19.03.2007 - 19:00 Uhr

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Störer im Stadt-Bild: Wie 50 junge Münchner mit der Macht der Medien spielen

Text: roland-schulz

Die Schlagzeile war gewohnt gewaltig und ungewohnt absurd: „Leser wehrt euch! 23 Exkremisten dönern deutsche Buben zu Tode“ war am 19. Februar in München auf den Plakaten zu lesen, mit denen „Bild“ seine Zeitungskästen bestückt. Ein Scherz? Schnell stellte sich heraus, dass es sich um eine gefälschte Schlagzeile handelte.
Auf einer Internet-Seite forderten die anonymen Verursacher damals dazu auf, Bild-Schlagzeilen zu verändern. Die Homepage wurde rasch gesperrt, doch am 3. März tauchte eine neue falsche Schlagzeile auf: „Heut mal nix“. Diesmal war eine Homepage in Libyen als Kontakt angeben. Dort stehen Druck-Vorlagen für eine Bild-Schlagzeile zum Download bereit – und eine E-Mail-Adresse.
Ein Treffen wird vereinbart. Am Treffpunkt gibt sich eine Gruppe junger Menschen als Urheber der falschen Bild-Schlagzeilen zu erkennen. Zwei Mädchen verabschieden sich sofort, sie müssen leider nach Hause. Vier junge Männer bleiben. In einer Kneipe in der Innenstadt geben sie ein Interview.

Gab es Reaktionen von Bild? Ja, eine Strafanzeige wegen Sachbeschädigung. Peinliche Aktion. Sie hätten uns ja auch eine Mail schreiben können. Wir achten bei unseren Aktionen sehr darauf, nicht destruktiv zu sein. Wir finden aber am peinlichsten, dass die Bild am nächsten Tag nicht ihre Leser informiert hat, dass in der ganzen Stadt eine falsche Schlagzeile stand. Was habt ihr denn erwartet? Sie hätten uns super den Wind aus den Segeln nehmen können, wenn sie gesagt hätten: Danke für die Überschrift. Wir dachten die reagieren cleverer. Diese Reaktion hättet ihr euch gewünscht? Ja. Wäre auch besser für uns gewesen, weil wir mehr publik geworden wären. Oha, mediengeile Medienkritiker. Die Aktion soll ja Wirkung zeigen, und dazu braucht man die Medien. Das ist eine zweischneidige Sache, das kann man nicht leugnen. Wir hatten gehofft, dass sie medial darauf reagieren. Aber dass sie so eine absurde Schlagzeile nicht richtig stellen, das entlarvt sie auch. Die Medien benutzen, um die Medien zu entlarven – klingt skurril. Moment, wir erkennen die Medien klar an: Wir sagen, dass Medien wahnsinnig wichtig sind - aber es kommt darauf an, was Medien mit ihrer Macht machen und wie Leute mit den Medien umgehen. Da finden wir es gar nicht skurril, sich einzuschalten und sich ein bisschen der Macht der Medien zu bedienen, um zu hinterfragen. Wie denn sonst sollen wir die Medien entlarven als mit ihren eigenen Mittel? Das ist der einzige Weg.
Was für Reaktionen kamen sonst? Es kamen Berichte bei der Süddeutschen, bei bildblog.de und viel im Internet, es gab Sprüche wie: „Habe mich selten so amüsiert.“ Aber wir wurden auch als linke Weltverbesserer bezeichnet oder anders niedergemacht. Wissen eure Freunde, was ihr macht? Klar. Eure Eltern? Auch Eltern. Was sagen die? Es ging so hin und her. Manche waren begeistert, andere haben uns beschuldigt, ein bisschen größenwahnsinnig zu sein. Aber der Großteil war ziemlich angetan. Die meisten haben sich auch kritisch damit auseinandergesetzt: Was wollt ihr damit, was soll der Spruch? Allerdings wollten beim nächsten Mal dann etliche nicht um halb Fünf aufstehen, um die neuen Plakate anzubringen. Eure zweite Schlagzeile war leer, darüber stand „Heut mal nix“. Wie geht es jetzt weiter? Wir haben die Reaktionen der Menschen auf unsere Schlagzeile mit Video aufgenommen, aus der Sicht des Bild-Zeitungskastens – wir wollten die Perspektive der Schlagzeile haben. Sehr interessant, da merkt man, wie die Leute reagieren auf unsere Überschrift. Das werden wir bald online stellen, bei YouTube, unter „Bild Slapping“. Wird es weitere Schlagzeilen geben? Weitere Aktionen sind geplant. Aber die werden anders sein. Wie denn? Das werden wir natürlich nicht verraten. Aber: Wir fangen gerade erst an.
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