03.04.2007 - 10:30 Uhr

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Tag 25 [24.08.05]

Text: elias_b

Nach dem Aufwachen scheint die Sonne. Schön. Ich packe zusammen und gehe in die Morgenandacht um halb 9 Uhr. In der Kirche passiert eine für mich doch recht 'strange' empfundene Sache. Seit dem Herbst 1939 knien dort hinter dem Altar junge Männer (soweit ich weiss unverheiratet) aus den umliegenden Ortschaften und beten. Wenn ich mich richtig erinnere, seit das Elsass besetzt wurde. Das ist jetzt schon ne ganze Weile her und das ist für mich unbegreiflich. Tag und Nacht. IMMER. Unvorstellbar irgendwie. Nach der Andacht bescheint die Sonne das Rheintal schon ziemlich. Ich genieße den Blick, welch eine Belohnung für den Weg hier hoch.
Dann geh ich los, Richtung Barr. Heute ist ja ein etwas besonderlicher Tag. Ab heute laufe ich den 'Jakobsweg der Freude', wie Bert Teklenbourg seinen Reiseführer von Straßbourg (Odilienberg) nach Santiago genannt hat. Die Karten (Wander/Rad) kann ich die nächsten Tage nach Hause schicken. Ein einfaches kleines Buch soll reichen für die letzten 2250 km. Dieses Buch ist auch der Grund weshalb ich meine geschätzte Kilometerzahl nach oben korrigieren musste bevor ich loslief. Ich war doch recht geschockt, hatte ich doch mit 2500 km gesamt gerechnet. Und dann 2 Wochen vor dem Loslaufen sagt mir dieses Büchelchen, dass ich weit mehr zu laufen habe. Naja die paar Kilometer hin oder her, bin ich nun schon weggelaufen. Die Sonne scheint wirklich. Besseres Wetter nach den paar Tagen Regen/Nieselmischung. Nicht lang und ich treffe 2 Ehepaare aus der Nähe von Metz. Sie suchen die Gedenkstätte für die Opfer des Flugzeugabsturzes, welches hier wohl ganz in der Nähe 1992* abgestürzt ist. War mir überhaupt nicht klar, dass das gleich hier passierte, so nah am Odilienberg. Sie wissen den Weg dahin nicht, haben sich die Wegmarkierung nicht gemerkt, die an der Tafel vorn am Parkplatz angebracht war. Wir sprechen nur kurz, ich kann den Wander-laien keinen Tip geben, mir ist das Zeichen nicht aufgefallen. Nur ein kurzes Stück weiter meinen Weg entlang findet sich dann doch ein Hinweis auf die Gedenkstätte. Ich lauf quer durch den Wald zurück -den Stimmen nach- und gebe den 4 Leutchens bescheid. Kurz entschlossen gehe ich mit den Abstecher zum Denkmal. Eine grosse Lichtung ist geblieben. Bäume sind drumherum gepflanzt. Die Leute erzählen vom Suchen damals mitten im Winter. Am Zaun sind lauter Astkreuze angebracht und es herrscht ruhige, aber etwas gedrückte Stimmung an dem Ort. Erinnert mich irgendwie an Blairwitch Project.
Auf dem Rückweg bis dahin wo sich unser gemeinsamer Weg trennt, erklärt mir der kleinere der beiden Männer woran man Steinpilze und Butterpilze erkennt. Welche keine sind oder giftige Pilze. Komischerweise steht mit einem Mal der Wald voll Pilze und schnell haben sie einen Beutel voll gesammelt. Ich schaue zu und lerne. Wo ich gucken muss und was besonders lecker schmeckt. An der Wegkreuzung verabschiede ich mich und gehe nun wirklich nach Barr. -Spazieren.- Ja spazieren gehe ich. Das Pilze suchen hat mich gepackt. Aber anscheinend haben Wildschweine den kompletten weiteren Wald umgegraben nach dem Regen der letzten Tage. Die Spuren zeigen es und allerlei angefressene Pilzreste liegen herum. Es bleibt bis Barr bei 2 (ja zwei) Steinpilzen, allerdings so große, dass mir jetzt (Mittelbergheim) die Tagesmahlzeit- Pilzsuppe mit Kräutern- super gut schmeckt. Ich habe durch die Träumerei im Wald dann vorhin in Barr die Mittagspause der Geschäfte erwischt, kein Brot nun. Heute hat mich der Wald genährt: Wasser von der Odilienquelle, Steinpilze. Lustigerweise habe ich die Pilz- Ehepaare nachmittags in Bernardvillé wieder getroffen. Ich erfuhr, in diesem kleinen Nest abseits der Weinstraße, bei 'Geyer & Koenig' seien sehr gute und preisgünstige Weine erhältlich. Und ich hatte mich schon gewundert, aus welchem Grund sie in ein so kleines Dorf zum Wein einkaufen fahren. Auf dem Weg nach Nothalten durch die Weinberge. Ein Bauer berichtet mir, dass seine Eltern am Abend zuvor 2 Leute beherbergten, die auch den "St. Jaques" laufen. Ich laufe also nicht allein! Es sind vor mir Menschen unterwegs. Am Ortseingang von Blienschwiller mache ich es mir bequem für die Nacht. Pique-Nique Ecke mit Bäumen herum. Ideal. . *[Beim Absturz eines Airbus A320 der Air Inter am 20. Januar 1992 in der Nähe des Odilienbergs kamen 87 Menschen ums Leben. 9 Personen überlebten das Unglück. Die Absturzstelle befindet sich südl. des Odilienbergs auf dem benachbarten Berg „La Bloss“ (Höhe 826 m), Quelle Wiki] Eine lange Reise in Etappen


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6 Kommentare

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asphaltfruehling
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Mag ich Mag ich nicht

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03.04.2007 - 10:35 Uhr
asphaltfruehling

oh, wenn du so weitermachst wird das mein morgenritual!

ShesSoHigh
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Mag ich Mag ich nicht

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03.04.2007 - 10:42 Uhr
ShesSoHigh

ein gutes morgenritual, wie ich finde!

moondog
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Mag ich Mag ich nicht

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03.04.2007 - 10:47 Uhr
moondog

Hee, ja, reschpekt für die Schnelligkeit!
Aber: warum soll man nicht in nem kleinen Ort Wein kaufen??? *entrüst*

elias_b
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Mag ich Mag ich nicht

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03.04.2007 - 10:52 Uhr
elias_b

moon:
ja weil an der weinstrasse jeder ort irgendwie was spezielles aufzuweisen hat. weinstrassenorte sind wie gold. daneben die sind wie silber. besser gesagt, die weinstraßenorte kennt jeder, wenn man nach dem weg fragt. bei den anderen ist das schon nicht so einfach.

zu den männern die hinter dem altar knien:
immer einer, eine stunde lang, dann der nächste. tag und nacht. ich konnte nur herausbekommen, dass dies seit der besetzung ihrer heimat 1939 so ist. meine vermutung ist, dass sie für ihre heimat beten.

adnarel
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Mag ich Mag ich nicht

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03.04.2007 - 20:04 Uhr
adnarel

zwei pilze pro suppe, sehr sparsam***

clausen
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Mag ich Mag ich nicht

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05.04.2007 - 09:07 Uhr
clausen

gut zu fuss und gut zu lesen *


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elias_b unbekannt

elias_b

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