Stasi 2.0: Widerstand mit Schäublone gegen den Bundesinnenminister
Text: dirk-vongehlen
Die Informatiker Dirk und Mac aus Berlin haben dem Protest gegen die Pläne von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, die Rechte der Bürger zum Zwecke der Terrorbekämpfung einzuschränken (hier mehr über die Pläne lesen) ein Gesicht gegeben: ein vermeintliches Grafitti-Bild des Ministers mit dem Slogan „Stasi 2.0“, das seit ein paar Tagen in zahlreichen Weblogs verlinkt ist - und seit heute auch als T-Shirt zu kaufen ist.
jetzt.de hat mit den beiden 34-Jährigen, die das Bild zuerst auf ihrem Blog dataloo.de veröffentlichten, telefoniert.
Eigentlich könnten die Oppositions-Parteien im Bundestag Leute wie euch gerade dringend brauchen, um die Kritik an der Regierung auf den Punkt zu bringen: Haben die sich schon gemeldet?
Dirk: Nee, bisher hat sich noch keiner gemeldet. Ich warte aber immer noch drauf, dass Herr Schäuble hier vielleicht vorbei schaut.
Mac: Das ist aber nicht nur ein Problem der Opposition, da haben Politiker aus allen Parteien ein Problem. Ich halte das für eine echte Katastrophe, dass in Deutschland Leute über diese Dinge entscheiden, die sich technisch kaum auskennen und sich zum Beispiel ihre Mails ausdrucken lassen.
Seid Ihr denn in einer Partei?
Mac:Nein.
Dirk: Ähm.
Mac: Bist du in einer Partei, Dirk?
Dirk: Ich bin ehrlich gesagt gerade gar nicht sicher. Ich habe 1996 mal eine Bewegung unterstützt, die sich „Die Digitalen“ genannt haben. So eine Art Vorgänger der Piratenbewegung. Aber das ist ja keine Partei.
Seit heute kann man das Bild auch als Aufdruck auf einem T-Shirt kaufen. Das war aber nicht so einfach.
Dirk: Ich habe die Schablone bei Spreadshirt, wo ich schon länger einen eigenen Shop habe, hochgeladen. Dann kam aber die Antwort, dass das Motiv rechtlich bedenklich sei.
Mac: Schön ist vor allem die Begründung: Es wäre nicht mehr Satire, sondern Verunglimpfung.
Jetzt geht es aber doch, irgendjemand von Spreadshirt hat gesagt, sie wollen es doch drucken.
Dirk: Der Jemand, der das gesagt hat, ist der Spreadshirt-Gründer. Er hat sich in unserem Blog eingemischt und gesagt, dass es doch geht. Daraufhin habe ich es gestern nochmal hochgeladen – in der Hoffnung, dass es jetzt endlich funktioniert – und es kam wieder eine automatisierte Mail von Spreadshirt zurück. Das hat sich aber superschnell geklärt. Und seit heute nachmittag geht es jetzt endlich.
Und jetzt verdienst du mit der Idee Geld?
Dirk: Nee, ich hab das so gemacht, dass ich kein Geld verdiene. Ich biete zwei Versionen an. Einmal zum Selbstkosten-Preis und einmal für etwas mehr Geld, als so eine Art „Spenden-Shirt“. Dabei schlagen wir fünf oder zehn Euro drauf und das spenden wir dem AK Vorratsdatenspeicherung .
Mac: Spreadshirt sind also die einzigen, die an dem Shirt verdienen. Wir würden uns deshalb schon sehr freuen, wenn die ihren Anteil vielleicht auch spenden würden. Immerhin ist der Aufsichtsratvorsitzende von Spreadshirt, glaube ich, Rezzo Schlauch ...
... der ehemalige Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag.
Mac: Genau. Der ist aber nicht mehr in der Politik. Vielleicht könnte der ja auch mit einem solchen T-Shirt rumlaufen.
Mehr über das Thema gibt es im Netz bei dem so genannten AK Vorratsdatenspeicherung sowie im Themenschwerpunkt auf jetzt.de. Das Motiv auf einem T-Shirt kann man hier kaufen.