04.04.2007 - 19:00 Uhr

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Enorme psychische Last: Pornodarstellerin Tyra über ihren Job

Text: heinz-helle

Tyra Misoux ist eine der erfolgreichsten deutschen Pornodarstellerinnen. Die 24-Jährige hat in über 30 Filmen mitgespielt, 2004 gewann sie den Venus Award. Bekannt wurde sie vor allem durch den Film „Die megageile Kükenfarm“, in dem auch Sibel Kekilli mitspielte. Heinz Helle traf sie in einem belebten Café in Berlin und suchte im Gespräch mit ihr das Außergewöhnliche. Er konnte es nicht finden.
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Den Text entnehmen wir der aktuellen Ausgabe des Online-Magazins daheim, die sich mit Pornografie befasst. Die Autoren besuchen unter anderem einen Pornodreh, einen Swingerclub oder befassen sich mit feministischer Kritik an Pornografie.

Hallo Tyra. Können wir hier über Sex reden? Natürlich. Ich habe kein Problem damit, in der Öffentlichkeit über Sex zu reden. Normalerweise laufe ich den ganzen Tag nackt herum. Worüber schreibt Ihr eigentlich so? Die neue Ausgabe beschäftigt sich mit Pornografie, Thema der letzten war Religion. Als ich anfing, Pornos zu drehen, bin ich aus der Kirche ausgetreten. Ich fand, das passte irgendwie überhaupt nicht zusammen. War das eine schwere Entscheidung? Nein. Ich war nicht besonders religiös. Ich bin zwar katholisch erzogen worden, wir haben viel gebetet. Aber meine Gebete sind größtenteils nicht erhört worden. Vielleicht waren sie auch unrealistisch, doch irgendwann geht der Glaube verloren. Sich hinsetzen und beten bringt nichts. Wenn man was verändern will, muss man es selbst tun. Bist Du deswegen etwa Pornodarstellerin geworden? Für mich war auf jeden Fall klar, dass ich mir lieber selber helfe als mir vom Arbeits- oder Sozialamt helfen zu lassen. Wie kamst Du denn an den Job? Ich war Kellnerin in einem Nachtclub. Ein Produzent gab mir seine Karte. Irgendwann habe ich es dann einfach mal ausprobiert. Klingt ja einfach … Als Erstes musste ich einen Aidstest machen. Und am nächsten Tag ging’s auf den Dreh. Hat es Dir spontan gefallen? Ja. Es war sehr entspannt. Auf den Drehs ist die Atmosphäre immer locker. Die Leute müssen alles zeigen, was sie haben. Deswegen haben sie nicht das Bedürfnis, sich zu verstellen. Sie sind ehrlich. Ich habe dann auch gleich auf einem der ersten Drehs meine jetzige beste Freundin kennengelernt. Sie hat mittlerweile aufgehört und ein Kind bekommen. Aber wir sind immer noch befreundet.
Intim und vor der Kamera: Eine Frau posiert beim Porno-Film-Festival in Cannes. (Foto: rtr) War das schon bei Magmafilm? Nein, bei irgendeiner kleinen Produktion. Der Produzent nahm uns damals auch mit auf eine Erotikmesse in Brüssel, aber da gab es dann Streit … Wieso? Er hat uns zu sehr beschützt. Wir haben auf den Showbühnen richtig Gas gegeben. Ihm war das ein bisschen zu viel. Vielleicht hatte er Angst, euch an die Konkurrenz zu verlieren. Das ist dann auch passiert. Wir zogen daraufhin nämlich zu zweit los, gingen von Stand zu Stand, sprachen die Leute an und gaben unsere Telefonnummern raus. Und? Am nächsten Tag klingelte das Telefon Sturm. Alle großen deutschen Produktionen wollten mit uns drehen. Von den vier größten deutschen hatte ich Exklusivverträge auf dem Tisch. Zuletzt schwankte ich noch zwischen Pornorama und Magmafilm, bin dann aber zu Magmafilm gegangen, weil das Team jünger war. Wenn der Kameramann dein Vater sein könnte, bist du nicht so frei beim drehen. Wolltest Du nie ins Ausland? Nein. Ein paar Kolleginnen sind in die USA gegangen, ich kenne auch ein paar US-Produktionen, aber was die machen, passt nicht zu dem, was ich in meinen Filmen rüberbringen will. Der normale Pornokonsument macht sich doch keine Gedanken über die Botschaft eines Films. Was willst Du in Deinen Filmen denn rüberbringen? Ich bin auf eine gewisse Art Feministin. Ich mache mir nichts aus Filmen, in denen Frauen unterdrückt werden. Und genau darauf scheint es in den meisten US-Produktionen anzukommen. In meinen Filmen gibt es das nicht. Ich habe immer schöne Storys. Ich bin Ästhetikerin. Und zu Ästhetik gehört bei mir immer eine Story. Es ist also möglich, als Darstellerin sein eigenes Ding zu machen? Ich kann mir vorstellen, dass ein Regisseur oder Produzent sehr klare Vorstellungen hat … Dadurch, dass ich exklusiv arbeite, habe ich immer das gleiche Team. Und in meiner Firma kann ich das rüberbringen, was ich gerne möchte. Ich habe auch ein Mitspracherecht, wenn es mit dem Darsteller nicht passt. Hatte die endgültige Entscheidung für den Job damit zu tun, dass Du Deine beste Freundin auf einem Dreh kennengelernt hast? Nein. Ich war vorher schon sehr offen, war mit dreizehn schon mit zwei Männern im Bett gelegen. Ich war danach zwar noch Jungfrau, aber es war eine sehr heiße Nacht. Mit 13? Vor allem war ich neugierig. Was ich erlebte, war so aufregend, so genial, dass es keine andere Möglichkeit gab, als voll einzusteigen. Ist dir der berufsmäßige Sex vor der Kamera ähnlich wichtig wie der private? Das lässt sich nicht vergleichen. Wenn ich privat mit einem Mann schlafe, habe ich Gefühle für ihn. Wenn ich drehe, ist es Abenteuer. Ein Rollenspiel. Ich mag es sehr, mich immer wieder in andere Rollen hineinzudenken. Meine Schauspielerei ist auch besser geworden. So langsam kann sich meine Comedy schon sehen lassen. Comedy? Alles, was bei Pornos Sprechtext ist, heißt in der Branche Comedy. Auf der nächsten Seite spricht Tyra über echte Liebe im Job und über die psychische Belastung, die er mit sich bringt.
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