen wird, dass "Generation Praktikum" eine Sache ist, bei der nur die mitmachen können, deren Eltern sie so lange durchfüttern können. Und dass Leute, die länger studieren, weil sie ihren Unterhalt (und nicht nur ihren Urlaub,...) durch Nebenjobs finanzieren und dann später schlechtere Chancen haben, weil sie so lange dabei waren,..
"Wo das Problem ist?
Das ist ja gerade das Gute – es gibt keins."
Doch, es gibt sehr sehr viele. Schlimm ist es beim Bafög, dass längst nicht alle bekommen, die es brauchen - außerdem wurde das Bafög so gut wie nie erhöht. Schlimmer wurde es mit Langzeitstudiengebühren, die die betrafen, die jobben mussten, um sich ihr Studium zu finanzieren, und deswegen es nicht so schnell durchziehen konnten. Schlimm war es vorher schon bei denen, die das Abi gar nicht schafften, weil die Eltern sich die Nachhilfe nicht leisten konnten. Am schlimmsten natürlich bei 10jährigen Kindern, die aufgrund ihrer sozialer Herkunft in Hauptschulen gezwungen wurden.
Nach der Einführung der Langzeitstudiengebühren, die bundesweit mit massiven Streiks beantwortet wurde, brachen Tausende ihr Studium ab und standen auf der Straße - andere verschuldeten sich. Jetzt, mit der zunehmenden Einführung von allgemeinen Studiengebühren, fangen viele erst gar nicht an zu studieren - sie haben eben keine Lust sich zu verschulden. Nicht, weil sie nicht schlau genug wären, sondern, weil sie das nötige Kleingeld nicht besitzen.
"Ich kenne keinen, der kein Geld von seinen Eltern bekommt, und wichtiger noch: Ich kenne auch keinen, der das Geld nicht auch erwarten würde."
Tja du bist anscheinend in ziemlich elitären Kreisen unterwegs - eine Elite, die sich durch ein Bildungssystem, dass laut PISA so sozial selektiv ist wie kein anderes vergleichbarer OECD-Staaten, qua Herkunft selbst reproduziert.
Erklär doch bitte mal dem Familienvater, der bei der Telekom arbeitet, jetzt 40% seines Gehalts gekürzt kriegen soll, drei Kinder im Alter von 16, 18 und 21 hat, wie er denen das Studium finanzieren soll. Und dann erkläre es mal einem Hartz4-Empfänger. Anscheinend seit ihr in der Jetzt.de-Redaktion von der Realität schon so himmelweit entfernt wie die Kollegen vom Spiegel und der FAZ.
Falls du Karriere machst, weiß ich wenigstens welchen Standpunkt du heute schon vertreten hast - aber zur Einsicht ist es nie zu spät.
Wenn ich sowas hier lese. Kotz! Ne, danke. Ich bin meinen Eltern dankbar, wenn sie mir Essen mit einkaufen, aber das war es auch schon. Mehr möchte ich gar nicht von ihnen haben... "bei Kindern von Eltern der, noch hässlicheres Wort, niedrigen Schicht 231 Euro"? Träum weiter!
Hoffentlich lesen deine Eltern das, denken sich ihren Teil dazu und handeln dementsprechend.
da ist keine Recherche, keine Definitionen von Schichten oder Milieus, keine Rede davon dass sich immer mehr zum Start des Studiums verschulden - das ist platte Meinungsmache und Realitätsverzerrung. Nur 11% der sogannten sozial schwachen Schichten ist an der Uni als Studierende überhaupt vertreten - kein Wunder dass du keinen "von denen" kennst - wahrscheinlich unterhältst du dich deswegen überhaupt nicht mit ihnen, weil sie kein boss, gucci oder lagerfeld tragen.
Jedes weitere Wort ist hier zuviel.
interessanterweise ist 230€ der Satz, der dem durchschnittlichen hartz4 Empfänger mit VIEL GLÜCK und BILLIGEN MIETEN am Monatsanfang zum Leben übrigbleibt.
Herrlich.
Kein Wunder, dass noch so viele für das System sind, dass sows zulässt. Es geht uns ALLEN noch viel zu gut.
Mal ganz davon abgesehen, dass es prinzipiell Sache von Eltern und Nachwuchs ist zu klären, wer wem warum wie lange wie viel Geld überweist. Das geht Außenstehede so dermaßen nix an.
Mitleiderregend finde ich lediglich swolche Typen, die sich noch das siebte Studium von den Eltern bezahlen lassen und selber nix gebacken kriegen. Aber auch das müssen die mit sich selber ausmachen - und mit ihren Alten.
Dass ich mein eigenes Studium komplett selber finanzieren musste, steht auf einem anderen Blatt. Geschadet hat's mir allerdings nicht, obwohl ich Vollzeit gearbeitet habe. Weswegen ich allen Studis, die jammern, weil sie einen halben Tag in der Woche nebenher jobben müssen, gern Jammerverbot erteieln würde. Aber das ist eine andere Tasse Tee.
Klar, viele Eltern würden gerne mehr geben, haben aber leider nichts zu geben - kann man nix machen! (Oder, wie war das mit dem Grundeinkommen? Tihihi.... just kiddin')
So, dann gehe ich mal schnell meine Eltern verklagen, das wird bestimmt sehr lustig.
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23.05.2007 - 22:14 Uhr
DerNaturjoghurt