Tag 26 [25.08.05]
Text: elias_b
Früh laufe ich los, will auf jeden Fall Ribeauvillé heute erreichen. Das Wetter ist mal wieder Misch- Masch, aber es geht noch. Châtenois bin ich sogar vor mittags um 12 Uhr angekommen. Die Taschen voller Pflaumen, seit einem Baum kurz vor dem Ort. Einkaufen im Ort und da beginnt es auch schon wieder mit regnen. Die Pause verbringe ich unter einem Baum im Kirchhof. Die vielen Blätter halten den Regen ab und so sitzte ich da und schaue ohne naß zu werden.
Weiter nach Orschwiller. Kurz nach dem Ort auf dem Weg ein Ehepaar, neugierig sind sie und so sprechen sie mich an. Oder besser der Mann spricht mich an. Jaques. Jaques und seine Frau gehen spazieren, sie machen Urlaub im Elsaß, sind beide im Ruhestand. Ein Hobby hat er auch gefunden, hält Vorträge, geht zu Vorträgen, sogar in Rom vor Halbheiligen sprach er schon. Seine ganze Kraft steckt er in das Verfahren der Seligsprechung Robert Schumans. Des Menschen, der dem 'Schumanplan' seinen Namen gab. Sie laden mich in St. Hippolyte zum Kaffee ein. Ihre Unterkunft ist im Ort und so sage ich nicht nein. Beim Abschied bitten sie mich, für sie zu beten.
Ab Châtenois war klar, ich lasse die Haute Koenigsbourg rechts am Weg liegen. Ich hab keine Lust auf hohe Berge und es erscheint mir ein Umweg zu sein. Ich laufe über Rodern und bin 17 Uhr in Ribeauvillé. Die Stadt ist sehenswert, allerdings ein Touristending. -'Wenn Elsaß dann Ribeauvillé'- hab ich schon mehrmals gehört. Ich schaue, laufe einfach einmal quer durch und finde ziemlich weit oben die Kirche mit der Pfarrei für den Stempel. Eine Frau, die in der Kirche die Blumen anrichtet nimmt mich mit ins Pfarrhaus. Der Pfarrer ist klein, untersetzt und hat ein lustiges Gemüt wie es scheint. Schnell stellt sich heraus, dass er Theologieprofessor ist. In einer Woche geht er nach Colmar in den Ruhestand, das Haus ist schon leer geräumt.
Er fragt mich nach dem weiteren Weg und ich zeige und erkläre ihm, wohin ich weiterlaufe. Ribeauvillé ist der letzte Ort bevor es in die Berge geht, die Vogesen, einmal quer durch. Sie beginnen ja gleich vor der Tür. Er runzelt die Stirn.
-Thomas du willst nach Santiago. Halt dich nicht mit den Vogesen auf. Lauf drumherum, so bist du schneller und die Vogesen kannst du dir in einem extra Urlaub ansehen. Es geht viel bergauf und bergab , überleg es dir.-
Mit einem Schlag steht einer meiner Hauptgründe, den Weg über Strasbourg zu gehen zur Disposition. Die Vogesen. Geschätzte 2 Wochen würde ich wohl einmal quer durch Berge brauchen. Er rät mir den Weg nach Süden und dann durch die "Franche Comté". Wir schauen die Karten an und ich entscheide seinem Rat zu folgen. Also weiter nach Süden.
Er erzählt von früher, als viel mehr Menschen zu Fuß unterwegs gewesen sein müssen. Als die Studenten an ihre Studienorte zu Fuß marschierten. Eine wahnsinnige Vorstellung tut sich mir auf. Zu Fuß durch halb Europa. Italien war ja sehr bekannt- Padua, Florenz. Vielleicht hätte ich auch dann mehr Enthusiasmus in meinem Studium entwickelt, hmm... schwierig.
So verabschiede ich mich nach über einer Stunde von ihm und hab nun einen neuen Weg- Richtung Hunawihr. Auf einer Obstwiese kurz nach Ribeauvillé schlage ich mein Nachtlager auf, mit Blick auf die Stadt.
Eine lange Reise in Etappen
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06.04.2007 - 10:15 Uhr
ninja