Fall für Zwei: Heiner Geißler und Attac - ein Witz?

Bild: ap
Heiner Geißler tritt Attac bei.
Haha.
Hahaha.
Hahahaha.
Heiner Geißler! In Attac!
So in etwa klang das, als die Nachricht kam, der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler habe sich entschlossen, Attac beizutreten, der Organisation der Globalisierungskritiker – alle lachten. Wobei alle heißt: mein Mitbewohner, mein Bruder und die Hälfte der jetzt.de-Redaktion. Sie lachten über diesen alten Mann, der, höhö, nach nur neun Jahren auch schon gemerkt hat, dass es Attac gibt, hihi – in was, so spotteten sie, tritt der wohl als nächstes ein, in „Mütter gegen Atomkraft“? Oder gleich in die Initiative „WAA nie!“ gegen die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf? Ach nee, gibt´s ja gar nicht mehr, hehe.
Es war ihnen ein großer Spaß: CDU-Fossil trifft auf Protest-Fossil, wie witzig. Die Kinder des bösen Speichels fragten dann noch, warum Heiner Geißler erst jetzt, pünktlich zum G8-Gipfel, Attac für sich entdeckt habe, noch dazu öffentlichkeitswirksam während einer Fernsehsendung. Geißler hatte seine Entscheidung damit begründet, er trete ein, weil er das Recht auf gewaltfreie Demonstration, für das Attac eintrete, nachdrücklich unterstütze – haha, lachten die Spötter, wo war der Typ denn 2001, bei den Protesten gegen den G8-Gipfel in Genua?
Es klang, als dürfe man Protest gefälligst nur in der Organisation äußern, die gerade in Mode ist.
Es klang, als treffe das allerdings auf CDU-Mitglieder, alte Menschen und sonstige aus Coolness-Gründen nicht erwünschte Personen nicht zu, die haben gefälligst die Klappe zu halten und Feind zu sein.
Es klang, als hätten gute Freunde von mir ihren Verstand gerade an der Garderobe abgegeben.
Das hat mich zornig gemacht.
Ich hatte vorher nicht gewusst, dass die gute Sache offenbar auch so etwas ist wie eine Indie-Band, die man nur zu bestimmten Zeiten gut finden darf, niemals zusammen mit der Masse und vor allem: die komplett austauschbar ist, wenn der nächste heiße Scheiß kommt.
Ist das so?
Dann will ich mit diesen Protest-Hipstern nichts mehr zu tun haben, die ihre Haltung wie einen iPod spazieren tragen, als cooles Accessoire. Das Gute, das Richtige zu tun, ist keine Frage von Hipness – für etwas einzutreten ist es nie zu spät, schon gar nicht zu früh und erst recht keine Mode. Mir ist jeder lieber, der sich erst jetzt, anlässlich der besorgniserregenden Einschränkungen von Demonstrations-Rechten rund um Heiligendamm, zum Kampf für das Recht auf Protest entschließt. Menschen, die so tun, als sei Protest ein Club, in den zu gelangen man schon auf der Gästeliste stehen muss, die haben nicht verstanden, was Protest überhaupt bedeutet.
Auf der nächsten Seite antwortet stefan-winter und erklärt, warum es lächerlich ist, wenn Heiner Geißler in Attac eintritt.
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