08.04.2007 - 20:20 Uhr

0 0 Über Twitter weiterempfehlen

Deine beste Freundin

Text: Punkratz

Ich liebe diese Tage, an denen wir uns irgendwann einfach in einer Ecke finden, vielleicht auf einer Party oder in einer Kneipe, vielleicht aber auch einfach auf der Straße. Ich liebe diese Tage, an denen wir verabreden, dass ich abends zu dir komme um dir Nudelauflauf oder Spiegeleier mit Spinat zu kochen oder an denen du mich einfach mit in unser Lieblingsbistro ziehst um mir eine Tasse von meinem heißgeliebten Kakao zu spendieren. Dann weiß ich nie, was besser ist, der warme Kakao oder du oder die Tatsache, dass es solche Momente zwischen uns gibt, so vertraut, so sorglos, so selbstverständlich. Ich liebe es, neben dir auf deinem roten Cordsofa zu sitzen, flache Cartoons oder DVDs von Livekonzerten anzusehen, der Geruch von deinem Duschgel in meiner Nase und deine Haare zwischen meinen Fingern. Ich liebe es, dich am Klavier sitzen zu sehen, deine Zehen in den weißen Sportsocken, deine Schultern, die mit dem Rhythmus mitgehen. Du am Klavier, das ist ein Gesamtkunstwerk. Ich liebe es, neben dir zu stehen und zu singen, zu sehen, wie du ab und zu den Kopf drehst, um mir anerkennend zuzuzwinkern. Ich liebe es, deine Schultern unter meinen Händen zu spüren, wenn du verspannt bist, ich liebe deine Umarmungen, wenn wir uns treffen und wieder auseinander gehen. Ich liebe es, auf Partys deinen Blick aufzufangen und dann langsam zu dir zu schlendern, als hätte ich gerade nichts anderes zu tun und mich dann mit dir zu unterhalten, ich liebe die Selbstverständlichkeit, mit der ich von deiner Bierflasche trinken darf, wir uns Wein oder Schokolade teilen und mit der mich deine Freunde fragen, ob ich dich gesehen habe. Ich hasse es, dass du diese Momente immer kaputt machen musst. Ich liebe unsere Gespräche, auch die Gespräche darüber, was das mit uns ist, war oder sein könnte. Aber ich hasse den Punkt an den du jedes, aber auch wirklich jedes Mal kommst. Warum es nur sein könnte, zwischen uns und warum es nicht längst ist. An diesem Punkt kommt sie immer ins Spiel. Sie. Deine beste Freundin, die Schönste der Schönen, die Tollste der Tollen, Wunderkind, coole Sau und Engel auf Erden. Die Frau, die dich gefangen hält und nicht mehr loslässt, so wie du mich nicht mehr loslässt. Alles schön und gut, wenn sie dich denn auch nur ansatzweise so wollen würde, wie ich dich will. Wahrscheinlich liebt sie diese Tage, an denen du sie spontan zum Frühstück einlädst, an denen ihr zusammen um die Häuser zieht. Sie liebt wahrscheinlich auch die Momente, in denen ihr euch auf Partys zulächelt, und in denen sie ganz genau merkt, wie nah ihr euch steht und wie gern sie dich hat. Du bist ein toller bester Freund, wie könnte es auch anders sein. Sie liebt es wahrscheinlich, mit dir Musik zu machen und sie liebt eure Gespräche, sie liebt es, dich lachen zu sehen und die Selbstverständlichkeit, mit der sie dein Leben teilt, alle Höhen und Tiefen – nicht nur dein Bier. Sie liebt es, mit dir essen zu gehen und Filme anzusehen. Aber dich liebt sie nicht. Du bist ihr zu nett, sagt sie. Du bist jemand, neben dem sie jeden Morgen aufwachen könnte, aber du bist niemand, mit dem sie zusammen sein könnte. Das sagt sie. Ich weiß, wie es ist, neben dir aufzuwachen und seit ich das weiß, weiß ich auch, dass es das ist, was ich will. Neben dir aufwachen, wie an diesem Morgen, als wir uns im gleichen Moment zueinander drehten und „guten Morgen“ sagten, nach einer Nacht, in der nichts passiert war, außer, dass wir die Zeit vergaßen. Aber du hast diesen Platz neben dir für sie reserviert. Für deine tolle beste Freundin. Und du wartest jeden Tag auf ein Zeichen von ihr, dass sie endlich zur Vernunft kommt und vorhat, diesen Platz irgendwann einzunehmen. Du suchst nach Perfektion, du suchst nach der Liebe deines Lebens und glaubst, sie in ihr gefunden zu haben. In der Schönsten der Schönen, der Tollsten der Tollen, deinem Wunderkind, der coolsten Sau, die du kennst und dem Engel auf Erden, der sie für dich ist. Und drunter gibt’s nichts mehr für dich. Du sagst, ich bin schön und toll. Du sagst, du magst es, mich singen zu hören und du sagst, dass ich ein krasser Mensch bin. Und ein Engel sowieso. Du sagst, dass es leider so ist, dass du sie liebst und nicht mich. Du klingst dabei, als würdest du es bedauern, dass ich ihren Platz nicht einnehmen kann und du lässt mich dabei deine Haare verwuscheln, weil du weißt, wie sehr ich das mag. Du wünschst mir das Beste und sagst, dass ich es verdient habe. Du tanzt mit mir und entschuldigst dich, dass du auch mit anderen tanzt, du hast ein schlechtes Gewissen, weil du das Gefühl hast, mich zu vernachlässigen und du bist eifersüchtig, wenn du siehst, wie ich einen anderen küsse – und mir dabei wünsche, der andere wärst du. Du liebst es, mich glücklich zu sehen. Du gönnst mir alles, was ich mir wünsche. Am glücklichsten wäre ich mit dir.


Neue Texte zum Label 'Lieben':
Textoptionen
Mehr Texte von
Punkratz
Mehr Texte zum Label
Lieben
Text Freunden empfehlen Text drucken Text melden
Der Text gefällt Dir?
Lesenswertpunkt schenken
Hier bei jetzt.de anmelden,
Texte schreiben und kommentieren.
0 Kommentare

speichern
Mehr lesen:

Jetzt-Mitglied

Punkratz unbekannt

Punkratz

ist jetzt-Userin und hat diesen Beitrag verfasst.


Ellingen