Abi oder FC Bayern? Fußballtalent Mats Hummels muss sich entscheiden
Text: roland-schulz - und BENEDIKT-WARMBRUNN; Foto: DAVID-FREUDENTHAL
Er gilt als eines der großen Talente beim FC Bayern München: Mats Hummels, 18 Jahre alt, Innenverteidiger. Er hat nur ein Problem: Im Moment lebt er zwischen zwei Welten - auf der eine Seite der FC Bayern, auf der anderen die Schule. Für die Bayern spielt Mats der Regionalliga und war auch schon bei der Profi-Mannschaft eingesetzt. Im Gymnasium Neubiberg geht er in die 12. Klasse, Leistungskurse Sport und Englisch. Vor kurzem musste sich Mats entscheiden - mache ich Abitur oder werde ich Fußball-Profi? Ein Interview über große Entscheidungen und die Frage, was wichtiger ist im Leben - ein Traum oder eine Ausbildung.
Wie oft hast du schon die Schule geschwänzt, um ins Training zu gehen?
Bisher einmal vormittags, als ich nur eine Stunde hatte. Und nachmittags vielleicht so alle zwei Wochen einmal. Nein, das ist zuviel. Alle drei, vier Wochen einmal.
Du bist ja noch nicht in der heißen Phase vor dem Abi.
Puh, ich finde es jetzt schon heiß. Aber ich bin noch nicht im Prüfungsstress.
Und wie läuft es in der Schule?
Das erste Halbjahr war, na ja, durchwachsen.
Also 15 Punkte in Sport . . .
. . . nein, nein. Sport war auch nicht gut. Ich habe auf die Klausuren nicht gelernt und hatte deswegen sechs und null Punkte. Bei den null Punkten, da waren wir auf einem Turnier: Wir haben in der ersten Stunde Sport geschrieben und in der zweiten wurde ich schon abgeholt. Da war ich einfach nicht motiviert. Aber in der Praxis stehe ich schon gut da.
Der böse Gegner heißt Bio, Schüler und Fußballtalent Mats Hummels
Wie sieht es in den anderen Fächern aus?
Eigentlich müsste ich das Abi schaffen. Das Einzige, was mir Probleme bereitet, sind die Naturwissenschaften, Mathe, Bio, Physik. Naturwissenschaften sind mein Feind.
Welchen Schnitt willst du schaffen?
Ich hatte mir mal das Ziel gesetzt, eine Zwei vorne zu haben. Aber mittlerweile habe ich das Ziel, das Abi zu kriegen.
Du spielst für den FC Bayern in der Regionalliga, sozusagen die zweite Garde des Vereins. Dein Trainer hat kürzlich die Befürchtung geäußert, dass durch die Schule und das Abi nächstes Jahr deine fußballerische Entwicklung langsamer verlaufen könnte. Teilst du diese Sorge?
Ja, ich denke, dass ich mich ein bisschen langsamer entwickeln werde. Vergangenes Jahr, in den Sommerferien, als ich fast zwei Monate schulfrei hatte, da ging es richtig steil bergauf im Fußball.
Es gab Berichte um einen Abi-Streit: Hummels muss sich entscheiden - Abi oder Profi!
Ich denke, es ist beides machbar.
Wirklich?
Ich spiele seit zwölf Jahren beim FC Bayern, seit der F-Jugend. Es hat gedauert, bis ich gemerkt habe, dass ich ein Talent für Fußball habe: Erst in der B-Jugend habe ich erkannt, dass ich den anderen teilweise voraus bin. Dass es aber auch reichen könnte für ganz oben, das dachte ich das erste Mal vergangenen Juni. Als ich bei den Amateuren war und dann aus dem Nichts bei der ersten Mannschaft im Ligapokal gegen Schalke 04 mitspielen durfte - obwohl ich vorher noch keine Trainingseinheiten mitmachen durfte. Davor war die Bundesliga ein Traum. Dann habe ich gemerkt, ich kann es wirklich schaffen.
Damals warst du aber noch nicht in der Kollegstufe. Wann hast du gemerkt, dass es schwierig werden könnte mit Schule und Fußball?
Im Oktober, als die wieder richtig anfing. Im September passiert ja noch nicht so viel: Man hat zwei Wochen Schule und geht sonst nur auf die Wiesn. Aber dann habe ich gemerkt, dass es Schwierigkeiten geben könnte. Schule und Fußball, das ist eine Doppelbelastung.
Auf der nächsten Seite erzählt Mats, wie er mit dieser Doppelbelastung umgeht und was ihm das Abi am Ende bringt. Eigentlich nichts.