Er war ein Freund von mir
Heute beim Kramen in meinen alten Kisten, bin ich zufällig auf unsere Fotos gestoßen. Fotos aus einer Zeit, die jetzt fast schon unwirklich scheint. Solange ist sie her. Gefühlte Zeit ist etwas Seltsames. Sie trifft nie die Realität. Unsere Zeit liegt gefühlte 100 Jahre zurück. Früher, wenn ich mit dir zusammen war, schien die Zeit in gefühlter Blitzgeschwindigkeit zu vergehen. Jetzt lachst du mich an, wie aus einer fernen Welt. Du und ich in London, du und ich in Paris auf dem Eiffelturm, du und ich am Straßburger Bahnhof, in Cafes, zur Abi-Zeit, auf Partys, in Clubs, in Bars, am Strand. Wenn man’s genau nimmt, bist du in einer fernen Welt. Aber beim Betrachten der Fotos frage ich mich, wann du mir ferner warst, jetzt, etliche Kontinente entfernt oder damals, immer dort, wo ich war, aber dennoch nie wirklich da. Mit dir konnte ich besser quatschen, als mit all meinen Freundinnen. Ich kannte dich inside out – dachte ich. Teilte alles mit dir, Ängste, Sorgen, Tagträume, die geilsten Partys, unsere Dawson’s Creek und Sex and the City- Verfallenheit, Zukunftspläne. Der Tag, an dem ich dich zum Flughafen brachte, von wo aus du in dein neues Leben starten würdest, war einer der schrecklichsten meines Lebens. Es war, als würde ein Teil von mir für immer fortgerissen. Ich ahnte damals nicht, dass das Gefühl eines Tages Realität werden würde. Irgendwann wurden die wöchentlichen Telefonate und täglichen E-mails weniger, bis sie ganz versickerten. Einmal im Jahr kommst du über den großen Teich geflogen zu Besuch. Schon die letzten Jahre suchte ich mehr und mehr nach dem Menschen, der mir einst so viel bedeutete. Der einst ein Teil von mir war, ohne den ich aus dem Gleichgewicht kam. Ich, die immer alles von dir wusste, weiß nicht einmal, ob die Hülle von dir diesen Sommer auch aus dieser fernen Welt hierher kommt. es ist ein Jahr her, seitdem wir uns das letzte Mal gesehen haben. Neulich, als ich nachts um 5 von einer unserer ehemaligen Lieblingspartys kam, rief ich dich spontan an und erzählte deinem AB mit einer fremdem Stimme, wie sehr ich dich vermissen und dass ich so gern mal mit dir quatschen würde. Du riefst nicht zurück. Bis heute nicht. Und wenn mich frühere gemeinsame Bekannte fragen, wie’s dir so geht, muss ich sagen: „Ich weiß es nicht.“ Und ich weiß nicht, was schlimmer ist – der Ausdruck ihrer Gesichter oder das Gefühl in meiner Seele bei diesem Satz.- Freundschaft?! - Now you're just somebody that I used to know. 19.04.2012
- Alles hat irgendwann ein Ende. Nur die Wurst hat zwei. 02.03.2012
- Bücherladenauslage. 27.02.2012
- Ohne dich gibts mich auch nicht. 16.01.2012
- Freundschaft ist wie Klopapier. 11.01.2012
punkt und abo.
Solche Schicksale bleiben uns wohl nicht erspart.
Menschen verschwinden... aus dem direkten Leben.
Aber nicht aus dieser Welt.
Und nicht aus dem Herzen.
LG, A.








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15.05.2007 - 02:55 Uhr
firefly_