Stasi 2.0: Widerstand mit Schäublone gegen den Bundesinnenminister
Die Informatiker Dirk und Mac aus Berlin haben dem Protest gegen die Pläne von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, die Rechte der Bürger zum Zwecke der Terrorbekämpfung einzuschränken (hier mehr über die Pläne lesen) ein Gesicht gegeben: ein vermeintliches Grafitti-Bild des Ministers mit dem Slogan „Stasi 2.0“, das seit ein paar Tagen in zahlreichen Weblogs verlinkt ist - und seit heute auch als T-Shirt zu kaufen ist.
jetzt.de hat mit den beiden 34-Jährigen, die das Bild zuerst auf ihrem Blog dataloo.de veröffentlichten, telefoniert.
Mac: Dataloo ist unser gemeinsames Weblog, das wir seit etwa zwei Jahren betreiben. Ein Experiment, an dem wir gemeinsam schreiben. Was dataloo aber wirklich ist, soll jeder selber rausfinden. Deshalb auch der Titel „United Trash“.
Wie ist das Bild von Wolfgang Schäuble und der Slogan „Stasi 2.0“ in diesen United Trash gekommen?
Mac: Das Posting stammt von Dirk, deshalb erzähle ich kurz die Vorgeschichte und du übernimmst dann, Dirk ...
Dirk: Okay, fang an.
Mac: Wir waren vor zwei Wochen bei der Bloggerkonferenz re:publica in Berlin. Dort gab es ein paar Vorträge zum Thema „Politik im Netz“ und in diesem Rahmen ist auch der Begriff „Stasi 2.0“ plötzlich aufgetaucht und wie es so ist mit einer guten Idee: der Begriff hat sich ziemlich schnell verbreitet. Ich glaube Heise hat das zuerst aufgegriffen, dann hat es der Zünder von der Zeit benutzt.
Dirk: Und kurz danach kam die Idee zu uns geflogen. Ursprünglich ist sie von einem Freund von uns – von Mike, dem schulden wir noch einen Kasten Bier dafür. Jedenfalls hat der uns eine Mail geschickt, in der er schrieb, wie sehr er sich gerade über die Pläne von Schäuble aufregt. Und in dieser Mail hat er auch den Vorschlag gemacht, dass man eigentlich eine Schablone bauen müsste mit dem Slogan „Stasi 2.0“ und dem Bild von Schäuble.

Und du hast dann ein solches Bild gebaut und an die Wand gesprüht?
Dirk: Nicht ganz. Das Bild ist nämlich gar nicht gesprüht. Es ist ein Bild, das wir mit einem Bildbearbeitungsprogramm auf eine Wand gesetzt haben. Es ist also von mir eher digital gesprüht. Aber inzwischen ist es wohl auch schon richtig gesprüht, also richtig groß.
Mittlerweile ist ja auch das ganze Thema richtig groß geworden. In eurem Blog gibt es fast 300 Kommentare, ihr seid das wichtigste Thema grad im Netz ...
Mac: Wir sind selber völlig überrascht von den Reaktionen.
Dirk: Ja, das Ganze hat eine eigene Dynamik bekommen. Beim Fontblog bekommt man mittlerweile nicht nur Schäuble, sondern das ganze Kabinett als Vorlage und eine eigene Schriftart
Wer mag kann jetzt also eigene Slogans nach eurem Vorbild formulieren?
Dirk: Ja, das finde ich auch das Spannende daran: solche Werkzeuge zur Verfügung zu stellen, mit denen andere dann weiterarbeiten können. Da entstehen ganz tolle Dinge, irgendwer hat so auch den Begriff "Schäublone" geprägt.
Mac: Das Ganze kam, glaube ich, zu einem sehr guten Zeitpunkt, nach der re:publica.
Dirk: Stimmt, das Bild hat offenbar eine Stimmung ganz gut auf den Punkt gebracht, ein Unwohlsein, das viele Leute haben, wenn es um die Pläne von Wolfgang Schäuble geht.
Könnt Ihr dieses Unwohlsein ein bisschen genauer beschreiben. Was ist eure Kritik an Schäuble?
Mac: Die beste Zusammenfassung, die es ganz schön auf den Punkt bringt, geht so: „Für ein ganz klein wenig Mehr an Sicherheit geben wir sehr sehr viel Freiheit auf.“ Uns stört es einfach, dass der Staat immer mehr private Daten seiner Bürger sammeln will. Das sieht man zum Beispiel an den Maut-Daten: als man mit der Maut anfing, hieß es, dass diese Daten nie verwendet werden. Heute wird selbstverständlich darüber diskutiert, dass man sie verwendet. Man könnte das an zahlreichen Beispielen fortführen.
Welche Probleme Dirk und Mac hatten, aus dem Schäuble-Bild ein T-Shirt zu machen, erzählen sie auf der nächsten Seite - und sie verraten auch, wo man die Protest-Parole kaufen kann.
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