Nur eine Brücke / oder: Wie weit werde ich gehen?
Flucht vor sich selbst ist nicht immer der falsche Weg. Doch wenn er der leichteste ist geht man in die falsche Richtung. Also drehe ich mich um und versuche tatsächlich meinen Gefühlen ins Auge zu sehen. Ich sehe keine Iris und keine Pupille. Vor mir liegt der ungewisse Pfad, die Brücke voller Löcher, die man nur blind bewältigen kann. Doch mit offenen Augen ist das Leben schöner. Deshalb blicke ich hinunter und die Höhe lässt mich taumeln, hindert mich am Anfangen. Ich spüre deinen Atem an meinem Gesicht, weiß wo mein Herz hingehört. Warum bin ich so theatralisch, voller Angst und Pathos? Weil ich stets die Wahrheit sage? Wenn ich lüge, oder lügen muss denke ich tagelang an nichts anderes. Teilweise quälen mich jahrelang Schuldgefühle. Und doch würde ich jede Lüge erzählen die notwendig ist. Eine salzige Spur läuft meine Wange hinunter, ich schmecke Tränen und doch keine Trauer. Sehnsucht ist die schlimmste Sucht. Weil man sie nicht stillen kann. Fernweh ist der schlimmste Schmerz. Weil er keinen Grund hat. Ich nehme das Band meiner Vergangenheit und lege es über meine Augen um nichts mehr zu sehen. Doch der erste Schritt wird eine Weile dauern. Stattdessen werfe ich Blind mit Tönen, Farbe und Wörtern um mich. Und bin nervös – immer. Dein Blick bringt mich nicht mehr zum abwenden, ich kann ihn offen erwidern. Sehe ich das gleiche in deinen Augen, wie du in meinen? Wahrscheinlich nicht. Und dieses Mal werde ich den Schritt gehen, irgendwann. Ich werde nicht mehr warten, bis die Brücke verschwunden ist, ich werde mich nicht von jemand anderen führen lassen. Dies ist mein Weg, diesmal gehe ich ihn allein. Andere verstehen es nicht, sie sehen die Löcher und Spalten nicht die hoch über der reißenden Strömung klaffen. Einen geraden Weg sehen sie, den man nur gehen muss. Deswegen versuche ich die Augen zu schließen. Doch der erste Schritt tut weh. Hat er immer getan. Und ich habe Angst.- Am Ende des Weges 21.03.2012
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01.04.2007 - 22:43 Uhr
Leben_leben_lassen








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