"Konzerte kann man nicht kopieren"
Die Krise in der Plattenindustrie fängt an, eine ganze Szene zu bedrohen. Anfang dieses Jahres schrammte das Hamburger Vorzeige-Plattelabel „L’age D’or“ ganz knapp an einer Insolvenz vorbei, die Kollegen von „Grand Hotel van Cleef“ fahren einen strikten Sparkurs und werden ihre Aktivitäten stark einschränken. Das dritte Hamburger Indie-Label ist „tapete records“ – Mitgründer Gunther Buskies erklärt die Situation.
Das Gespräch gehört in die Reihe der Interviews auf der jetzt.de-Zeitungsseite zum Thema "Digitale Musik". Auf der Seite, die am Montag in der Süddeutschen Zeitung erscheint, kommt außer Gunther Buskies der Harvard-Professor Felix Oberholzer-Gee zu Wort, der die Wirkung von Tauschbörsen auf die Musikindustrie untersucht hat. Jochen Strube von der TU Darmstadt erklärt, warum 99 Cent für einen Song im Netz zu teuer sind und Till Kreutzer erklärt die rechtlichen Rahmenbedingungen der Musik im Netz.


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Die Bands (aller Genres) müssen einfach wieder ihren Arsch hochkriegen, sich um ihre Fans kümmern und das "Künstlerdasein" nicht nur als Berufung, sondern auch aus Beruf ansehen. Means: Arbeiten! Dann klappt's auch mit der Kohle... So. Jetzt schön kontra bitte :-)
ich mein ich bin sowas wie n Orginal Cd Fetischist bin im indiebereich für Tomte / Kante zu haben und hab auch alle Cds als Fan
18.03.2007 - 20:29 Uhr
A1RD9C
Dieses Konzept der Musikindustrie hat einfach ausgedient. In einer digitalen Welt kann ich nicht mit analogen Verkaufsmechanismen arbeiten. Das muss scheitern. Und da Alternativen entweder miserabel sind (wer bezahlt für ein Lied knapp 1€, zumal es auch noch mit irgendwelchen repressiven Maßnahmen vollgestopft ist?) oder schlicht nicht existieren bzw. zu spät angeboten wurden, scheint die Entwicklung vorgezeichnet zu sein. Die einzigen, die jetzt noch im nennenswerten Maßstab CDs kaufen, das sind die, die damit noch etwas emotionales verbinden. In ein paar Jahren ist auch damit schluss.
Und ich finde die Entwicklung gut. Hier wurde schon Adorno angeführt; es ist pervers Musik industriell herzustellen. Der mangelnde CD-Verkauf hat insofern damit etwas zu tun, weil er mit Individualisierungstendenzen zusammenhängt. Heute kann ich mir bei Tonspion Musik herunterladen, bei Myspace nach neuer suchen und bei Youtube zugehörige Videos ansehen.
Das ist grandios, denn das bedeutet vor allem künsterlerische Freiheit, daneben aber auch Datenfreiheit, quasi die Kultur-Flat. Demnach kann man diese gräßlich niedrigen CD-Verkäufe nur gut finden: Sie sind die Vorboten der in ihrer Bedeutung dem Buchdruck ähnlichen Musikrevolution!
Labels haben sowieso in ihrer alten Form ausgedient.
[Klar, das hat auch negative Seiten (Leben aufgrund der Musik schwieriger möglich, ohne finanzielle Unterstützung durch ein Label Aufbau einer Band schwierig, wobei sich auch die Frage stellt, ob so ein Aufbau überhaupt notwendig ist) , die man im Übrigen durch ein bedingungsloses Grundeinkommen ausbügeln könnte]
so muss es sein
Altes, aber hannebüchenes "Argument".
Wenn die Mucke so scheiße ist....warum zum Henker saugen alle (Du doch wohl auch) wie verrückt die Lieder???
Außerdem war mein Argument nicht, dass die Lieder scheiße sind, sondern dass ein strukturelles Problem vorliegt. Daneben: Es ist schon etwas anderes ob ich, kurz bevor ich aufs Klo gehe, ein Lied mit einem Knopfdruck herunterlade oder ob ich Geld dafür bezahlen muss. Was ich auch für wichtig halte: Jugendliche haben mittlerweile andere Prioritäten, Musik ist angesichts von Handy nicht mehr so wichtig, da lädt man die Stücke halt herunter. [Aber du hast schon recht, prinzipiell ist das Argument irgendwo schwach...]
Und was glaubst Du, wieviel Musik wirst Du Dir zukünftig bei Tonspion kostenlos herunterladen können, wieviele Musikvideos bei Youtube ansehen können, wenn das ganze nicht von einer perversen Musikindustrie vorfinanziert wurde? Die Bands, die ich bislang kennengelernt habe, hatten aus eigener Tasche meist gerade genug, um sich neue Bass Saiten zu kaufen (Und ja, ich weiß, daß das überspitzt formuliert ist). Außerdem wird doch viel zu sehr außer acht gelassen, daß viele Musiker überhaupt keinen Bock haben, sich um den administrativen Part ihrer Musik zu kümmern. Da gibt es, wie überall, Ausnahmen. Aber warum glaubtst Du, suchen sich noch so viele junger, neuer Bands ein Label? Eben weil sie nicht selbst über die Kontakte zum Presswerk, zum Booker, zu den Vertrieben, zur Presse, etc... verfügen. Machte man das alles selbst, wäre es ein Fulltime Job. Nee, da wird es 'nen Mittelweg geben müssen. Ich weiß selbst nicht, wie der aussehen wird, aber die komplette Selbstvermarktung durch Musiker sehe ich genausowenig, wie den profitablen Betrieb eines Labels. Würde man diese "Individualisierungstendenz" zu Ende denken, spielen Bands in ein paar Jahren nur noch im Proberaum und auf myspace. Ohne Leute, die das ganze irgendwie in Bahnen lenken, die den Überblick wahren, wird es auch in Zukunft nicht gehen. Ob die jetzt von innerhalb der Band oder von einem Label kommen ist dabei völlig schnuppe. Nur, wie gesagt, bei vielen Bands fehlt dieser jemand aus den eigenen Reihen.
Oder ander gefragt: Brauchen wir denn WIRKLICH so viele Bands, um doch nur wieder das immergleiche zu bekommen? Vermutlich ja, aber verschwinden werden traditionellen Wege der Verteilung in der Mehrheit trotz allem. Das ist auf dem Weg und nicht mehr aufzuhalten und die Welt wird daran nicht zugrunde gehen.
Um mit Fischmob zu sprechen:
"Was macht F. R. David eigentlich heut'?"
Und...ja, unter den hundert neuen Indie-Bands, die Monat für Monat durch die Gazetten getrieben werden, ist auch immer wieder mal eine, für die es sich gelohnt hat zu suchen. Nur wird nur der Haufen Scheiße, durch den man sich wühlen muß von Monat zu Monat größer. Und nö, 99% dessen brauchen wir wirklich nicht. Aber wer soll Dir denn die Arbeit abnehmen herauszufinden, welches verbleibende 1% das ist, das Dir den neuen Horizont öffnet? Als sei die komplette Abschaffung alter Strukturen gleichzeitig ein Garant für einen Qualitätssprung. Du hast völlig Recht. Dieser Prozess ist nicht mehr umkehrbar. Und ich sage auch gar nicht, daß ich die Entwicklung schlecht finde. Es wird sich einiges verschieben. Einige Leute werden sich neue Jobs suchen. Insgesamt wird die Zahl der in der Musikindustrie Beschäftigten halt zurückgehen. Alteingesessene Firmen schließen, dafür neue aufmachen. Was sollte uns besser dastehen lassen, als den gemeinen Stahlkocher? Was mich nur unglaublich ankotzt ist dieser Tenor in einigen Beiträgen (nicht nur in diesem Forum), daß die böse Musikindustrie das schon lange mal verdient hat und die Künstler sich letztendlich aus einem Joch befreien können, jetzt, da ihnen das passende Werkzeug an die Hand gegeben wurde. 5000 MySpace Freunde garantieren eben trotzdem noch keine erfolgreiche Europa Tour.
Was ich damit sagen will: Ich glaube fest daran, dass dieses Vergehen von manchen musikalischen Phänomenen ein natürlicher Gesundungsprozess ist. Wenn dabei die achso bösen Kakapipiarschsäcke von der Musakindustrie eins vor den Latz kriegen, gehört das vielleicht dazu, ist der Musik selbst aber vermutlich egal.
Das ich nicht mehr diese persönliche Bindung zur einzelnen Platte schaffe, beobachte ich an mir selbst. Das ist in der Tat traurig. Aber andererseits möchte ich auch nicht mehr in die Situation zurückversetzt werden, einen Monat mein Taschengeld zu sparen, um mir eine MC zu kaufen. Lemmy wird's vermutlich egal sein....
wenn ich dann also sowas lese wie 'musiker, kriegt euren arsch hoch und macht es einfach selbst' schwillt mir echt der kamm. das macht sich nicht mal eben so mit einem fingerschnipps.
Mag sein, daß die Punchline irgendwo im Text etwas verschwamm. Ursprünglich habe ich auch auf etwas völlig anderes gepostet. Nur schafft man es fast reflexartig mit Aussagen wie: "Das ist doch nur das Geseier von der juten alten Zeit.", meine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Denn solche Sätze decken solch absolut hohle Lobpreisungen von youtube/myspace. Wenn diese Angebote genutz würden, um in irgendeinem Entscheidungs- oder Auswahlprozess mal zu einem Ergebnis zu kommen, könnte ich deren Existenz klaglos akzeptieren. Allerdings scheint der überwiegende Nutzen dieser Angebote darin zu bestehen, Videos und Songs von minderwertiger Qualität zu sammeln, nur um damit die Festplatten in Jugendzimmern und Flashspeichern auf Handys zu füllen. Versteh mich hier nicht falsch: Ich will niemandem vorschreiben, was er zu tun hat. Von mir aus können sich die Leute den Kram Terrabyteweise auf ihre PCs schaufeln, aber bitte nicht diesen Scheiß so darstellen, als sei er die logische Fortführung oder gar die Lösung der Krise in der Musikindustrie. Dazu bedarf es einiges mehr. Wie gesagt, es gibt genug Bands, die genau wissen, warum sie noch bei Labels sind, obwohl das eine oder andere Bandmitglied u.U. technisch mehr drauf hat, als sein Ansprechpartner beim Label. Und, bei dem Weg: Ich werde richtig pissed, wenn man den Leuten, die durch ihre Arbeit verdammt vielen Leuten die eine oder andere schöne Stunde beschert haben, nicht ein Mindestmaß an Respekt erweist (siehe Lado) sondern hämisch dabeisteht und ihnen bescheinigt, daß sie ausgedient haben. Unter dem Deckmäntelchen des Popdiskurs locker aus der Hüfte schießen ist so verdammt einfach.
Ich stimme Dir,was das bedingungslose Einkommen betrifft, zu: Das wäre eine gute Möglichkeit, eine Kultur-Flat zu finanzieren - und zwar für die, die Kultur produzieren.
Nachdem ich mein ganzens (Erwachsenes-)Leben komplett der Musik gewidmet habe, sehe ich allerdings, daß durch den durch was für ein Geschafel auch immer schöngeredeten gigantischen Diebstahl das heute praktisch unmöglich wird. Wie darauf reagieren? Das was man meint, selbst zu brauchen ebenfalls klauen? Umsonst wohnen? Mit Waffengewalt einkaufen? Wenn Leute wie Du ernsthaft meinen, Musik zu machen und davon leben zu wollen sei "pervers" (vor allem, wenn man wie Adorno finanziell unabhängig ist - übrigens, ganz so vereinfachen sollte man Adorno bitte dann auch nicht! Seine Aussage geht dann doch in eine andere Richtung, als die von Dir mßbräuchlich verwendete Anststiftung zum Massendiebstahl), dann ist das ganz simpel Ausdruck eines völlig kulturlosen, durchgedrehten Zeitgeistes (und "der" Zeitgeist läßt vieles normal erscheinen, wovon kommende Generationen sich mit Grausen abwenden - das sollte auch Dir klar sein), der mir und mit mir einer kompletten Schicht die Lebensgrundlage entzieht. Da stehe ich manchmal wirklich kurz davor, gewalttätig zu werden.
Daß die Musikindustrie speziell von Seiten der großen Konzerne viele z.T. unverzeihliche Fehler gemacht wurde, ok.! aber warum muß ich als Musiker dafür bluten?
Denkt erst mal gründlich nach, bevor Ihr solch einen Schwachsinn ins Netz stelt, von wegen künstlerischer Freiheit, die Frage nach der Notwendigkeit eine Band aufzubauen- und schiebt nicht solche wohlfeilen Alibi-man-könnteSollte hinterher!
gomez
Nun ja, dass die meisten Konsumenten keinen Geschmack haben, was ihr Konsumgut betrifft, dass ist unzweifelhaft, aber das ist nunmal das Kreuz der Musik im Vergleich zu anderen konstruktiven Künsten, weil ihrer Omnipräsenz (und die ist durchaus selbstverschuldet, denn wo kann man denn noch hingehen, was kann man anschauen, ohne dass man mit organisierten Schallereignissen vollgeballert wird) sie gleichzeitig vom hohen Sockel der Besonderheit, des HOLY-SHIT!-Erlebnisses, herunterhebt. Letztens hörte ich im Radio "Fergalicious" von der-einen-da-wie-hieß-sie-noch, dachte "Geilomat" und kaufte das Album. Und was bekam ich? Beliebigkeit, Verarsche und ein mit Sicherheit miserables Album. Ich gebe viel mehr Geld für Musik aus, als es eigentlich gut für mich ist, aber in solchen Momenten frage ich mich, ob es denn wirklich notwendig ist, dass es soviel Musik gibt. Dass "Fergalicious" aus der Major-Kosmos stammt, ändert nichts an der Tatsache, dass das auch für die kleinen Labels gilt: Es gibt ZUVIEL Musik. Wenn ich Alben um Singels herumbaue, muss ich mich nicht wundern, wenn die Leute nur die Single haben wollen (und diese aus dem Netz ziehen, was ja locker flockig geht) und den Rest links liegen lassen. Letzten Endes ist es das Konzept der Single, dass die Musik tötet. Früher haben die Leute vermehrt 7"s gekauft, weil das billiger war. Wenn sie damals nichts dafür hätten bezahlen müssen, hätten sie auch nichts dafür bezahlt.
Es kann doch nicht so schwer sein, den grundsätzlich geizigen Geist einer kapitalistischen Gesellschaft anzuerkennen. Warum reagieren die Plattenfirmen so langsam darauf? Sollen sie doch keine CDs und LPs mehr pressen und die Musik für kleines Geld häppchenweise (mit DRM-Verfahren vor unerlaubter Vervielfältigung geschützt) übers Netz verticken. Wenn die Leute dann noch Silberlinge und Vinyl haben wollen, werden sie schon danach schreien. Interpreten, Produzenten und Vertriebe sollen endlich von ihrem buhu-*schluchts*-früher-war-alles-besser-Ross runterkommen und ihr Geschick selbst in die Hand nehmen, sonst sind sie ratzfatz weg vom Fenster.
Was den Respekt betrifft: Ich denke, ich habe Labels wie L'age D'or und Harvest und wie der ganze Scheiß noch heißt genug Respekt erwiesen, in dem ich ihnen monatlich immer wieder Euro nach Euro in den Rachen werfe. Ich finde es richtig, dass ein Künstler für sein Werk auch entlohnt wird, aber gleichzeitig sehe ich nicht ein, dass ich vor ihnen auf Knien herumrutschen muss und ihnen die Füße küsse, dafür, dass sie einfach nur Musik machen. Ich kenne viele Leute, die an der Musik, die ich mache auch Freude haben und erwarte von ihnen nicht, dass sie mich wie einen Gott behandeln.
Ich muß Dir aber sicher nicht erklären, daß ich unter Respekt nicht verstehe, irgendwen zu vergöttern, nur weil er Musik macht. Die Musiker, die ich kenne, würden sich totlachen, würde man ihnen so gegenübertreten. Aber den Abgesang eines verdienten Indielabels mit "Gottseisgetrommelt" zu kommentieren, ist schlechter Stil. Ob man deren Veröffentlichungen mag oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Letzten Endes haben aber die Betreiber in ihrem Leben (vermutlich) mehr auf die Kette gekriegt als man selbst. Auch wenn sie gerade pleite gehen. Und jemandem, der gerade 'ne richtig schlechte Zeit hat, solche Sprüche mitzugeben, nur weil man mit Tocotronic oder Robocop Kraus nix anfangen kann, sollte unter unserem Niveau bleiben.
a) 300 verkaufte CDs - das verkauft jede DIY-Band - 5 Musiker müssen nur allen 60 Freunden so ne CD aufs Auge drücken - wenn man bei nem Label ne Band hat, die nicht mal 300 CDs verkaufen kann, muss man sich fragen, wer sowas dann signed - das hat garnix mit Pop, Kunst oder Kommerz zu tun ...
b) Wenn der Vertrieb unter 3000er Auflage garnicht arbeiten will, ist die Frage, warum man dann damit in den Vertrieb geht - für 300 CDs brauchts keinen Vertrieb - warum also machen es die Indies? Genau, weil sie wieder so arbeiten wie die bösen Majors, wenn auch unbewusst - die meisten Indie-Labels hängen nämlich an Majorvertriebswegen - eine Farce eigentlich - und in den jetzigen Zeiten kein Wettbewerbsvorteil ...
c) Im Artikel werden von 20.000 Euro für Porto gelabert - und zeitgleich von 12 CD-Veröffentlichungen im Jahr - demnach hat jede CD ein Promo-Bemusterungs-Budget von 1666,- für Porto - selbst bei angenommenen 1,45 Euro pro Paket (Infopost ist aber billiger) sind das ca. 1150 CD-Pakete - an wen schicken die denn das? vielleicht sollte man da mal Geld einsparen, bei für Indie relevanten 60-70 Radiosendern und 150 Magezinen plus sonstiges - da kann man ja 2/3 von dem Portobudget direkt einsparen, mal von den damit nicht gerechneten CDs die in so nem Paket auch stecken, die ja auch nen flotten Euro in der Herstellung verschlungen haben werden ...
4. Den schwarzen Peter an den Konsumenten zu schieben war noch nie gut - man muss sich immer an der eigenen Nase packen und sagen: wie kann ich arbeiten, damit's sich rechnet - für mich, für die Band und den Konsumenten ... und da ist weder 16,- Euro für nen Tonträger noch 10 Euro für ein Downloadalbum oder 99 Cent pro Song gerechtfertigt - und was macht der Indie - er macht trotzdem mit - Indieplatten sind im Laden teurer als Majorplatten, und bei iTunes gammeln sie zu den gleichen Preisen wie die hochdotierten Majors rum - sucht der Indie eine Alternative? Nein - also ist er auch nicht besser als der böse Major - im Gegenteil, er ist schlechter, weil der Major genug Kapital hat, um einen Flop zu verkraften - ein Indie label ist bereits mit einem Flop am Existensminimum ... zwingt ja niemanden, ein Indielabel aufzumachen - wenn man das aber macht, hilft schimpfen nix, sondern sich seiner Lage bewusst sein, damit umgehen, und das beste draus machen ...
Zugegeben - Indies kommen auf Ideen - z.B. Social Networking - also myspace - geil, da promoten wir musik, und das kostet nichts - anfangs belächelt, inzwischen hat sich dort die normalität des musikmarktes eingestellt, denn o wunder - die majors sitzen auch hier wieder - und wo der Indie stolz auf seine 5000 views ist, kommt der Major und hat 200.000 - was macht der Indie? nix, er glaubt weiterhin an das Märchen, dass die Arctic Monkeys durch MySpace gross geworden sind und nicht durch Majorbudgets (als die rauskamen, prangten in ganz England soviel Plakate, dass man damit wohl 2x um den Mond gekommen wäre) ... er glaubt weiterhin, dass myspace-views etc. relevant sind für ihn oder mehr noch, dass das eine Indie-Plattform ist - genau, deswegen kriegen ja die Majorbands dort extrawürste und haben automatische friend-adder oder mehr als 4 Songs im Profil ;-)
5. Die Indielabels schimpfen soviel auf Musikmarkt und Majors und merken dabei selbst nicht, dass sie selbst viel schlimmer sind - aber in der "Indiementalität" wird vieles mit der Rosa-Pop-Brille gesehen - erst merkt man nicht, dass man genauso arbeitet, wie sein schlimmster Feind - dann macht man aber noch den 2. Fehler und meint, sich dem Kommerz verschließen zu müssen - und Majorstruktur ohne Kapital geht halt nicht ... man setzt sich in den Majorvertrieb, deren Außendienst grad mal dafür sorgt, dass die CD von irgendwelchen Shops geordert wird und im Regal vergammelt, weil groß beworben wird ja nicht, weil die 2 CDs, die der Laden davon verkauft, interessieren ja nicht ...
Die ganze Indielabel-Szene ist sowas von selbst schuld - ich weiß das, ich hab ein Indielabel, ich komm damit über die Runden und habe wenig Mitleid mit Labelmitstreitern, die vor lauter Selbstgefälligkeit nicht merken, wie falsch sie eigentlich arbeiten ... aber bei Labels wie bei Bands gilt: Niemand zwingt irgendwen, in diese Branche zu gehen ... aber wer scheitert, kann das nicht auf die Branche schieben ... sonst gäbe es ja gar keine Labels oder Bands mehr - es gibt halt wie in vielen Bereichen einfach Leute, die meinen ohne Arbeit und ohne Ahnung erfolgreich zu sein ... und das gibt's halt nicht - denn auf Erfolg kannst Du nicht hinarbeiten, Erfolg kannst Du nur verhindern - und die meisten Bands und Labels die ich kenne (und das sind viel zu viele) stehen sich schlichtweg selbst im Weg rum ...








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18.03.2007 - 19:10 Uhr
florentinus