04.04.2007 - 19:00 Uhr

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Eintrag aus dem Klassenbuch (V): Gibt es bald für´s Gähnen schlechte Noten?

Text: eva-schulz

Die einen besuchen sie neun, die anderen zwölf Jahre: Die Schule prägt uns ein Leben lang. Eva Schulz steckt noch mitten drin im Leben zwischen Lehrerzimmer, Spickerschreiben und Banknachbarn. In unserer Kolumne beschreibt sie, was das Schulleben ausmacht.

In der fünften Folge widmet sich Eva den Zeugnissen und fürchtet, dass alsbald auch ihr Gähnen in der achten Stunde bewertet wird.

Der Senex, so sein Spitzname, war drei Jahre lang unser Klassenlehrer. Weiß bis weise, immer mit einem frechen Spruch auf den Lippen, unterrichtete er uns in Deutsch, Musik und nebenbei noch Allgemeinbildung. Die Zeugnisvergabe gestaltete er stets als besonderes Ritual: Jeden Einzelnen von uns rief er nach vorn, ging alle Noten des jeweiligen Schülers mit ihm gemeinsam durch und vereinbarte dann den Deal. Denn selten war ein Zeugnis den hohen Erwartungen des Senex’ entsprechend. So musste Steffi binnen eines halben Jahres die Anzahl ihrer Zweien auf mindestens acht steigern – andernfalls sollte sie einem Unterstufenschüler umsonst Nachhilfe geben. „Das war eine Wette ohne Gegenleistung!“, beschwert sie sich noch heute. Geschafft hat sie es aber trotzdem.
Ich weiß noch, wie sehr es immer genervt hat, wenn ich an die Reihe kam und der Senex mit vorwurfsvollem Blick auf die Vier in Chemie zeigte. „Die muss da aber noch verschwinden, Eva“, hieß es dann. Noch schlimmer war aber das Zurückkehren an meinen Platz, wo alle schon eifrig ihren Notenschnitt ausrechneten. Dieses ewige Vergleichen und Bessersein! Wichtig ist die meist schrecklich schiefe Zahl nachher, wenn es an das Eintreiben der Belohnungen geht, doch sowieso nicht mehr. Denn Omas spenden grundsätzlich und für jedes Zeugnis. Eine Fünf in Kunst – wie auch immer die da hingekommen ist - übersehen sie dabei geflissentlich. Ausnahmsweise gespannt bin ich auf das Zeugnis, das ich nächstes Jahr bekommen werde. Zum ersten Mal will man uns „Kopfnoten“ verpassen. Diese Idee wurde irgendwo in der DDR ausgegraben, wo sie zuletzt in den späten Siebziger Jahren umgesetzt wurde. Neben den Noten für Deutsch und Musik darf mir der Senex dann auch noch eine für mein Arbeits- und Sozialverhalten geben. Ich frage mich, wie er das anstellen will. Nur weil ich so oft gähne, mittwochs in der achten Stunde, bekomme ich dann statt eines „gut“ ein „befriedigend“? Oder bei zusätzlichem Quatschen mit meinem Sitznachbarn gar ein „unbefriedigend“, die schlimmste der vier möglichen Beurteilungen? Dann sammle ich doch lieber weiterhin Striche für jedes Gähnen und backe beim dritten einen Kuchen. Gern auch mit Glasur, und Schokostückchen! Schon jetzt bete ich jedenfalls für die Klasse von Herrn Weichmann. Dieser Religionslehrer ist bekannt dafür, dass er gerne mal Noten an Leute vergibt, die längst nicht mehr in der Klasse sind. Dann kriegt Max eine Drei, obwohl der letztes Jahr sitzen geblieben ist. Nächsten Juni bekommt er bestimmt auch noch ein „unbefriedigend“ für sein Arbeitsverhalten. Er zeigt schließlich nie auf! Die zusätzliche Fünf in Reli könnte er allerdings ganz gut verwerten: Bei der traditionellen Zeugnisparty bekommt man für so eine Leistung freien Eintritt. +++ Mehr Folgen dieser Reihe gibt´s im Label Schulkolumne. Illustration: Dirk Schmidt


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lafuxa
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Mag ich Mag ich nicht

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04.04.2007 - 20:28 Uhr
lafuxa

Aber Eva, Kopfnoten gibts in der Unter- und Mittelstufe auch noch in Hessen! Schon seit einiger Zeit und auch immer noch.
Das sind oft die Noten, die bei auffälligen Schülern ausgewürfelt werden und bei den stillen, blonden Mädchen mit dem großen Buntstiftrepertoir stets mit zwei Einsen besetzt werden.

Milupa
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Mag ich Mag ich nicht

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05.04.2007 - 10:57 Uhr
Milupa

in Bayern gibts die auch, nur zählen die nix, stehen oben drauf, sind für nen Lacher gut, und dass die "Kopfnoten" heißen war mir bis dato nicht bekannt...

kleinessuessesengelchen
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05.04.2007 - 13:14 Uhr
kleinessuessesengelchen

hehe backt ihr auch immer Kuchen als Strafe? Ich find das total praktisch: kommt man 3 mal zu spät oder vergisst 3 mal was, dann kann man mit nem schönen Stückchen Kuchen sogar noch ein bisschen langweilige Unterrichtszeit killen ;)

Lg kleinessuessesengelchen

jungfrauMaria
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05.04.2007 - 13:18 Uhr
jungfrauMaria

Jaja, Durchschnittsnoten vergleichen ist sooo... wichtig! Grrrr. Jedes Mal, wenn ich diese Kolumne lese, freue ich mich die Schule hinter mir zu haben. In meinem Magisterstudiengang sind meine Noten sowas von egal. Das ist sehr schön. Außerdem sind sie ein wenig besser als zur Schulzeit, schließlich muss ich nix mehr machen, das mich nicht interessiert oder gar ankotzt. Aber wie gesagt, fragt ja keiner nach.

HelenaVonTroja
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05.04.2007 - 13:28 Uhr
HelenaVonTroja

oh Kopfnoten! bin ich froh das mir die nicht mehr gegeben werden können! ich glaube leute mit rotköpfen kriegen ne bessere kopfnote...

tinytuff
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Mag ich Mag ich nicht

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05.04.2007 - 14:18 Uhr
tinytuff

bei uns an der Schule werden die irgendwie sehr ernst genommen, die Kopnoten... immer wir Niedersachsen *lach*
und jedes Jahr gibt die Schulleitung ne n bisschen andere Version raus *kopfkratz*...

ClaerchenBaerchen
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Mag ich Mag ich nicht

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05.04.2007 - 22:44 Uhr
ClaerchenBaerchen

ganz im ernst: diese kommentare sind in bayern und überall anders auch ab der fünften klasse auf dem gymnasium schon vorherbestimmt. es gibt einen kleinen spielrahmen,ansonsten steht da immer das gleiche.. sagen sogar die lehrer selbst. alsokein stress

tinytuff
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Mag ich Mag ich nicht

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06.04.2007 - 12:54 Uhr
tinytuff

stimmt, voreingestellt isses, aber es wird doch ziemlich häufig runter- oder raufgestuft... bei uns eher runter als rauf, manchmal recht heftig sogar.

mandelkrokant
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Mag ich Mag ich nicht

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06.04.2007 - 15:37 Uhr
mandelkrokant

oh gut, dass man so vor etwas wie kopfnoten zittert, sorry, aber find ich ziemlich albern...ich geh selbst zur schule und bin mir ziemlich sicher, dass es wesentlich wichtigeres auf dem zeugnis zu befürchten gibt und soweit ich weiß gibts die auf dem abizeugnis auch nicht mehr.
in berlin gibts keine mehr, interessiert mich aber auch nicht. aber davor war ich in thüringen und in sachsen in der schule, dort gab´s welche und ich hatte kein problem damit. wieso auch? weiß ich doch, dass die bewertung eines schülers in diesen bereichen niemals richtig sein kann und so ziemlich das letzte, was einen schüler interessieren muss. außer er hat vor eine ausbildung zu machen, tja, dann siehts schlecht aus...aber davor wirst du dich ja sicherlich nicht fürchten müssen, schließlich sind die ersten kopfnoten immer die besten.


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eva-schulz

ist jetzt-Mitarbeiterin und hat diesen Beitrag verfasst.

Eva Schulz