02.04.2007 - 03:21 Uhr

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Tag 23 [22.08.05]

Text: elias_b

Nachtrag
Die Ill in La Wantzenau
Regengesicht, dafür frisch rasiert
Füsse nach 500 km
Europäisches Parlament
Europäischer Gerichtshof
La Petite France _________________________________________________________ Frühstück mit Monsieur Jean-Marie Badina, sehr klasse. Wir sitzen in seiner Küche und er erzählt von seiner Arbeit. Dass er Jugendpfarrer ist sagte er mir schon, nur hatte ich keine Vorstellung was das heisst, hier in Strasbourg. Ich berichte ihm von dem Jugendhaus in dem ich einen Teil meiner Jugend verbrachte. Ein von den Salesianern Don Boscos geleitetes Haus. Er hat gute Verbindungen zu diesem Orden, ist selbst aber mehr der Einzelkämpfer. Kurz darauf bekomme ich eine Ahnung, was dass heisst. Er führt mich durch das Pfarrhaus und speziell der grosse Keller überrascht. Neben Bastelwerkstätten für Fahrräder und Wintersportgerätschaften findet sich ein grosser Raum mit Tischkickern, Sofas, Musikanlage. Und überall in jeder kleinen Ecke Fahrräder, Skier, Bälle...alles was so zu Freizeitbetätigungen für Dinge notwendig sind. Der Hinterausgang des Kellers grenzt gleich an einen Schulhof. Doch er sagt, dass inzwischen aus mehreren Schulden die Jugendlichen zu ihm finden. Christlich oder nicht, ist ihm egal und den Jugendlichen auch, seine Türen sind offen. Zwei Mal im Jahr versucht er mit einer Gruppe von 30 Jugendlichen entweder mit dem Rad oder eben mit Skiern Ausflüge zu unternehmen. -Wahnsinn- denk ich mir. Über den Hof in 'seine' Kirche, dort wo er die Lämmer der Gemeinde betreut. Ursprünglich gehörte die Kirche zum naheliegenden Krankenhaus, doch das ist schon lange nicht mehr so. Nach einem Umbau und der entsprechenden Vergrösserung Ende des 19.Jhdt. hat die Kirche ausserdem einen Knick zwischen Altarraum und Hauptschiff. Funktional sollte sie wohl sein, nach dem Umbau, nicht schön, mutmasst er. Ich lausche seinen Erzählungen. Bald ist auch mir klar, dass dieser Teil seines Berufes nicht den Hauptteil ausmacht. Eine Seele ist er, eine Seele inmitten Strasbourgs, für die jungen Menschen. Mir ist er ein Freund geworden. In nur wenigen Stunden. An seinem Rechner schaue ich kurz ins Internet nach Mails, allerdings nicht lange genug um selbst zu schreiben. Ich will ja weiter. Eine Karte mit seiner Adresse und Telefonnummer gibt er mir mit, empfiehlt mich als Pilger des Jakob.
'Mon ami' sagt er beim Abschied, klopft mir auf die Schulter und schickt mich in die richtige Richtung, stadtauswärts. Manchmal ist es sehr schwer wieder loszulaufen. Loszulaufen von einem Ort, den man in sein Herz geschlossen hat. Weg von Menschen, die ihr Zuhause, ihren Tisch geteilt haben. Mit einem der von der Strasse kam. Einfach so. Hier fällt es mir sehr schwer gegen Mittag wegzugehen. Er lächelt, ich versuche es auch.
Die Versuche ein Internetcafe zu finden lasse ich dann doch bleiben. Ebenso nach einem Telefonladen, um eine französische Telefonkarte für mein Handy zu kaufen. Ich verschiebe es auf später. Hinaus aus der Stadt an der Ill entlang, durch Parks, später am Canal de Bruche. Jedoch fehlt mir jede Ahnung wie weit ich kommen kann heute und wie weit es bis zum Odilienberg ist, meinem nächsten Ziel. Also laufen, auch wenn sich der Radweg am Kanal entlang ewig zieht. Während einer Pause (Tee, Schuhe lüften, Parkbank) kommen 3 spazierende ältere Damen vorbei. Sind neugierig. Sie haben viel Angst, um mich. 'Hach du jee!' Sie sind niedlich. Weiter. So sehe ich am Nachmittag die ersten Weinberge am Horizont, Freude. Endlich nicht mehr flaches Land. Ich schaffte so bis zum Abend den Weg bis Molsheim. Windig wars und ich bin völlig im Eimer. Keine Ahnung warum. Keine grosse Strecke, wenn ich auf die Karte schaute. Zum Glück zeigte der Stadtplan am Ortseingang einen Camping. Es ist schwer den Luxus zu vergessen und gleich wieder einen Tag später draussen zu landen, also war Camping eine gute Alternative. Ich studierte den Ortsplan und versuchte mir den Weg zu merken. Ein Mann bemerkt mich und spricht mich neugierig an. Ich erkläre ihm wo ich hin möchte und er beschreibt mir ausführlich. Und dann will ich mich verabschieden, zum Camping. Sylvain, so heisst er, lädt mich zum Abendessen ein. Einfach so. Ich könne doch mitkommen. Er wohnt praktisch um die Ecke. Ich entscheide und sage 'Ja'. Was ist das schon wieder? Ist das normal hier? Na mal sehen wie das wird... Seine Frau ist entwas überrascht und wirbelt sogleich in der Küche. In Frankreich gibt es Menü stelle ich fest. Vorweg eine Möhrensuppe, dann Nudeln mit Soße und hintendran Brotkuchen. Das Rezept hat sie mir aufgeschrieben, der ist wirklich lecker. Was für eine Gastfreundschaft! Schließlich sollte ich doch bei ihnen bleiben die Nacht, sie möchten mich nicht mehr raus schicken, obwohl ich sage dass es kein Problem wäre. 'Nein, du bleibst jetzt..' ist die Antwort. Ich bleibe. Familie Fritz hat 4 Kinder, Der Älteste ist in Neuss zum Praktikum, der nächste fängt in Belfort sein Studium an. Sie erzählen von Molsheim, aus der Geschichte der Stadt und der Gegenwart. Die grossen Osram- Werke und das noble Bugatti-Werk sind der ganze Stolz der Einwohner. Sylvain arbeitet als Verwalter einer technischen Schule, seine Frau Martine arbeitet in einem Altersheim. So sitzen wir lange erzählen und trinken Wein. Es gibt viel zu erzählen. Martine entschuldigt sich noch, dass nicht überall so tolle Ordnung herrscht. Ich kann sie beruhigen und sage ihr -'..ein Haus ist kein Museum, schon gar nicht mit 3 Kindern.' Sie lächelt, ich auch. Aus Dankbarkeit. Und so liege ich den zweiten Abend in Folge in einem Bett. Luxus! Durch das Dachfenster des Zimmers ihres Ältesten, schaue ich in den Himmel. Ich liebe das Elsaß, die Menschen. Für mich der leichteste Start in Frankreich. So habe ich dass nicht erwartet. Eine lange Reise in Etappen


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5 Kommentare

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sommerhaus
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Mag ich Mag ich nicht

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02.04.2007 - 03:42 Uhr
sommerhaus

so schön.
ich mag das so.

du weißt...

*

adnarel
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Mag ich Mag ich nicht

0

02.04.2007 - 11:09 Uhr
adnarel

hihi *sie sind so niedlich*

larala
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Mag ich Mag ich nicht

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02.04.2007 - 13:56 Uhr
larala

Wow, diese Erinnerungen kann Dir keiner nehmen....
*

asphaltfruehling
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Mag ich Mag ich nicht

0

02.04.2007 - 16:52 Uhr
asphaltfruehling

ach ich bin so gerne dort. und ich lese so gerne von dir, so gerne.
weil ich mir alles so gut vorstellen kann, all diese menschen.

clausen
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Mag ich Mag ich nicht

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02.04.2007 - 19:19 Uhr
clausen

immer weiterlaufen!
*


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elias_b unbekannt

elias_b

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