14.05.2007 - 19:00 Uhr

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Kuschelnoten-Alarm: In unsren Zeugnissen stehen nur Einser

Text: peter-wagner

"Wenn es schon an einer Hochschule in einem Studiengang praktisch keine Notendifferenzierung gibt, tut man den Absolventen damit keinen Gefallen."

Wer hat das gesagt? Professor Peter Strohschneider, Vorsitzender des Wissenschaftsrats. Der Wissenschaftsrat berät Bundesregierung und Länderregierungen in Sachen Hochschulen, Wissenschaft und Forschung. Warum hat er das gesagt? Eigentlich reicht das Notenspektrum an den Hochschulen von „mit Auszeichung bestanden“ bis „ausreichend“. Recht zweckmäßig, weil so zwischen Leistungen differenziert werden kann. Am Montag legte der Wissenschaftsrat den „zweiten Arbeitsbericht zur Analyse der Prüfungsnoten vor“ und folgert, dass sich seit dem ersten Bericht nichts getan hat: An den Hochschulen werden die Notenskalen nicht ausgeschöpft.
Im ersten Arbeitsbericht wurden die Prüfungsnoten der Jahre 1996, 1998 und 2000 betrachtet. Schon damals wurde klar, dass Professoren entweder großzügig benoten oder aber die Studenten wahnsinnig gut sind. Kritiker nahmen die Studienergebnisse zum Anlass, von „Kuschelnoten“ zu sprechen, mit denen es den Studenten auf dem Arbeitsmarkt leichter gemacht werden solle. Personalchefs wiederum jammern bereits über die mangelnde Aussagekraft der Noten. In der neuen Studie, in der die Prüfungsnoten des Jahres 2005 betrachtet werden, setzt sich der Trend zur Top-Note fort. Nachfolgend die Fächer mit den besten und schlechtesten Noten. Biochemiker bekommen mit 1,51 die besten Durchschnittsnoten. Gleich dahinter stehen Biologen und Physiker mit 1,54. Die schlechteste Durschschnittsnote findet sich in den Rechtswissenschaften. In der Mathematik und in den Naturwissenschaften schließen 87 Prozent aller Absolventen ihr Examen mit „sehr gut“ und „gut“ ab. Die gleiche Prozentzahl gilt für die Absolventen der Sprach- und Kulturwissenschaften. Besonders prima sind die Noten in den Fächern Psychologie (1,59) und Philosophie (1,67). Bei den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften zählen Politikwissenschaftler und Soziologen zu den Top-Absolventen. Ihre Leistungen werden im Schnitt mit 1,87 bewertet. Der gesamte Bericht mit dem Titel „Prüfungsnoten im Prüfungsjahr 2005 an Universitäten und Fachhochschulen nach ausgewählten Studienbereichen zudn Studienfächern“ kann hier eingesehen werden. Dort können dann auch Daten zu vielen anderen Fächern abgefragt werden und der geneigte Leser erfährt, dass im Jahr 2005 satte 132 Ur- und Frühgeschichtler den Magister machten und im Schnitt mit der Note 1,68 belohnt wurden.


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3 Kommentare

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eisengrau
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Mag ich Mag ich nicht

0

14.05.2007 - 19:21 Uhr
eisengrau

Hab das Ganze schon ausführlich auf sueddeutsche.de gelesen.

Vielleicht ist Herr Strohschneider einfach überrascht von der Tatsache, dass in Zeiten überlaufener Studiengänge, schlechter Ausrüstung und Personalmangels trotzdem noch so etwas wie Lehre und Betreuung der Hochschulabsolventen stattfindet.

Wenn ein Prüfling gut vorbereitet ist und alle Fragen richtig beantwortet, warum sollte er dann nicht die Bestnote bekommen?
Man muss auch nicht "wahnsinnig gut" sein um mit 1,7 bewertet zu werden, sondern einfach nur gut. Vielleicht etwas besser als "gerade noch gut".

Der Generalverdacht des Herrn Strohschneider transportiert unterschwellig die Unterstellung, Studenten, besonders der Geisteswissenschaften, würden sich nur unzureichend auf ihre Prüfungen und ihren Beruf vorbereiten und kämen dann dank einer laschen Haltung der Prüfer gegenüber der Prüfungsordnung irgendwie trotzdem durch.
Eine ausgesprochen arrogante Haltung, aber für einen Germanistik- Professor nicht ungewöhnlich, möchte ich, genauso vorurteilsfrei, zurückschicken.

Sollen die Noten nun der Selektion dienen oder das Fachwissen attestieren?

ShesSoHigh
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Mag ich Mag ich nicht

0

15.05.2007 - 10:42 Uhr
ShesSoHigh

was halt nicht berücksichtigt wird ist, dass eben doch nicht alle Professoren so lasches Notengebungsverfahren an den Tag legen, und vor allem auch in der Prüfung voll aufdrehen was die Fragestellungen angeht. gern gehört auch beim reinkommen: "Ach Frau Z, was war nochmal ihr Thema?"
So dass bei uns dann eben doch nicht jeder mit ner 1 rausgeht, der bei Prof x Prüfung gemacht hat, während Prof y wirklich nur Traumnoten verteilt.
Deshalb ist "gut vorbereitet" halt auch relativ.
Dann allerdings kann man sich einen Job erst Recht abschminken, denn der Arbeitgeber fragt ja nicht, warum da nur eine 2,5 steht, sondern sieht nur, dass alle anderen besser sind.

diedrossel
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Mag ich Mag ich nicht

0

16.05.2007 - 15:47 Uhr
diedrossel

ach ja und die profs, die aus prinzip nur noten unterhalb von 2 geben, und wenn man sich noch so sehr den arsch aufreißt - weil nur der prof selber ist ja sehr gut,... der tolle ruf, ein harter hund zu sein.


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peter-wagner

ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.


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