18.03.2007 - 19:00 Uhr

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"Konzerte kann man nicht kopieren"

Text: max-scharnigg

Die Krise in der Plattenindustrie fängt an, eine ganze Szene zu bedrohen. Anfang dieses Jahres schrammte das Hamburger Vorzeige-Plattelabel „L’age D’or“ ganz knapp an einer Insolvenz vorbei, die Kollegen von „Grand Hotel van Cleef“ fahren einen strikten Sparkurs und werden ihre Aktivitäten stark einschränken. Das dritte Hamburger Indie-Label ist „tapete records“ – Mitgründer Gunther Buskies erklärt die Situation.


Das Gespräch gehört in die Reihe der Interviews auf der jetzt.de-Zeitungsseite zum Thema "Digitale Musik". Auf der Seite, die am Montag in der Süddeutschen Zeitung erscheint, kommt außer Gunther Buskies der Harvard-Professor Felix Oberholzer-Gee zu Wort, der die Wirkung von Tauschbörsen auf die Musikindustrie untersucht hat. Jochen Strube von der TU Darmstadt erklärt, warum 99 Cent für einen Song im Netz zu teuer sind und Till Kreutzer erklärt die rechtlichen Rahmenbedingungen der Musik im Netz.

Die Lage ist schlecht, gibt’s eine Lösung? Wir haben bei Tapete relativ früh das Booking unserer Bands übernommen, ein Schritt den auch das Grand Hotel und andere kleines Labels jetzt angehen.
Erklär’ das kurz. Es gibt drei Bereiche, mit denen man im Musikgeschäft Geld verdienen kann: Klassisch als Label mit verkauften Platten. Dann als Musikverlag, der Rechte besitzt und verdient, wenn zum Beispiel ein Lied im Radio gespielt wird. Und drittens als Booking-Agentur, die Konzerte für Bands vermittelt und Prozente von der Gage kriegt. Die letzten beiden sind recht risikoarm, als Booker musst du mehr oder weniger nur am Telefon sitzen und Konzerte klarmachen. Die Leute kaufen weniger Platten, gehen aber trotzdem noch zu Konzerten? Sie kaufen fast gar keine Platten mehr, der Großteil unserer Bands pendelt zwischen 300 und 3000 verkauften Platten. Aber die Konzerte sind voll. Wir wissen genau, wie wenige Platten in einer Stadt verkauft wurden und dann stehen da viermal so viele Menschen und singen jedes Lied mit, woher können sie das? Von gebrannten CDs? Ja. Ich habe früher auch LPs auf Kassetten kopiert, aber das war ein gewisser Aufwand und bei weitem nicht so einfach wie auf Knopfdruck zehn Kopien von einer Platte zu machen. Ein Konzert ist als Event aber eben nicht kopierbar. Das Problem von Musik ist heute einfach, dass sie im Gegensatz zu Turnschuhen digital reproduzierbar ist. Bei einem Indie-Label denkt man doch, die Leute würden Wert auf eine richtige Platte mit Cover und Booklet legen. Wir bekommen schon Zuspruch, die Leute kaufen die Platten in unserem Online-Store und schreiben, dass sie nicht den Media-Markt unterstützen möchten.Den großen Plattenfirmen brechen die Verkäufe ja noch schlimmer ein als uns, so eine Compilation wie Bravo-Hits verkauft heute sicherlich nur noch einen Bruchteil vonfrüher. Tapete hat viele kleine deutsche Bands unter Vertrag, wie rechnet sich das? Jede Band wird bei uns sehr realistisch kalkuliert, es gibt keine Versprechen, die nicht gehalten werden können, keine Riesendeals. Die Bands bekommen einen Vorschuss, um die Platte zu produzieren. Dann pressen wir eine realistische Auflage, sagen wir mal 2000 Platten. Davon werden manchmal nur 300 verkauft und wir sitzen auf dem Rest. Wir verlieren bei den meisten Veröffentlichungen Geld. Konzept war aber immer: Platten machen, die wir selber gerne hätten. Was kostet euch eine CD? Ein Euro pro Fertigung der CD mit Booklet, dann muss für jede gepresste Platte noch ein Euro an die GEMA bezahlt werden, dann noch Künstlerlizenzen, Vertriebskosten und Handelsmarge und unser Team im Label arbeitet einen Monat lang dafür. Porto ist auch ein großer Posten, über 20.000 Euro im Jahr – aber wir müssen ja Radios und DJ's bemustern um die Chance zu haben, einem Publikum bekannt zu werden. Man kann sich also ausrechnen, dass es ein risikoreiches Geschäft ist. Wenn es schlecht läuft, verlieren wir 5000 Euro pro Album. Eine der Bands die ihr aufgebaut habt ist Anajo, die mit ihrem neuen Album sogar in den Charts war - was bedeutet das? Fast nichts mehr. Man muss sich vorstellen, in die Single-Charts kann man mit unter 200 verkaufter Stückzahl pro Woche einsteigen. Mit 5000 verkauften Platten ist laut GFK schon Platz 10 der Albumcharts drin. Anajo waren Platz 51, die Verkäufe der ersten Woche waren ein wenig enttäuschend, wenn man bedenkt wie präsent die waren, wie gut das Album ist und wie wir vom Vorgänger verkauft haben. Hat das Prinzip „Platte“ ausgedient? Mein Partner Dirk Darmstaedter hat mal prophezeit, dass es bald dahin kommen wird, dass eine CD-Veröffentlichung nur noch wie eine Setcard für einen Schauspieler ist. Eine Berechtigung zum Touren. Mit dem reinen Tonträgergeschäft können heute weder die Firmen noch die Künstler ein Auskommen haben. Würden die Lieder nur in digitaler Form vorliegen, sparte das Label enorm an Produktionskosten. Grand Hotel auf Sparflamme, Lado nahezu fertig, wie geht's bei Tapete weiter? Weiterhin mit zwölf Platten im Jahr, aber nach fünf Jahren Selbstausbeutung schwinden Kraft und finanzielle Reserven. Immerhin: wir konnten unsere beiden Auszubildenden anstellen. Irgendwie geht’s, schlimmer ist die Frustration. Worüber? Dass alles nicht zählt, wir nicht vorkommen. Jeder drittklassige Buchautor wird heute in eine Talkshow eingeladen, die Filmkultur wird jedes Jahr mit Millionen subventioniert. Um die Popmusikkultur kümmert sich eigentlich niemand. Eine Stadt wie Hamburg hat in einer Marketingforschung herausgefunden, dass junge Menschen bundesweit vor allem an Musik denken, wenn sie Hamburg hören. Wir sind ein Imagegewinn, deswegen habe ich vorgeschlagen, dass die Stadt dafür unsere Portokosten übernimmt. Wurde abgelehnt.
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florentinus
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Mag ich Mag ich nicht

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18.03.2007 - 19:10 Uhr
florentinus

ich denke, dass das althergebrachte argument pro file-sharing "wer sich die lieder brennt, kauft auch die platten, wenn sie ihm gefallen" mit diesen zahlen endgültig widerlegt ist. das traditionelle albumgeschäft wird sich höchstens noch ein paar wenige jahre halten, dann ist endgültig schluss damit.

redsmoke
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Mag ich Mag ich nicht

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18.03.2007 - 19:52 Uhr
redsmoke

Und wie kommt es, dass ein Newcomer wie der Neu-Berliner Rapper Chakuza letztes Jahr aus dem Nichts heraus von seinem Streetalbum "Suchen & Zerstören" 15.000 Stück verkauft hat? Ohne Promo, Werbung, ohne Marketingbudget etc?

Die Bands (aller Genres) müssen einfach wieder ihren Arsch hochkriegen, sich um ihre Fans kümmern und das "Künstlerdasein" nicht nur als Berufung, sondern auch aus Beruf ansehen. Means: Arbeiten! Dann klappt's auch mit der Kohle... So. Jetzt schön kontra bitte :-)

A1RD9C
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Mag ich Mag ich nicht

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18.03.2007 - 20:27 Uhr
A1RD9C

ich denke zwar dass bei IndieLabels/ Bands der Verlust durch gebrannte Cds höher ist als bei Normalen Labels aber zum teil liegts auch einfach an den Bands die entweder nicht gut genug promoted wurden / sie einfach keine Sau kennt / sie innerhald des Indie-sub-mainstream (denn ja oh wunder Indie ist mittlerweile auch Mainstream also Verkaufstechnisch ) einfach zu oft zu gleich klingen
ich mein ich bin sowas wie n Orginal Cd Fetischist bin im indiebereich für Tomte / Kante zu haben und hab auch alle Cds als Fan

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Mag ich Mag ich nicht

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18.03.2007 - 20:29 Uhr
A1RD9C

vllt is das nicht nur ne Kaufflaute wegen dem Gebrenne sondern weil vllt einfach ne Marktsättigung stattgefunden hat und sowas passiert im Digitalen Markt viel eher als bei "normalen" Gebrauchsgütern

karrren
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19.03.2007 - 00:11 Uhr
karrren

tocotronic bei universal kaufen is doch scheiße!!

http://www.mediabiz.de/newsvoll.afp?Nnr=...

TheMagnificentOne
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Mag ich Mag ich nicht

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19.03.2007 - 00:35 Uhr
TheMagnificentOne

Kommt mir bekannt vor. Ich denke mir oft: Wenn ich schon nicht so viel Kohle habe, um mir alle Platten zu kaufen, die mir gefallen, dann gehe ich lieber auf Konzerte für 5-10 Euro in der Gegend und erlebe noch etwas. Für besondere Konzerte spare ich. 1-2 CDs leiste ich mir im Monat. Inzwischen nehme ich auch oft Vorlieb mit den mp3s, die die Künstler und Labels auf ihren Internetseiten verschenken.

bulle
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19.03.2007 - 09:31 Uhr
bulle

ich kaufe weiter cd´s und platten weil mir die qualität mehr taugt ausserdem will ich spezials und booklet und den kram.wenn mir der sound die paar kröten nicht wert ist brauch ich ihn eh nicht. wenn ich das album nicht durchhören kann und nur einzelne song gefallen brauch ichs auch nicht. punkt

TBA
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Mag ich Mag ich nicht

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19.03.2007 - 11:15 Uhr
TBA

Ich denke, dass die Plattenindustrie teilweise an der Situation schuld ist, da die Single-raushau-Methode über Jahre angewendet wurde und somit das Verständnis für eine CD als Gesamtwerk verloren gegangen ist. Wenn man von einer Band nur die Single haben will braucht man sich nicht das Album kaufen. Also lädt man sich den Song herunter. Wenn hingegen die komplette CD gut ist und auch als komplette CD (und nicht nur mit der Single als Repräsentant) promoted wird, denke ich dass sich viele Leute doch die CD kaufen würden.

autos_als_waffen_und_erde_als_gift
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19.03.2007 - 13:46 Uhr
autos_als_waffen_und_…

karrren: warum?

_gk
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Mag ich Mag ich nicht

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19.03.2007 - 14:56 Uhr
_gk

Mal ganz ehrlich, diese ganzen Beteuerungen nutzen nichts: Niemand kauft sich heute mehr CDs. Meine Schwester hat noch eine ganze Sammlung. Ich habe bisher insgesamt etwas mehr 30€ für Musik ausgegeben, wobei ich auch kein großes Interesse daran habe. Bei meinen Altersgenossen (~18) besitzt auch kaum wer noch CDs.

Dieses Konzept der Musikindustrie hat einfach ausgedient. In einer digitalen Welt kann ich nicht mit analogen Verkaufsmechanismen arbeiten. Das muss scheitern. Und da Alternativen entweder miserabel sind (wer bezahlt für ein Lied knapp 1€, zumal es auch noch mit irgendwelchen repressiven Maßnahmen vollgestopft ist?) oder schlicht nicht existieren bzw. zu spät angeboten wurden, scheint die Entwicklung vorgezeichnet zu sein. Die einzigen, die jetzt noch im nennenswerten Maßstab CDs kaufen, das sind die, die damit noch etwas emotionales verbinden. In ein paar Jahren ist auch damit schluss.

Und ich finde die Entwicklung gut. Hier wurde schon Adorno angeführt; es ist pervers Musik industriell herzustellen. Der mangelnde CD-Verkauf hat insofern damit etwas zu tun, weil er mit Individualisierungstendenzen zusammenhängt. Heute kann ich mir bei Tonspion Musik herunterladen, bei Myspace nach neuer suchen und bei Youtube zugehörige Videos ansehen.

Das ist grandios, denn das bedeutet vor allem künsterlerische Freiheit, daneben aber auch Datenfreiheit, quasi die Kultur-Flat. Demnach kann man diese gräßlich niedrigen CD-Verkäufe nur gut finden: Sie sind die Vorboten der in ihrer Bedeutung dem Buchdruck ähnlichen Musikrevolution!

Labels haben sowieso in ihrer alten Form ausgedient.

[Klar, das hat auch negative Seiten (Leben aufgrund der Musik schwieriger möglich, ohne finanzielle Unterstützung durch ein Label Aufbau einer Band schwierig, wobei sich auch die Frage stellt, ob so ein Aufbau überhaupt notwendig ist) , die man im Übrigen durch ein bedingungsloses Grundeinkommen ausbügeln könnte]

VaginaDentata
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19.03.2007 - 15:52 Uhr
VaginaDentata

DIY
so muss es sein

mr_mulilo
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19.03.2007 - 17:31 Uhr
mr_mulilo

_gk
Altes, aber hannebüchenes "Argument".
Wenn die Mucke so scheiße ist....warum zum Henker saugen alle (Du doch wohl auch) wie verrückt die Lieder???

_gk
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19.03.2007 - 18:04 Uhr
_gk

Nö, ich sauge nicht. Ich habe eine Band, die ich mag, deren Alben habe ich gekauft, weil ich die einfach finanziell unterstüzen will.

Außerdem war mein Argument nicht, dass die Lieder scheiße sind, sondern dass ein strukturelles Problem vorliegt. Daneben: Es ist schon etwas anderes ob ich, kurz bevor ich aufs Klo gehe, ein Lied mit einem Knopfdruck herunterlade oder ob ich Geld dafür bezahlen muss. Was ich auch für wichtig halte: Jugendliche haben mittlerweile andere Prioritäten, Musik ist angesichts von Handy nicht mehr so wichtig, da lädt man die Stücke halt herunter. [Aber du hast schon recht, prinzipiell ist das Argument irgendwo schwach...]

partoftheproblem
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Mag ich Mag ich nicht

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19.03.2007 - 18:07 Uhr
partoftheproblem

Hey _gk,
Und was glaubst Du, wieviel Musik wirst Du Dir zukünftig bei Tonspion kostenlos herunterladen können, wieviele Musikvideos bei Youtube ansehen können, wenn das ganze nicht von einer perversen Musikindustrie vorfinanziert wurde? Die Bands, die ich bislang kennengelernt habe, hatten aus eigener Tasche meist gerade genug, um sich neue Bass Saiten zu kaufen (Und ja, ich weiß, daß das überspitzt formuliert ist). Außerdem wird doch viel zu sehr außer acht gelassen, daß viele Musiker überhaupt keinen Bock haben, sich um den administrativen Part ihrer Musik zu kümmern. Da gibt es, wie überall, Ausnahmen. Aber warum glaubtst Du, suchen sich noch so viele junger, neuer Bands ein Label? Eben weil sie nicht selbst über die Kontakte zum Presswerk, zum Booker, zu den Vertrieben, zur Presse, etc... verfügen. Machte man das alles selbst, wäre es ein Fulltime Job. Nee, da wird es 'nen Mittelweg geben müssen. Ich weiß selbst nicht, wie der aussehen wird, aber die komplette Selbstvermarktung durch Musiker sehe ich genausowenig, wie den profitablen Betrieb eines Labels. Würde man diese "Individualisierungstendenz" zu Ende denken, spielen Bands in ein paar Jahren nur noch im Proberaum und auf myspace. Ohne Leute, die das ganze irgendwie in Bahnen lenken, die den Überblick wahren, wird es auch in Zukunft nicht gehen. Ob die jetzt von innerhalb der Band oder von einem Label kommen ist dabei völlig schnuppe. Nur, wie gesagt, bei vielen Bands fehlt dieser jemand aus den eigenen Reihen.

MPC60
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19.03.2007 - 19:46 Uhr
MPC60

Das ist doch nur das Geseier von der juten alten Zeit. Dabei war schon das Tonband als "Musikvernichter" gebranntmarkt worden, bevor an digitale Musik, ja überhaupt an Heimcomputer zum Abspielen und Austauschen derselben nur gedacht wurde. Dass Labels wie Lado den Bach runtergehen, scheint mir doch eher damit einherzugehen, dass die Zeit von "Es ist mir egal, aber..." und Seattle-Jörg (Gott sei's getrommelt und gepfiffen) entgültig vorbei ist. Außerdem: Wenn man Musik des Geldes wegen macht, dann bitte für den Allgemeinkonsumenten. Gebrauchsmusik ist eine Ware und diese wird auch weiterhin - da sorgen die Majors, MTV und Co. schon für - entlohnt werden. Wer jedoch sein Werk als Kunst betrachtet, handelt grob fahrlässig, wenn er meint, er könne damit das große Geld machen. (Und man erzähle mir hier jetzt bitte nichts von Band wie den Smiths, oder so - das WAR Pop, nicht Kunst. Pop kann durchaus Gefühl und Tiefgang haben, sie müssen nur massenkompatibel verpackt sein.) Und gleichzeitig haben Bands wie Kettcar, Sport, Olli Schulz und der Hund Kowalski und wie sie alle (auch international) heißen eines gemeinsam: Sie sind vielleicht individuell, aber sie eröffnen keinen neuen Horizont und obgleich sie ihr Handwerk verstehen, sind sie doch nur ein Tropfen im Ozean des sämigen Breis der Musikgeschichte.
Oder ander gefragt: Brauchen wir denn WIRKLICH so viele Bands, um doch nur wieder das immergleiche zu bekommen? Vermutlich ja, aber verschwinden werden traditionellen Wege der Verteilung in der Mehrheit trotz allem. Das ist auf dem Weg und nicht mehr aufzuhalten und die Welt wird daran nicht zugrunde gehen.

Um mit Fischmob zu sprechen:

"Was macht F. R. David eigentlich heut'?"

partoftheproblem
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19.03.2007 - 20:34 Uhr
partoftheproblem

Warum wird in solchen Debatten oft direkt so schwarz-weiß gemalt? Als sei das große Lager der Musikschaffenden irgendwie durch einen flotten Pinselstrich in Hehre Künstler und Diener des Major-Moloch zu unterteilen. Was die "Gebrauchsmusik" angeht, kann ich Dir sogar weitestgehend zustimmen. Oft genug sind diese Künstler (?) und Songs von Anfang bis Ende durchdacht. Und das Schlimme ist: Selbst wenn jemand aus der Major League sich plötzlich auf seine künstlerischen Ambitionen besinnt (z.B. Joss Stone), mag man es ihr selbst beim besten Willen nicht mehr abnehmen. Allein das angeblich ihre neue Haarfarbe zum Vermarktungsproblem werden soll, sollte Zeichen genug sein, daß ebendiese "Künstler" sich weit außerhalb dessen bewegen, worüber wir hier reden. Trotzdem: Auch weit unterhalb dieser Einkommensgrenze gibt es tausende von Bands, die froh wären, wenn sie nichts drauflegen müßten, um ihre 'Kunst' der Welt zu präsentieren. Eigentlich ist die Frage ob Kunst oder Pop (Wo wird da die Grenze gezogen?) auch völlig obsolet, solange sich ein erklerklicher Haufen Leute dafür interessiert.
Und...ja, unter den hundert neuen Indie-Bands, die Monat für Monat durch die Gazetten getrieben werden, ist auch immer wieder mal eine, für die es sich gelohnt hat zu suchen. Nur wird nur der Haufen Scheiße, durch den man sich wühlen muß von Monat zu Monat größer. Und nö, 99% dessen brauchen wir wirklich nicht. Aber wer soll Dir denn die Arbeit abnehmen herauszufinden, welches verbleibende 1% das ist, das Dir den neuen Horizont öffnet? Als sei die komplette Abschaffung alter Strukturen gleichzeitig ein Garant für einen Qualitätssprung. Du hast völlig Recht. Dieser Prozess ist nicht mehr umkehrbar. Und ich sage auch gar nicht, daß ich die Entwicklung schlecht finde. Es wird sich einiges verschieben. Einige Leute werden sich neue Jobs suchen. Insgesamt wird die Zahl der in der Musikindustrie Beschäftigten halt zurückgehen. Alteingesessene Firmen schließen, dafür neue aufmachen. Was sollte uns besser dastehen lassen, als den gemeinen Stahlkocher? Was mich nur unglaublich ankotzt ist dieser Tenor in einigen Beiträgen (nicht nur in diesem Forum), daß die böse Musikindustrie das schon lange mal verdient hat und die Künstler sich letztendlich aus einem Joch befreien können, jetzt, da ihnen das passende Werkzeug an die Hand gegeben wurde. 5000 MySpace Freunde garantieren eben trotzdem noch keine erfolgreiche Europa Tour.

MPC60
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Mag ich Mag ich nicht

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19.03.2007 - 20:56 Uhr
MPC60

Kunst ist ihrer Rezeption verpflichtet, deswegen ist AN SICH die Trennung von Kunst und Pop völliger Käse, das ist wohl wahr. Aber da der Rezipient immer ein pawlowscher Köter ist, erklärt sich auch, warum mir eine Joss Stone (die zweifelsohne eine nette Stimme hat) vorerst mal nicht ins Haus kommt. Auf der anderen Seite wüsste ich nicht, warum ich als Konsument ein Plattenlabel benötigen würde, um aus dem Sud von pulscode-moduliertem Tonschmadder meine Favoriten herauszupicken. Was noch hinzu kommt: Wer sagt denn eigentlich, dass Musik so unverzichtbar sei? Ich muss dabei an den seeligen Bill Drummond denken, der hier ja noch vor kurzem in die Mangel genommen wurde und dessen Tag-ohne-Musik mir als eines der vernünftigsten Konzepte der letzten Zeit erscheint. Versteh' mich nicht falsch: Ich liebe Musik mehr als fast alles andere, aber ich glaube, dass die ständige Verfügbarkeit ihrer nicht nur zu der obigen Beliebigkeit führt (obschon ich auch Freude an einem absolut beliebigen und eiskalt durchdachten Popsong finden kann - the heart she makes her own rules), sondern dass sich das ganze Treiben nach Erfüllung immer mehr selbst annihiliert, so wie viele übereinander geschichtete Sinus-Wellen irgendwann weißes Rauschen ergeben.
Was ich damit sagen will: Ich glaube fest daran, dass dieses Vergehen von manchen musikalischen Phänomenen ein natürlicher Gesundungsprozess ist. Wenn dabei die achso bösen Kakapipiarschsäcke von der Musakindustrie eins vor den Latz kriegen, gehört das vielleicht dazu, ist der Musik selbst aber vermutlich egal.

partoftheproblem
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19.03.2007 - 21:48 Uhr
partoftheproblem

Ich habe auch mit keinem Wort gesagt, daß Du für Deine Auswahl ein Label brauchst. Wer letzendlich die Arbeit leistet, Dir einen Happen aus seinem Oeuvre zu präsentieren; ob derjenige ein fleißiger zweiter Gitarrist einer Band ist, oder der Typ vom Label; kann Dir völlig egal sein. Ist es mir als eiskalter Konsument letztendlich auch. Habe es eventuell etwas mißverständlich formuliert, aber letztendlich wollte ich damit sagen, daß es Dir eben NIEMAND abnehmen kann, Dir die Perlen selbst herauszusuchen. Nur wird sich daran durch andere Vertriebswege nicht die Bohne ändern. Die Frage, ob wir WIRKLICH so viele Bands brauchen, kam von Dir. Ich denke halt: ja! Letztendlich finde ich immer noch selbst am liebsten raus, was mir gefällt und was nicht. Und das ist die Kehrseite der schönen neuen Welt. Jeder kann seinen Schmollonz für Nüsse oder noch weniger der Welt präsentieren. Also jammer nicht, Welt, Du hast es so gewollt. Ganz ehrlich Leute, sich zu freuen, daß man auf youtube irgendein pixeliges Video für lau sehen kann, daß man auf myspace einen Song eines eventuell richtig tollen Albums umsonst bekommt und es dabei bewenden läßt, ist armselig. Das ist wie mit fünf Tüten über die Frankfurter Buchmesse zu hetzen, zwölf Kilo Prospekte mitzuschleppen und nicht eines der beworbenen Bücher zu lesen. Aber macht, was ihr wollt. Um auf die "Notwendigkeit" eines Labels zurückzukommen: Es gibt halt viele Bands, die sich die "Drecksarbeit" gerne abnehmen lassen, weil sie selbst keinen Bock auf GEMA, GVL, Sendegenehmigungen, etc... haben. Und diese Arbeit kostet einfach auch Geld. Sich als Konsument oder gar "Fan" einer Band hinzustellen und zu sagen: "Hey, ich finde den Preis für eure CDs zu hoch, da lade ich sie mir doch lieber aus dem Netz." , wo sich die Adressaten ihres Fanseins dafür entschieden haben, ebendiesen Weg zu gehen, finde ich, gelinde gesagt, vermessen. Ich habe einfach ein generelles Problem damit, wenn aus nicht eruierbaren Gründen gesagt wird: Dieses Produkt ist zu teuer. Ist es eben nicht, nie gewesen. Zumindest nicht in den Kreisen derer, die gerade mal ein paar tausend davon verkauft haben. Das ein unabhängiges (höhö) Label mit einem relativ etablierten Künstler u.U. auch das Debutalbum eben der Band mitfinanzieren muß, in das es alle Hoffnung setzt, und das nur weil einen diese Musik auf ebendiese unerklärliche Weise berührt, daß man sagt: Die MÜSSEN wir machen, bleibt vielen einfach verborgen. Was sie nicht davon abhält, eine schlechte Meinung über Labels im allgemeinen zu haben und sie als die Wurzel allen Übels darzustellen.

Das ich nicht mehr diese persönliche Bindung zur einzelnen Platte schaffe, beobachte ich an mir selbst. Das ist in der Tat traurig. Aber andererseits möchte ich auch nicht mehr in die Situation zurückversetzt werden, einen Monat mein Taschengeld zu sparen, um mir eine MC zu kaufen. Lemmy wird's vermutlich egal sein....

MPC60
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Mag ich Mag ich nicht

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19.03.2007 - 22:35 Uhr
MPC60

Um ehrlich zu sein, sehe ich die Punchline Deiner Aussage nicht.

rocknrollwhore
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19.03.2007 - 22:48 Uhr
rocknrollwhore

keine musik mehr auf cd's? klar...laden wir uns einfach nur noch musikstücke aus der großen, virtuellen welt runter. und dann: dann schaffen wir auch die realen musikgruppen ab - sind ja eh völlig überbewertet. lassen wir doch einfach nur noch "bands" auftreten, die es machen wie die gorillaz. ach nein, auftreten wäre ja auch falsch. am besten, es gibt nur noch aufgezeichnete videos, in denen "bands" von animiertem zeichentrickpublikum in virtuellen clubs stehen und diese videos gibt es dann als dowlnload. Ja, das ist gut. so wird's gemacht.

nauka
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19.03.2007 - 22:49 Uhr
nauka

seine musik selbst an den mann zu bringen ist in der tat ein fulltime job. und die kosten, die herr buskies angeführt hat, hat man auch dann, wenn man es selbst herausbringt. ich frage mich, wie ein berliner rapper also in der lage ist, 15.000 scheiben zu verkaufen. das wären an die 30.000 euro produktionskosten im vorfeld, nur für die pressung, das cover und dann noch die gema, von der man wahrscheinlich nie mehr was sehen wird. ein namhafter vertrieb verlangt eine mindestauflage von 3.000 cd's. wenn man möchte, dass das ganze noch beworben und beim händler plaziert wird, kostet das noch mal extra. das ist mit einem hohen finanziellen risiko verbunden, denn das man die 3.000 verkauft, ist fraglich. das geld muss man erstmal haben. als freiberuflicher musiker kann man froh sein, wenn man von der bank überhaupt eine ec-karte kriegt, geschweige denn einen kredit, um ein projekt zu finanzieren. ohne eigenkapital geht also erstmal nichts. man kann natürlich viel selber basteln und versuchen, eine kleinstauflage bei konzerten zu verkaufen, aber leben kann man davon nicht. und selbst wenn man eine webseite mit einem shop einrichtet, das kostet ebenfalls geld und viel viel zeit. wenn man jemand findet, der gewillt ist, sich um den ganzen organisationskram zu kümmern, damit man sich auf's musikmachen konzentrieren kann, will der ja auch bezahlt sein. und der steuerberater, den man braucht, weil man ja mehrwertsteuer einnimmt und einkommenssteuerpflichtig ist, kostet auch noch mal an die 700 euro. wenn man sich an einen verlag bindet, um einen vorschuss für die produktion zu kriegen, ist man auf jahre auf gedeih und verderb an diesen gebunden, bis der vorschuss durch gema-einnahmen gedeckt ist, was vielleicht nie der fall sein wird.

wenn ich dann also sowas lese wie 'musiker, kriegt euren arsch hoch und macht es einfach selbst' schwillt mir echt der kamm. das macht sich nicht mal eben so mit einem fingerschnipps.

partoftheproblem
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19.03.2007 - 23:32 Uhr
partoftheproblem

@MPC 60
Mag sein, daß die Punchline irgendwo im Text etwas verschwamm. Ursprünglich habe ich auch auf etwas völlig anderes gepostet. Nur schafft man es fast reflexartig mit Aussagen wie: "Das ist doch nur das Geseier von der juten alten Zeit.", meine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Denn solche Sätze decken solch absolut hohle Lobpreisungen von youtube/myspace. Wenn diese Angebote genutz würden, um in irgendeinem Entscheidungs- oder Auswahlprozess mal zu einem Ergebnis zu kommen, könnte ich deren Existenz klaglos akzeptieren. Allerdings scheint der überwiegende Nutzen dieser Angebote darin zu bestehen, Videos und Songs von minderwertiger Qualität zu sammeln, nur um damit die Festplatten in Jugendzimmern und Flashspeichern auf Handys zu füllen. Versteh mich hier nicht falsch: Ich will niemandem vorschreiben, was er zu tun hat. Von mir aus können sich die Leute den Kram Terrabyteweise auf ihre PCs schaufeln, aber bitte nicht diesen Scheiß so darstellen, als sei er die logische Fortführung oder gar die Lösung der Krise in der Musikindustrie. Dazu bedarf es einiges mehr. Wie gesagt, es gibt genug Bands, die genau wissen, warum sie noch bei Labels sind, obwohl das eine oder andere Bandmitglied u.U. technisch mehr drauf hat, als sein Ansprechpartner beim Label. Und, bei dem Weg: Ich werde richtig pissed, wenn man den Leuten, die durch ihre Arbeit verdammt vielen Leuten die eine oder andere schöne Stunde beschert haben, nicht ein Mindestmaß an Respekt erweist (siehe Lado) sondern hämisch dabeisteht und ihnen bescheinigt, daß sie ausgedient haben. Unter dem Deckmäntelchen des Popdiskurs locker aus der Hüfte schießen ist so verdammt einfach.

gometh
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20.03.2007 - 12:23 Uhr
gometh

@gk.
Ich stimme Dir,was das bedingungslose Einkommen betrifft, zu: Das wäre eine gute Möglichkeit, eine Kultur-Flat zu finanzieren - und zwar für die, die Kultur produzieren.
Nachdem ich mein ganzens (Erwachsenes-)Leben komplett der Musik gewidmet habe, sehe ich allerdings, daß durch den durch was für ein Geschafel auch immer schöngeredeten gigantischen Diebstahl das heute praktisch unmöglich wird. Wie darauf reagieren? Das was man meint, selbst zu brauchen ebenfalls klauen? Umsonst wohnen? Mit Waffengewalt einkaufen? Wenn Leute wie Du ernsthaft meinen, Musik zu machen und davon leben zu wollen sei "pervers" (vor allem, wenn man wie Adorno finanziell unabhängig ist - übrigens, ganz so vereinfachen sollte man Adorno bitte dann auch nicht! Seine Aussage geht dann doch in eine andere Richtung, als die von Dir mßbräuchlich verwendete Anststiftung zum Massendiebstahl), dann ist das ganz simpel Ausdruck eines völlig kulturlosen, durchgedrehten Zeitgeistes (und "der" Zeitgeist läßt vieles normal erscheinen, wovon kommende Generationen sich mit Grausen abwenden - das sollte auch Dir klar sein), der mir und mit mir einer kompletten Schicht die Lebensgrundlage entzieht. Da stehe ich manchmal wirklich kurz davor, gewalttätig zu werden.
Daß die Musikindustrie speziell von Seiten der großen Konzerne viele z.T. unverzeihliche Fehler gemacht wurde, ok.! aber warum muß ich als Musiker dafür bluten?
Denkt erst mal gründlich nach, bevor Ihr solch einen Schwachsinn ins Netz stelt, von wegen künstlerischer Freiheit, die Frage nach der Notwendigkeit eine Band aufzubauen- und schiebt nicht solche wohlfeilen Alibi-man-könnteSollte hinterher!

gomez

diegrenzendesgutengeschmacks
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20.03.2007 - 16:08 Uhr
diegrenzendesgutenges…

jetzte hab ich doch ein gutes gewissen, dass ich ncizht dazu bei trage, klar brenne ich mir hin und wieder cds, gerade wenn auf einmal wieder soo viele neue kommen, aber ich gehöre wirklich noch zu denen, die die dann wirklich nachkaufen. und gerade bei solchen "indie" bands, tue ich das meistens auf konzerten. vorrausgesetzt, es gibt nen merch stand, das ist mir bei the horror the horror in berlin aufgefallen, da gab es leider keinen stand, dabei wollte ich mir noch zusätzlich das album in form einer cd holen. hmm aber das beim mediamarkt oder saturn zu kaufen, hmm irgendwie nee das geht nicht. also beim nächsten mal bitte merch!

MPC60
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20.03.2007 - 18:05 Uhr
MPC60

Zum teildesproblems:
Nun ja, dass die meisten Konsumenten keinen Geschmack haben, was ihr Konsumgut betrifft, dass ist unzweifelhaft, aber das ist nunmal das Kreuz der Musik im Vergleich zu anderen konstruktiven Künsten, weil ihrer Omnipräsenz (und die ist durchaus selbstverschuldet, denn wo kann man denn noch hingehen, was kann man anschauen, ohne dass man mit organisierten Schallereignissen vollgeballert wird) sie gleichzeitig vom hohen Sockel der Besonderheit, des HOLY-SHIT!-Erlebnisses, herunterhebt. Letztens hörte ich im Radio "Fergalicious" von der-einen-da-wie-hieß-sie-noch, dachte "Geilomat" und kaufte das Album. Und was bekam ich? Beliebigkeit, Verarsche und ein mit Sicherheit miserables Album. Ich gebe viel mehr Geld für Musik aus, als es eigentlich gut für mich ist, aber in solchen Momenten frage ich mich, ob es denn wirklich notwendig ist, dass es soviel Musik gibt. Dass "Fergalicious" aus der Major-Kosmos stammt, ändert nichts an der Tatsache, dass das auch für die kleinen Labels gilt: Es gibt ZUVIEL Musik. Wenn ich Alben um Singels herumbaue, muss ich mich nicht wundern, wenn die Leute nur die Single haben wollen (und diese aus dem Netz ziehen, was ja locker flockig geht) und den Rest links liegen lassen. Letzten Endes ist es das Konzept der Single, dass die Musik tötet. Früher haben die Leute vermehrt 7"s gekauft, weil das billiger war. Wenn sie damals nichts dafür hätten bezahlen müssen, hätten sie auch nichts dafür bezahlt.
Es kann doch nicht so schwer sein, den grundsätzlich geizigen Geist einer kapitalistischen Gesellschaft anzuerkennen. Warum reagieren die Plattenfirmen so langsam darauf? Sollen sie doch keine CDs und LPs mehr pressen und die Musik für kleines Geld häppchenweise (mit DRM-Verfahren vor unerlaubter Vervielfältigung geschützt) übers Netz verticken. Wenn die Leute dann noch Silberlinge und Vinyl haben wollen, werden sie schon danach schreien. Interpreten, Produzenten und Vertriebe sollen endlich von ihrem buhu-*schluchts*-früher-war-alles-besser-Ross runterkommen und ihr Geschick selbst in die Hand nehmen, sonst sind sie ratzfatz weg vom Fenster.
Was den Respekt betrifft: Ich denke, ich habe Labels wie L'age D'or und Harvest und wie der ganze Scheiß noch heißt genug Respekt erwiesen, in dem ich ihnen monatlich immer wieder Euro nach Euro in den Rachen werfe. Ich finde es richtig, dass ein Künstler für sein Werk auch entlohnt wird, aber gleichzeitig sehe ich nicht ein, dass ich vor ihnen auf Knien herumrutschen muss und ihnen die Füße küsse, dafür, dass sie einfach nur Musik machen. Ich kenne viele Leute, die an der Musik, die ich mache auch Freude haben und erwarte von ihnen nicht, dass sie mich wie einen Gott behandeln.

partoftheproblem
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Mag ich Mag ich nicht

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20.03.2007 - 21:44 Uhr
partoftheproblem

Auch wenn wir vielleicht nicht in allen Punkten d'accord gehen, bin ich doch einigermaßen überrascht, daß Du tatsächlich noch in die Singlefalle tappst. Wenn man schon die Vorzüge der Entwicklungen so toll findet, sollte man doch den offensichtlichsten aller Punkte begriffen haben. Eben das man die Möglichkeit hat, sich lediglich die Songs eines Albums zu besorgen, die man gut findet. Ist ja auch völlig legitim. Wenn 85% eines Albums Grütze sind, bezahle ich halt nur für die 15%, die taugen. Bands, die es nicht auf Albumlänge schaffen, einen irgendwie zu packen, haben es vermutlich auch nicht besser verdient. Aber trotzdem erhält der Künstler doch hier noch wenigstens seinen Lohn, völlig unerheblich, ob es ihn reich macht, oder er sich wenigstens damit die Amp-Reparatur leisten kann. Wie an anderer Stelle schon erwähnt, ich habe nichts gegen diese Entwicklungen. Wir stecken mittendrin, sie sind irreversibel und letzendlich sicher auch zu etwas gut. Ich kann nur überhaupt nicht nachvollziehen, wie Menschen allen Ernstes die Jagd nach irgendwelche Snippets und Videos von 10x8 cm als Ersatz für einen Albumkauf ansehen können. Und auch noch der Meinung sind, daß sie dieses Spiel bis in alle Ewigkeit weiterspielen können, weil diejenigen, die diese Sachen kostenlos zur Verfügung stellen, nicht irgendwann schnallen, das es zwecklos ist. Vielleicht verpenne ich hier gerade einen Paradigmenwechsel, aber Sinn z.B. eines Videorecorders (sic!) ist doch nicht, Werbung aufzuzeichnen. Wer es in einem Posting als Triumph der Künstlerischen Freiheit feiert, auf Tonspion Singles runterladen zu können, hat den Sinn dieser Plattform zu 0,0% begriffen. Die sind da, weil Bands / Labels mittlerweile begriffen haben, das man einen Teaser braucht, um die eigene Musik auch VERKAUFEN zu können. Ich weiß auch, daß ich das nicht Dir erklären muß, aber offenbar genug anderen. Nur daß sich 99,99% der Zielgruppe wahrscheinlich nicht in diesem Forum rumtreiben. Ich habe auch kein Problem damit den "grundsätzlich geizigen Geist einer Gesellschaft" anzuerkennen, wenn diese Gesellschaft zumindest fair genug bleibt, einen kleinen Obulus zu zahlen. Und ich kann in letzter Konsequenz nicht anerkennen, daß das Bedürfnis zu sparen, es rechtfertigen soll, sich Dinge einfach zu klauen. Denn das bleibt das (illegale) Downloaden von Musik/Filmen/etc... trotz aller Fehler der Industrie in der Vergangenheit und Gegenwart immer noch: Diebstahl. Punkt. Nicht diskutierbar.
Ich muß Dir aber sicher nicht erklären, daß ich unter Respekt nicht verstehe, irgendwen zu vergöttern, nur weil er Musik macht. Die Musiker, die ich kenne, würden sich totlachen, würde man ihnen so gegenübertreten. Aber den Abgesang eines verdienten Indielabels mit "Gottseisgetrommelt" zu kommentieren, ist schlechter Stil. Ob man deren Veröffentlichungen mag oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Letzten Endes haben aber die Betreiber in ihrem Leben (vermutlich) mehr auf die Kette gekriegt als man selbst. Auch wenn sie gerade pleite gehen. Und jemandem, der gerade 'ne richtig schlechte Zeit hat, solche Sprüche mitzugeben, nur weil man mit Tocotronic oder Robocop Kraus nix anfangen kann, sollte unter unserem Niveau bleiben.

Hager
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Mag ich Mag ich nicht

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27.03.2007 - 16:41 Uhr
Hager

Das Problem ist doch so einfach - die meisten Indie-Labels nennen sich Indie, versuchen aber so zu sein wie Majors (manchmal unbewusst) - man muss hier nur ein paar Sachen aus den Artikeln und Beiträgen gegeneinander auswerten:
a) 300 verkaufte CDs - das verkauft jede DIY-Band - 5 Musiker müssen nur allen 60 Freunden so ne CD aufs Auge drücken - wenn man bei nem Label ne Band hat, die nicht mal 300 CDs verkaufen kann, muss man sich fragen, wer sowas dann signed - das hat garnix mit Pop, Kunst oder Kommerz zu tun ...
b) Wenn der Vertrieb unter 3000er Auflage garnicht arbeiten will, ist die Frage, warum man dann damit in den Vertrieb geht - für 300 CDs brauchts keinen Vertrieb - warum also machen es die Indies? Genau, weil sie wieder so arbeiten wie die bösen Majors, wenn auch unbewusst - die meisten Indie-Labels hängen nämlich an Majorvertriebswegen - eine Farce eigentlich - und in den jetzigen Zeiten kein Wettbewerbsvorteil ...
c) Im Artikel werden von 20.000 Euro für Porto gelabert - und zeitgleich von 12 CD-Veröffentlichungen im Jahr - demnach hat jede CD ein Promo-Bemusterungs-Budget von 1666,- für Porto - selbst bei angenommenen 1,45 Euro pro Paket (Infopost ist aber billiger) sind das ca. 1150 CD-Pakete - an wen schicken die denn das? vielleicht sollte man da mal Geld einsparen, bei für Indie relevanten 60-70 Radiosendern und 150 Magezinen plus sonstiges - da kann man ja 2/3 von dem Portobudget direkt einsparen, mal von den damit nicht gerechneten CDs die in so nem Paket auch stecken, die ja auch nen flotten Euro in der Herstellung verschlungen haben werden ...
4. Den schwarzen Peter an den Konsumenten zu schieben war noch nie gut - man muss sich immer an der eigenen Nase packen und sagen: wie kann ich arbeiten, damit's sich rechnet - für mich, für die Band und den Konsumenten ... und da ist weder 16,- Euro für nen Tonträger noch 10 Euro für ein Downloadalbum oder 99 Cent pro Song gerechtfertigt - und was macht der Indie - er macht trotzdem mit - Indieplatten sind im Laden teurer als Majorplatten, und bei iTunes gammeln sie zu den gleichen Preisen wie die hochdotierten Majors rum - sucht der Indie eine Alternative? Nein - also ist er auch nicht besser als der böse Major - im Gegenteil, er ist schlechter, weil der Major genug Kapital hat, um einen Flop zu verkraften - ein Indie label ist bereits mit einem Flop am Existensminimum ... zwingt ja niemanden, ein Indielabel aufzumachen - wenn man das aber macht, hilft schimpfen nix, sondern sich seiner Lage bewusst sein, damit umgehen, und das beste draus machen ...
Zugegeben - Indies kommen auf Ideen - z.B. Social Networking - also myspace - geil, da promoten wir musik, und das kostet nichts - anfangs belächelt, inzwischen hat sich dort die normalität des musikmarktes eingestellt, denn o wunder - die majors sitzen auch hier wieder - und wo der Indie stolz auf seine 5000 views ist, kommt der Major und hat 200.000 - was macht der Indie? nix, er glaubt weiterhin an das Märchen, dass die Arctic Monkeys durch MySpace gross geworden sind und nicht durch Majorbudgets (als die rauskamen, prangten in ganz England soviel Plakate, dass man damit wohl 2x um den Mond gekommen wäre) ... er glaubt weiterhin, dass myspace-views etc. relevant sind für ihn oder mehr noch, dass das eine Indie-Plattform ist - genau, deswegen kriegen ja die Majorbands dort extrawürste und haben automatische friend-adder oder mehr als 4 Songs im Profil ;-)
5. Die Indielabels schimpfen soviel auf Musikmarkt und Majors und merken dabei selbst nicht, dass sie selbst viel schlimmer sind - aber in der "Indiementalität" wird vieles mit der Rosa-Pop-Brille gesehen - erst merkt man nicht, dass man genauso arbeitet, wie sein schlimmster Feind - dann macht man aber noch den 2. Fehler und meint, sich dem Kommerz verschließen zu müssen - und Majorstruktur ohne Kapital geht halt nicht ... man setzt sich in den Majorvertrieb, deren Außendienst grad mal dafür sorgt, dass die CD von irgendwelchen Shops geordert wird und im Regal vergammelt, weil groß beworben wird ja nicht, weil die 2 CDs, die der Laden davon verkauft, interessieren ja nicht ...
Die ganze Indielabel-Szene ist sowas von selbst schuld - ich weiß das, ich hab ein Indielabel, ich komm damit über die Runden und habe wenig Mitleid mit Labelmitstreitern, die vor lauter Selbstgefälligkeit nicht merken, wie falsch sie eigentlich arbeiten ... aber bei Labels wie bei Bands gilt: Niemand zwingt irgendwen, in diese Branche zu gehen ... aber wer scheitert, kann das nicht auf die Branche schieben ... sonst gäbe es ja gar keine Labels oder Bands mehr - es gibt halt wie in vielen Bereichen einfach Leute, die meinen ohne Arbeit und ohne Ahnung erfolgreich zu sein ... und das gibt's halt nicht - denn auf Erfolg kannst Du nicht hinarbeiten, Erfolg kannst Du nur verhindern - und die meisten Bands und Labels die ich kenne (und das sind viel zu viele) stehen sich schlichtweg selbst im Weg rum ...


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ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.

Das Problem ist der Konsens.