12.04.2007 - 19:00 Uhr

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Jugend korrigiert: Paula Riester über Frieden, Politik und Claudia Roth.

Text: meredith-haaf

Bei den Grünen ist eine Kontroverse um das Friedensengagement der Partei ausgebrochen: Erst kritisierten Parteifunktionäre die deutsche Friedensbewegung als rückständig und unkonstruktiv. Dann lehnte die Bundesvorsitzende Claudia Roth den Aufruf des Aktionsbündnis gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm ab. Einige Grünen-Mitglieder richteten daraufhin einen offenen Brief an die Parteispitze, um sich zu beschweren. Unterzeichnet hatten auffällig viele junge Grüne, wie zum Beispiel die Bundesvorsitzende der Grünen Jugend: Paula Riester, 22 Jahre alt und aus Berlin.

Derzeit wird viel von Grabenkämpfen und Zersplitterung bei den Grünen geschrieben. Wird die Diskussion um das Friedensengagement die Grünen und ihre Jugendorganisation schwächen? Für uns als Grüne Jugend habe ich nicht den Eindruck, dass wir geschwächt werden. Soweit ich in den letzten Tagen mitbekommen habe, sind viele Kreise sehr froh, dass wir uns als Grüne Jugend so stark einbringen. Wir arbeiten ja mittlerweile schon seit anderthalb Jahren mit dem Aktionsbündnis gegen die G8. Und was die Grünen angeht, haben einige Kreise sehr wohl negativ reagiert. Dazu muss man aber sagen, dass in letzter Zeit bei vielen Leuten generell eine ablehnende Haltung gegenüber der Partei entstanden ist. Meinst du innerhalb der Friedensbewegung? Genau. Trotzdem gibt es innerhalb des Protestspektrums auch noch viele Leute, die das Engagement der Grünen auch beim G8-Gipfel schätzen. Deswegen hoffe ich, dass diese ganze Diskussion auf einer breiteren Ebene nicht zu einer Aufspaltung führt. Als Grüne Jugend definiert man sich ja auch über die Mutterpartei. Tut es weh, wenn die eigene Partei in der Friedensbewegung so an Ansehen verliert? Ja, natürlich tut das manchmal weh. Einerseits trifft die Kritik oft zu und ist für uns auch wichtig. Wir versuchen dann als Grüne Jugend, dagegen zu steuern und den Leuten klar zu machen, dass auch innerhalb der Partei unterschiedliche Positionen bestehen. Deswegen versuchen wir bei solchen Themen dann auch sehr eigenständig und selbstständig zu sein und können dann ruhig auch mal selbstbewusst sagen: „Gut, das ist jetzt die Position unserer Mutterpartei, aber wir haben in manchen Dingen eine andere Position.“ Seht ihr euch als eine Art eigene Partei? So würde ich das nicht sagen. Bei allen Parteien ist die Politik mit den Jugendorganisationen nicht immer ganz einheitlich. Aber natürlich hat man gemeinsame Werte und Grundpositionen. Gerade bei uns hat die Grüne Jugend auch einige Positionen der Partei maßgeblich mit entwickelt. Bei den Jusos und der SPD sind die Unterschiede noch viel größer, würde ich sagen. Sind die Jungen eine Art Korrektiv, das die ursprünglichen Werte der Partei zu retten versucht? Ich würde nicht sagen, dass wir Korrekturen vornehmen, wir wissen ja auch nicht immer alles besser. Aber natürlich möchten wir der Öffentlichkeit auch zeigen, dass es innerhalb der Grünen eben ganz unterschiedliche Meinungen gibt und die Partei nicht immer dasselbe denkt, wie der Vorstand sagt. Die Grüne Bundestagsabgeordnete Franziska Eichstädt-Böhlig hat vor kurzem gesagt, dass die Grünen eben auch einsehen mussten, dass Abrüstung nicht besonders viel bringt. So eine Aussage drückt doch ein gewisses Maß an Desillusionierung aus. Werden junge engagierte Menschen denn da noch repräsentiert? Natürlich gibt es in der Partei viele Meinungen, die einem zum Teil nicht in den Kopf gehen. Gerade bei einer Äußerung wie der von Franziska Eichstädt-Bohlig fragt man sich schon, inwieweit die jetzt im Establishment angekommen ist. Natürlich hat eine Demonstration nicht dieselbe weltpolitische Wirkung wie eine Angela Merkel, die im Hinterzimmer mit George Bush verhandelt. Aber die meisten Menschen, die sich für Frieden engagieren wollen, haben eben nicht die Möglichkeit mit Politikern selbst zu verhandeln. Politische Bewegungen von oben und auf der Straße sind nach wie vor wichtig, und es ist schon sehr merkwürdig, das in Abrede zu stellen. Gerade als junger Mensch, der vielleicht noch nicht so viele frustrierende Erfahrungen im politischen Leben gemacht hat, fragt man sich dann schon, was das soll. Eure Parteichefin Claudia Roth gibt sich auch eher erwachsen-pragmatisch. Fühlt ihr euch als junge Grüne denn noch in der Partei aufgehoben? Doch, auf jeden Fall. Gerade Claudia Roth ist eine Frau, die auf junge Menschen eine besondere Anziehungskraft ausübt. Sie tritt immer sehr froh und optimistisch auf und verkörpert etwas ganz anderes als eine steife Politikerin. Frau Roth hat einen eigenen Demonstrationsaufruf der Grünen angekündigt. Unterschreibt ihr den dann auch? Nein. Wir haben den Aufruf des Aktionsbündnisses gegen G8 ja schon mitunterschrieben. Zum anderen werden wir schauen, dass wir als Grüne Jugend einen eigenen Mobilisierungsaufruf heraus geben.
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