Tag 28 [27.08.05]
Text: elias_b
Früh breche ich auf, schon um halb 9 Uhr erreiche ich das 2 Stunden entfernte Couvent Saint Marc. Couvent heisst Kloster, eben nur für Schwestern. Videoüberwachung. Noch bevor ich richtig klingeln kann brummt der Summer der Tür. Ich möchte mir einen Stempel holen, erkläre das auch der zivil gekleideten Frau an der Pforte. Diese telefoniert mit der Äbtissin und bittet mich um Geduld. Hab ich ja.
Ich bekomme meinen Stempel von der älteren Nonne und verabschiede mich nach kurzem Gespräch (holprig französich) und mit Segenswünschen. Gleich weiter nach Schauenberg. Wanderer sind ein paar unterwegs. Heute ist Wald angesagt, weniger Weinberge als noch die Tage zuvor. Meist schön oberhalb entlang, mit Blick in die Rebfelder und das darunter liegende Rheintal. Eichenwald, richtig viel, eigentlich nur Eichen. Keine Märcheneichen, wie ich sie aus dicken Büchern kenne. Fast schlank und weniger Querschnitt als mein Rucksack haben die Meisten. Aber Moos von allen Seiten. Eichenwald ist schön.
Der Weg nach Soulzmatt zieht sich. Eine halbe gefühlte Ewigkeit mal wieder. Dafür gibt es beim Herauskommen aus dem Wald erst sanfte Heidefläche und dann steil abfallende Hänge mit Blick auf den Ort und bis weit in die Rheinebene. Als hätte jemand einen Vorhang aufgezogen. Ich staune. Durch den Grand Cru Zinnkoepfle laufe ich in den Ort hinunter. Wie schon so viele Elsaßorte macht Soulzmatt einen wehrhaften Eindruck. Ein Pfirsichbaum steht am Weg, sehr viele Früchte sind herunter gefallen. Die schönsten Pfirsiche kommen in meine Tasche. So wird das Hinunterlaufen eher gemütlich. Mit dem Mittagsgeläut komme ich gerade bei den ersten Häusern an. Samstag 12 Uhr.
Frankreich ist besonders und ganz anders, gerade hier merke ich es wieder. In der Stadt bekomme ich noch Brot. Es ist gut, dass hier auch in kleinen Städten länger geöffnet ist, als bei uns. Echt prima. Nach kurzer Rast laufe ich einmal ganz durch den Ort, weiter nach Orschwihr und Richtung Guebwiller. Ich erreiche die Stadt am Nachmittag.
Die Beschilderung des Weges hört mit Beginn des Ortes auf. Na toll. Nichts, gar nichts. Kein Hinweis, kein Schild, eine mager bestückte Ortstafel. Einmal komplett vor und zurück durch den Ort- nichts. Mein Weg führte hinein in die Stadt und nicht mehr hinaus. Im Super U Lebensmittel- Frustkauf, d.h. etwas mehr als ich wollte. Auf dem zentralen Platz vor der Kirche setze ich mich und schaue in die Welt. Der Ratlosigkeit wegen und der müden Beine ebenso, bleib ich ne Weile da hocken. Schokolade. Eine Tafel- locker. Später sammeln sich recht viele Menschen auf dem Platz. Aus der Kirche, gleich auf der anderen Seite des Platzes kommt ein Ehepaar mit Verwandten und Freunden, die gesamte Hochzeitsgesellschaft bejubelt die Jungvermählten. Das ganze übliche Trara.
Mit der frustigen Wegsuche in der Stadt macht sich ausserdem noch etwas breit in einem Kopf. Heimweh. Dickes Heimweh.
Ich sehe die Hochzeitsgesellschaft zum Feiern abziehen. Es ist Samstag und ich hocke auf nem Platz in einer Stadt, die ich nicht kenne. Die Menschen machen letzte Besorgungen und gehen dann heim. Alle gehen heim, können jeden Abend nach Hause gehen. Verdammt!
Ich weiß nie wo ich lande und wo ich bleibe. Auch heute nicht. Was machen meine Freunde zu Hause? Gehen sie vielleicht weg heute Abend? Ach keine Ahnung. Ich werf die Suche des Ausweges aus diesem Guebwiller über den Haufen. Laufe in die Richtung, die ich denke. Nach ein paar Mal Leute befragen, kennt tatsächlich ein Mann den Ort und den Weg, meint er. Jungholtz wäre der nächste Ort und mit wenigen Erklärungen sei ich schon bald auf dem richtigen Weg. Wahnsinn! 2 Stunden hab ich vergeigt in dem Guebwiller, niemand hat jemals die Jakobsmuschel als Wanderwegzeichen in der Stadt gekannt. Hätte ich gleich machen sollen -nach Gefühl laufen-. Hab wirklich jede Ausfallstraße probiert...durch Wohngebiete. Und dann steht da ein Mann der sein Haus pinselt und der kennt auf einmal den Weg. Manmanman!
In Jungholtz ist die Jakobsmuschel auch wieder da. Ein älterer neugieriger Mann am Gartenzaun sagt mir den weiteren Weg. Ich komme bis hinter Tierenbach, Wallfahrtskirche St. Anne. Bustouristik. Es beschleicht mich das gleiche Gefühl, wie schon auf dem Odilienberg- Hotel angeschlossen, nobel...Rentner. An den beiden Fischweihern vorbei geht es etwas in den Wald. Am Waldrand ein ebenso nobles Restaurant. Nur dicke Schlitten davor.
Ein Stück in den Wald hinein dann eine Pique-Nique Ecke. Sieht nett aus, also bleib ich.
Auf den zweiten Blick sehe ich, hinter den Bäumen dient das Ganze als Biotonne des Hotels. Sowas hab ich noch nicht gesehen. Als Haufen liegen abgeräumte Gemüse aller Art im Wald. Beinahe unangetastet, absolut verrückt. Ich schau mich um und finde allerlei tolle Sachen: Radieschen, Kopfsalat, Kartoffeln (roh), Succhini, Möhren, Knoblauch, Zwiebeln, Tomaten und Gurke. Da gibts doch glatt noch nen Salat.
Und morgens noch hatte ich bedenken, dass ich nicht satt werde. Mit Glockenläuten schlafe ich ein.
Eine lange Reise in Etappen
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13.04.2007 - 13:53 Uhr
Leben_leben_lassen
das könnte ja kgatt von mir stammen, kann das auch immer nicht sehen, wenn noch so unangetatstetes zeugs weggeworfen wird. aber hat das nicht gestunken, also so eine biotonne?