06.04.2007 - 19:00 Uhr

0 27 Über Twitter weiterempfehlen

Erdgooglen: die Generation Vogelperspektive

Text: dirk-vongehlen

Eine Hommage an eine stilprägende Internet-Anwendung - mit Test zum Ausprobieren: Gehörst du zur Generation Google Earth?

In zehn Jahren werden wir über den Text hier lachen. Und das ist dann vermutlich auch richtig so. Genau so berechtigt wundern wir uns schließlich heute über Texte aus dem vergangenen Jahr: Sie handeln alle von „dem Versuch, die gesamte Welt im Internet befliegbar zu machen“ wie es die Abendzeitung nannte. Die FAZ drückte sich natürlich gewählter aus ( „Man flaniert über die Erde wie Gott. Es ist nichts anderes als das Fahren mit dem Finger auf der Landkarte.“), Neon überschwänglicher („das Tollste, was ich seit der Erfindung des Internets im Internet gesehen habe.“) und die taz kritischer („Ist das die letzte Anmaßung einer säkularisierten Gesellschaft?“). Sie alle beziehen sich auf Google Earth, das im Sommer 2005 gestartete Satellitenprogramm des kalifornischen Suchmaschinen-Giganten. Und sie alle klingen mittlerweile albern, weil Google Earth nahezu jedem, der heute im Netz surft, zur Gewohnheit geworden ist. Die überschwängliche Freude des vergangenen Jahres ist zum stilprägenden Alltag geworden.

Allerdings nicht für lange - im Focus erklärte unlängst ein Informatikprofessor, warum Google Earth schon bald von einer neuen Technologie (und dieser Text dann von einer neuen Beschreibung) abgelöst werden wird: „In zehn Jahren“, prophezeit Hartmut Pohl, „werden wir nicht nur von Satelliten irgendwelche vor Jahren aufgenommenen Landschaftsbilder betrachten, sondern Straßenaufnahmen in Echtzeit: Wir werden unsere Freunde über den Gotthard nach Italien fahren sehen.“

Bis es soweit ist, schauen wir aber weiter mit Hilfe von Google Earth auf diese Welt: auf den Urlaubsort, auf die Straße, in der die neue WG liegt und vor allem auf die eigene Vergangenheit. Fast jeder, der von dem faszinierenden Blick von oben schwärmt, kommt kurz darauf auf seinen Geburtsort zu sprechen. So auch der Autor eines weiteren Textes aus dem vergangenen Sommer: „Am aufregendsten ist es, zurückzureisen: Per Anhalter in die Galaxis Heimat.“ Der Verfasser dieses Wortspiels heißt Florian Illies, der Erfinder der Generation Golf, der mit dem Google-Rückblick sein damals neues Buch "Ortsgespräch" bewerben wollte.

Wahrscheinlich liegt es an Illies, dass ich auf die Idee kam, mir die Nutzer des digitalen Kartenmaterials als Generation vorzustellen. Wäre doch eine schöne Alliteration - Generation Google Earth – um die Menschen zu beschreiben, die damals – als man vom Web 2.0 zu sprechen begann - mit Begeisterung im Netz surften. Jene, die noch die Zeit kennen gelernt hatten, als in Zeitungen erklärt werden musste, was ein Blog (Ableitung von Weblog) oder ein Podcast (Wortneuschöpfung aus iPod und Broadcasting) sei. Jene, die den absurden Wettkampf zwischen Hamburg und Berlin miterlebten, die beide im Januar 2007 von sich behaupteten, die erste Stadt Europas zu sein, die in 3-D in Google Earth erlebbar sei. Kurzum jene, die sich für Googles Kartenmaterial kindlich begeistern können: also wir.

So störend diese Generationenzuschreibungen generell und so falsch sie ganz konkret sind, es gibt ein paar unbestreitbare Gemeinsamkeiten, die wir Google Earth Pioniere über alle Altersgrenzen hinweg miteinander teilen. Wir haben das Programm zu einer der beliebtesten Software-Anwendungen im Netz gemacht, gerade in Deutschland wird gern und häufig von oben auf die Welt geschaut. Wir haben uns daran gewöhnt, Landschaften, Städte und Gebäude von oben zu sehen. Wir können uns vorstellen, von dort oben selbst beobachtet zu werden und wir haben diese Perspektive in unseren Alltag integriert. So sehr, dass wir jede Ferienstadt problemfrei noch mal bereisen können. Von oben, wenn nämlich die Freunde unbedingt auch in dieses tolle Cafe oder den guten Club wollen, dessen genaue Lage man dann aus der Vogelperspektive ermitteln muss, weil man die Adresse vergessen hat.

Wir haben das Erdgooglen gelernt. Höchste Zeit also für einen Test: jetzt.de hat neun Satelitten-Blicke auf bekannte Flecken der Erde ausgewählt und fragt: Erkennst du die Orte?

Mehr zum Thema auf jetzt.de
- Die Idee zum Google-Raten gibt es auf jetzt.de schon länger – im Label GoogleE_Erraten


Weiter Seite 1 2 3 ... 10


Neue Magazin-Texte:

Mehr Texte von jetzt.de liest Du jeden Montag in der Süddeutschen Zeitung - außerdem dienstags im Lokalteil der SZ. Du kannst die SZ zwei Wochen kostenlos testen - du musst nicht einmal kündigen!

Textoptionen
Mehr Texte von
dirk-vongehlen
Mehr Texte zum Label
Rätselgalerie
Text Freunden empfehlen Text drucken Text melden
Der Text gefällt Dir?
Lesenswertpunkt schenken
Fehler gefunden?
Report an Error
Hier bei jetzt.de anmelden,
Texte schreiben und kommentieren.
Kommentar

speichern
Mehr lesen:

Jetzt-Mitglied

dirk-vongehlen offline

dirk-vongehlen

ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.