10.05.2007 - 19:00 Uhr

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Remmidemmi in Hamburg: Warum G8-Gegner sich freuen können

Text: meredith-haaf

Eigentlich findet der G8-Gipfel in Heiligendamm erst Anfang Juni statt. Doch schon am Mittwoch kam es zu großen Demonstrationen linker Aktivisten, vor allem in Norddeutschland. Der Grund: Das Bundesinnenministerium hatte wegen Terrorismusverdachts eine Großrazzia in der linken Szene durch geführt. Angeblich seien Brandanschläge auf den G8-Gipfel geplant.
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Chris Methmann lebt derzeit in Hamburg und ist Mitglied im Bundesvorstand von attac Deutschland. Mit jetzt.de sprach der 25jährige über die politische Stimmung in Deutschland und darüber, ob eine Razzia nicht die beste PR für eine Protestveranstaltung sein könnte.
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Du willst wissen, wer in Deutschland alles links ist? Hier verschaffen wir dir den Überblick.

Als ich heute früh in der Zeitung gelesen habe: G8-Gegner protestieren in Hamburg habe ich kurz gedacht: Was, jetzt schon? War das jetzt der Beginn von Heiligendamm? Ich denke schon, dass die Durchsuchungswelle vielen Leuten deutlich gemacht hat, was die G8 wirklich sind: Nämlich ein System, dass sich mit undemokratischen Methoden gegen demokratischen Protest abschirmt. Es hat doch aber das Bundesinnenministerium die Razzien angeordnet. Ja schon, aber Angela Merkel als Vorsitzende des Gipfels repräsentiert die G8. Mit dieser Aktion will man wohl andeuten, wie auch der Umgang mit den Gegnern in Heiligendamm selbst sein könnte und die Leute so einschüchtern. Die Regierung hat gemerkt, dass sich doch ein Protest im Land regt und wollte jetzt die Notbremse ziehen. Natürlich setzt die große Masse der Protestierenden auf friedliche Aktionsformen. Also waren die Demonstrationen von gestern eine Art Auftakt, geht es jetzt los? Nein, so weit würde ich nicht gehen. Natürlich ist die Empörung sehr groß. Uns war nicht klar, mit welcher Härte die Polizei vorgehen würde. Das hat bei vielen doch einen ziemlichen Schrecken ausgelöst. Hat euch die Durchsuchungsaktion überrascht? Die Geschichte der G8-Proteste ist ja auch weltweit eine Geschichte der polizeilichen Repression. Insofern war das jetzt keine große Überraschung. Trotzdem halte ich das Vorgehen für vollkommen überzogen und ungerechtfertigt. Es kann doch allen Ernstes niemand annehmen, dass irgendwelche linken Gruppierungen Terroranschläge planen. Der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft hat ja gestern gemeint, die Gefahr von links sei noch nie so groß gewesen, wie derzeit. Was sagst du dazu? Man spricht ja sogar vom Geist der RAF, von dem die Linke angeblich beseelt sei. Für mich sind Leute, die so etwas sagen, einfach nur ewig Gestrige. Was mich wirklich geärgert hat, ist, dass der Vizevorsitzende der CDU-Bundestagsfraktion Wolfgang Bosbach gemeint hat, niemand hätte sich so aufgeregt, wenn die Polizei so hart gegen Rechtsextreme vorgegangen wäre. Da geht doch vollkommen der Maßstab verloren. Wir setzen uns für die Menschenwürde auf der ganzen Welt ein und werden dafür mit Neonazis in eine Schublade gesteckt. Wie schätzt du das Interesse an G8 außerhalb des eher linken politischen Spektrums ein? Ich hatte bisher den Eindruck, dass das ganze in der „Normalwahrnehmung“ noch nicht so richtig präsent sei. Mir kommt es auch so vor, als habe die Mobilisierung bisher vor allem im linken Spektrum statt gefunden. Aber in den letzten Wochen kommen auch immer mehr Leute dazu, die sonst nicht so politisch aktiv sind. Ich mache ja dauernd Info-Veranstaltungen und war heute für einen Vortrag in einer Schule hier in Hamburg: Da hatte eine Klasse gerade eine Klausur geschrieben, in der sie sich mit dem G8-Protestaufruf beschäftigen sollten. Das Thema dringt also schon ins öffentliche Bewusstsein vor. Aber ist dann die Razzia nicht das Beste, was euch passieren konnte? Immerhin steht der G8-Protest jetzt überall in den Schlagzeilen. Also, das Beste ist es sicher nicht. Ich denke, diese Aktion hat deutlich gemacht, wie undemokratisch G8 ist und zu welchen Mitteln die Verantwortlichen im Zweifel greifen. Wer die Stimmung so anheizt, wird auch massiven Protest ernten. Viele Leute sind von der Politik von Innenminister Schäuble ziemlich irritiert, gerade was Datenschutz anbelangt. Davon könntet ihr jetzt doch profitieren. Ich glaube nicht, dass sich über diese Thematik noch viele Leute uns anschließen werden. Allerdings kann man schon sagen, dass die Polizeiaktion gezeigt hat, was G8 ist. Angela Merkel verkauft die als die Retter der Welt, die sich des internationalen Elends annehmen. In Wirklichkeit ist das ein repressives System, das keinen Widerstand zulässt. Das könnte durchaus noch mehr Leute auf die Straße bringen. Also könnt ihr euch doch ein bisschen freuen über die Vorfälle? Mir wäre es lieber, wenn es nicht passiert wäre. Denn jeder Schlag gegen unsere Bündnispartner richtet sich ja auch gegen uns. Und wir lassen uns nicht von der Politik in gute und böse Demonstranten einteilen. Diese Versuche, den Protest zu kriminalisieren führen zu einer angespannten Stimmung. Das einzige, was dabei heraus kommen kann, ist dass es in Heiligendamm härter zugeht.


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Rochen68
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Mag ich Mag ich nicht

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13.05.2007 - 13:14 Uhr
Rochen68

strikingback sagte:
Damit eben nicht alle denken, dass g8-gegner automatisch Terroristen sind, und damit mehr Leute die Kritik der G8-Gegner verstehen können, wären umfassende Bildungsinvestitionen schon mal nicht verkehrt ...
Sehe ich auch so. Mit entsprechender Bildung wären die G8-Gegner vielleicht endlich mal in der Lage, ihre Anliegen verständlich für nicht-Insider auszudrücken ...

gewitterhexe
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Mag ich Mag ich nicht

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13.05.2007 - 13:53 Uhr
gewitterhexe

@rochen:

ja, vielleicht könnten die g8-gegner ihre forderungen teilweise verständlicher ausdrücken, das mag sein.

- aber vielleicht sollten sich die anderen (die adressaten) auch ein bißchen mehr mühe geben, diese forderungen zu verstehen - und nicht gleich wieder genervt abschalten oder so.

Rochen68
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Mag ich Mag ich nicht

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13.05.2007 - 14:16 Uhr
Rochen68

@hexe: Na ja, ich bemühe mich eigentlich schon zu verstehen, worum es den G8-Gegnern geht. Aber wenn ich in den Medien, und zwar vor allem in den von G8-Gegnern gern zitierten, nachlese, finde ich immer wieder die gleichen Phrasen, mit denen ich nichts anfangen kann. Und außerdem finde ich, dass dort alle möglichen Stichworte auftauchen, die eigentlich nichts mit den G8 zu tun haben. Ich habe nicht den Eindruck, dass viele Protagonisten der Anti-G8-Bewegung sich viele Gedanken zu Themen gemacht haben, gegen die sie protestieren. Das macht diesen ganzen Protest unglaubwürdig. Und zwar egal, ob man nun was gegen die G8 hat oder nicht.

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13.05.2007 - 16:31 Uhr
Rochen68

Ach übrigens: Nachdem hier kein Interviewpartner angegeben ist, stellt Meredith wohl ihre eigenen Ansichten zum Thema dar und wählt dafür diese Frage-Antwort-Form als Stilmittel.

Bitte korrigieren, falls ich falsch liege!

meredith-haaf
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13.05.2007 - 16:42 Uhr
meredith-haaf

nein, ich stelle nicht meine eigene meinung dar. das interview habe ich mit chris methmann von attac geführt. leider wird der vorspann nicht angezeigt, wenn man in den kommentaren weiterblättert. wenn du auf seite eins gehst, kannst du ihn nachlesen.

Rochen68
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Mag ich Mag ich nicht

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13.05.2007 - 16:44 Uhr
Rochen68

Oh, sorry! Nicht aufgepasst ... :-\

mr_mulilo
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14.05.2007 - 10:26 Uhr
mr_mulilo

Was hat denn die Bildungspolitik in deutschen Bundesländern mit dem G8 Gipfel zu tun???

Unterstreicht doch nur die These:
"Es geht um das Presseecho, die Sucht nach Aufmerksamkeit....nicht aber um das G8 Treffen selbst"

Allerdings möchte ich nicht ausschliesssen das einige Demonstranten wirklich glauben ihr Protest an der Ostsee könnte die Studiengebühren kippen. Wenn es nicht so traurig wäre....:-(

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