26.04.2007 - 19:00 Uhr

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Eintrag aus dem Klassenbuch. Heute: Klassenfahrt und Zickenkrieg

Text: eva-schulz

Die einen besuchen sie neun, die anderen zwölf Jahre: Die Schule prägt uns ein Leben lang. Eva Schulz steckt noch mitten drin im Leben zwischen Lehrerzimmer, Spickerschreiben und Banknachbarn. In unserer Kolumne beschreibt sie, was das Schulleben ausmacht.

In der achten Folge widmet sich Eva dem Phänomen Wandertag (Zoo, Dom und Co) sowie den Verwicklungen, die Klassenfahrten mit sich bringen (Zicken, Streit und lange Nächte). Am Ende fragt sie noch ihren Vater, wo der auf Klassenfahrt war. Die Antwort ist sehr persönlich. Die anderen Folgen dieser Kolumne stecken im Label Schulkolumne.

Manchmal sitzen wir zusammen und erinnern uns an die Unter- oder Mittelstufe. Es ist verrückt, denke ich dann, wie nostalgisch man über Geschehnisse redet, die sich nur wenige Jahre zuvor ereigneten. Neulich dachten wir zurück an den Wandertag in der achten Klasse. (Wie abwegig dieser Begriff geworden ist: Wandertag. Keine Klasse wandert doch heute noch! Schade eigentlich.) Der Senex, unser Klassenlehrer, hatte beschlossen, dass wir nach Köln fahren würden. Dort gibt es tolle Dinge, die man besichtigen kann. Wir einigten uns auf eine Domführung für den Senex und, im Gegenzug, auf einen Besuch im Schokoladenmuseum für uns. Der Kölner Dom ist ganz okay, er ist sogar ziemlich beeindruckend – solange man nicht auf die Idee kommt, auf einen der Türme zu steigen. Die einzige dort hinaufführende Treppe ist so breit wie ein Kunstblock, und so stockt der Verkehr der Auf- und Absteiger in beiden Richtungen und ab und zu hört man ein plumpes „fluff“, dann ist jemand ohnmächtig umgefallen, weil die Luft so schlecht ist. Oben angekommen wird man aussichtsmäßig noch nicht einmal für diese Tortur entschädigt, sodass man sie lieber schnell wiederholt und nach unten zurückkehrt. Dort angelangt waren wir entsprechend genervt. Das Ganze hatte außerdem so lange gedauert, dass der Senex die Zeit nicht mehr als ausreichend für den Museumstrip ansah. Allerdings, so fügte er ein, sei da noch eine romanische Kirche, ganz in der Nähe, man hätte den direkten Vergleich der Baustile ... Im nächsten Jahr haben wir dann gegrillt.
Und uns an weitere Wandertage erinnert. An den Ausflug in den Zoo, wo eine Gruppe auf die glorreiche Idee kam, im Tropenhaus Verstecken zu spielen und wir alle zusammen eine Stunde nach Nadine suchen mussten. Oder der Besuch bei einem Imker, der in einer großen Honigbrot-Orgie endete. Oder die Wallfahrt im Rahmen des Weltjugendtages, wo wir mit der ganzen Schule ein furchtbar schweres Kreuz durch den halben Landkreis trugen. Ach, diese Wandertage - sind immer eine willkommene Abwechslung. Aber noch besser sind Klassenfahrten. Unsere beste Klassenfahrt dauerte eine Woche. Wir waren dreizehn oder vierzehn Jahre alt und euphorische Busfahrer. Blöd nur, wenn der Lehrer einem verbietet, auf der Fahrt zu schlafen – sonst seien wir alle nachts hellwach - und dies auch ständig überprüft. Ich hielt mich wach, indem ich an Rubens Dreadlocks drehte und über die beiden schlechten Filme stöhnte, die der Busfahrer im Gepäck hatte. Im ersten explodierten Menschen, im zweiten lauter Autos. Das fand keiner toll. Als wir auf dem Berg ankamen, auf dem unsere Herberge lag, teilte sich die Menge gleich in zwei Gruppen. Ich gehörte zu der weniger privilegierten - ich hatte einen Koffer ohne Rollen. Generell: In der Unterstufe braucht es für eine gute Klassenfahrt jede Menge Süßigkeiten, ausgeklügelte Zimmeraufteilungen und mindestens zwei Taschenlampen pro Raum. Es braucht einen Zickenkrieg, ein neues Pärchen und einen Lehrer-Wutausbruch. Wir hatten ALLES. Zügellose Kartenspielnächte - zu zwölft auf einem Doppelzimmer, das später in Milchmauspapierchen versank. Den großen Streit im Zickenzimmer, wo jeden Morgen schon um fünf Uhr aufgestanden wurde, damit auch ja alle duschen konnten und wo nach zwei Tagen ein Bett leer stand, weil Meike tobend ausgezogen war. Und da war Julian, der Alessandra seine Liebe gestand und sie so zu einer schlaflosen Nacht zwang, in der sie unter wildem Augenverdrehen versuchte, eine Entscheidung – ja, nein, vielleicht? – zu treffen. Und am letzten Abend der Doppelgeburtstag von Katharina und Nadine, den wir mit einem Treffen bei ihnen um Mitternacht feierten. Dort entstand auch das Top-Foto der Fahrt: Von unserem Lehrer im zu kurzen Schlafanzug, die Hosen weit über den Bauchnabel gezogen. Vergisst man erste Klassenfahrten? Ich habe meinen Vater nach seiner gefragt. Er musste lange überlegen. „Irgendwo war ich mal“, grübelte er und sprang plötzlich mit leuchtenden Augen in seinem Sitz auf. „Jaa! An der Möhneseetalsperre!“ Sein Blick wurde so nostalgisch wie unserer immer, wenn wir zurückdenken, und dann sagte er nur: „Silvia Urban! Bahnhofstraße 46, in 59423 Unna. Sie reiste an dem Tag ab, an dem wir ankamen.“ Ich glaube, später hat er sich das dicke Telefonbuch geholt. Illustration: katharina-bitzl


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indietheater
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Mag ich Mag ich nicht

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26.04.2007 - 19:27 Uhr
indietheater

Er hieß Simon, war genauso alt wie ich und verliebte sich direkt am ersten Tag in den Flipper. es war Liebe auf den ersten Blick. Ich tat es ihm nicht gleich - denn Simon sollte in dieser Liebe all sein Besitztum lassen.

Seine Liebe hatte eine schöne Stimme, manchmal etwas hoch, sonst aber sehr abwechslungsreich. Das einzige Problem: Sie redetete nur gegen 10 Pfennig (Vielleicht für die Damentoilette, oder so).
Simon wechselte den von unserer Lehrerin vorgeschlagenen 20-DM-Taschengeldschein am Jugendherbergeigenen-Kiosk, der neben Chips nur Kondome - wir waren eine sechste Klasse - verkaufte, gegen 10-Pfennig-Stücke.
Schon nach der ersten gemeinsamen Nacht, hatte Simon alles gegeben. Alles. Auch Tränen. Er weinte die ganze Nacht, denn seine Liebe sprach nicht mehr zu ihm. Simon hoffte und hoffte, doch sie blieb stumm. Simon weinte und weinte, doch sie tröstete ihn nicht. er streichelte jedes Teil, polierte die Glasplatte, doch sie blinkte nur fröhlich, Simon etwas geben, konnte sie nicht.

Am zweiten Tag dieser tragischen Liebesbeziehung musste unsere Lehrerin Simon weitere 20 DM geben, er tauschte sie wieder gegen 10 Pfennig-Stücke. Dieses Mal jedoch wusste er, wie seine Liebe sich verhält. Er hatte gelernt. Uns sie verstanden sich.

Am Abreisetag saß Simon den Morgen über vor dem Flipper und weinte. Ich weiß nicht ob er es bis heute überwunden hat.

gravelotta
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Mag ich Mag ich nicht

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26.04.2007 - 20:36 Uhr
gravelotta

mensch, dein vater ist aber jung!

die neuen postleitzahlen gibts doch erst seit 1993.

sehr gut beschrieben, mir ist jetzt ganz schlecht.

eva-schulz
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26.04.2007 - 20:39 Uhr
eva-schulz

Huj, du schaust aber hin! Die richtige Adresse von Frau Urban wollte ich natürlich nicht preisgeben...

MisterBrightside
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Mag ich Mag ich nicht

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26.04.2007 - 22:41 Uhr
MisterBrightside

Ich bin ehrlich gesagt froh, dass selbst die Lehrer zu faul zum Wandern sind. Ich hasse es zu wandern. Zumindest mit der Schulklasse.

kleinessuessesengelchen
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Mag ich Mag ich nicht

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26.04.2007 - 22:45 Uhr
kleinessuessesengelchen

Jaja die Klassenfahrten *grins*

Da hab ich auch was: Wanderung nach Andechs (von Wartaweil aus, einem Kaff am Ammersee). Wir haben die Rekordzeit von einer Stunde für den Hinweg gebraucht. Der Rückweg hatte es aber in sich. Der Lehrer, der dabei war, unser Biolehrer, wollte uns wohl die Natur etwas näher bringen, indem er uns eine "Abkürzung" zeigte, die uns über Hügel laufen, über Bäche springen und über umgestürzte Bäume klettern ließ. 3 Stunden haben wir gebraucht und der "Zickenkrieg" war perfekt ;) Alle beklagten sich furchtbar über Blasen an den Füßen... Ich wusste gar nicht, was die hatten, denn mir hat es Spaß gemacht! Aber ich war da wohl die einzige^^

Achja und dann war da noch Flo, der spaßeshalber mit einem Kumpel um Freundin wetten wollte. Blöd nur, dass sie das mitbekam -> Drama war perfekt.


Eine Geschichte aber hat mich ziemlich entsetzt. Gehört von unserem Astrophysiklehrer:

Er damals im Skilager Schwierigkeiten, die 12-jährigen 6.-Klässler ins Bett zu bekommen und musste sie quasi zum zähneputzen "zwingen". Deshalb wunderte er sich, als sie sich nach getaner Arbeit die Zähne nochmal dick mit Zahnpasta einschmierten. Das war dem Lehrer völlig unbegreiflich und nach langem nachbohren bekam er raus, dass die Mädchen nebenan die Jungs für den Abend zu sich eingeladen hatten, um "Erfahrungen zu sammeln". "Daraus wird wohl nichts" entgegnete unser Lehrer und meinte, er habe noch nie so erleichterte Jungengesichter gesehen... ;)

Lg kleinessuessesengelchen

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Mag ich Mag ich nicht

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26.04.2007 - 22:45 Uhr
kleinessuessesengelchen

Jaja die Klassenfahrten *grins*

Da hab ich auch was: Wanderung nach Andechs (von Wartaweil aus, einem Kaff am Ammersee). Wir haben die Rekordzeit von einer Stunde für den Hinweg gebraucht. Der Rückweg hatte es aber in sich. Der Lehrer, der dabei war, unser Biolehrer, wollte uns wohl die Natur etwas näher bringen, indem er uns eine "Abkürzung" zeigte, die uns über Hügel laufen, über Bäche springen und über umgestürzte Bäume klettern ließ. 3 Stunden haben wir gebraucht und der "Zickenkrieg" war perfekt ;) Alle beklagten sich furchtbar über Blasen an den Füßen... Ich wusste gar nicht, was die hatten, denn mir hat es Spaß gemacht! Aber ich war da wohl die einzige^^

Achja und dann war da noch Flo, der spaßeshalber mit einem Kumpel um Freundin wetten wollte. Blöd nur, dass sie das mitbekam -> Drama war perfekt.


Eine Geschichte aber hat mich ziemlich entsetzt. Gehört von unserem Astrophysiklehrer:

Er damals im Skilager Schwierigkeiten, die 12-jährigen 6.-Klässler ins Bett zu bekommen und musste sie quasi zum zähneputzen "zwingen". Deshalb wunderte er sich, als sie sich nach getaner Arbeit die Zähne nochmal dick mit Zahnpasta einschmierten. Das war dem Lehrer völlig unbegreiflich und nach langem nachbohren bekam er raus, dass die Mädchen nebenan die Jungs für den Abend zu sich eingeladen hatten, um "Erfahrungen zu sammeln". "Daraus wird wohl nichts" entgegnete unser Lehrer und meinte, er habe noch nie so erleichterte Jungengesichter gesehen... ;)

Lg kleinessuessesengelchen

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Mag ich Mag ich nicht

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26.04.2007 - 22:45 Uhr
kleinessuessesengelchen

Jaja die Klassenfahrten *grins*

Da hab ich auch was: Wanderung nach Andechs (von Wartaweil aus, einem Kaff am Ammersee). Wir haben die Rekordzeit von einer Stunde für den Hinweg gebraucht. Der Rückweg hatte es aber in sich. Der Lehrer, der dabei war, unser Biolehrer, wollte uns wohl die Natur etwas näher bringen, indem er uns eine "Abkürzung" zeigte, die uns über Hügel laufen, über Bäche springen und über umgestürzte Bäume klettern ließ. 3 Stunden haben wir gebraucht und der "Zickenkrieg" war perfekt ;) Alle beklagten sich furchtbar über Blasen an den Füßen... Ich wusste gar nicht, was die hatten, denn mir hat es Spaß gemacht! Aber ich war da wohl die einzige^^

Achja und dann war da noch Flo, der spaßeshalber mit einem Kumpel um Freundin wetten wollte. Blöd nur, dass sie das mitbekam -> Drama war perfekt.


Eine Geschichte aber hat mich ziemlich entsetzt. Gehört von unserem Astrophysiklehrer:

Er damals im Skilager Schwierigkeiten, die 12-jährigen 6.-Klässler ins Bett zu bekommen und musste sie quasi zum zähneputzen "zwingen". Deshalb wunderte er sich, als sie sich nach getaner Arbeit die Zähne nochmal dick mit Zahnpasta einschmierten. Das war dem Lehrer völlig unbegreiflich und nach langem nachbohren bekam er raus, dass die Mädchen nebenan die Jungs für den Abend zu sich eingeladen hatten, um "Erfahrungen zu sammeln". "Daraus wird wohl nichts" entgegnete unser Lehrer und meinte, er habe noch nie so erleichterte Jungengesichter gesehen... ;)

Lg kleinessuessesengelchen

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Mag ich Mag ich nicht

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26.04.2007 - 22:46 Uhr
kleinessuessesengelchen

ups, sorry :)

farilari
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Mag ich Mag ich nicht

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26.04.2007 - 23:22 Uhr
farilari

das mit der fünfstelligen postleitzahl fiel mir auch auf.

Azaki
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Mag ich Mag ich nicht

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27.04.2007 - 00:11 Uhr
Azaki

Wuah, das waren noch Zeiten!

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eva-schulz

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Eva Schulz