#02
Vielleicht war es am Ende die unerträgliche Leichtigkeit der Gewissheit, alles würde gut, ja alles würde immer wieder gut werden. Egal wie schlecht es doch gewesen sein mag, irgendein Windstoß würde es schon richten, irgendein abgedroschener Satz würde uns schon irgendwie wieder aneinander heften, so wie ein Schuh zum anderen passen sollte. Als wir uns das erste Mal trafen, hatte ich nichts weiter in meinem Kopf als einen tropfenden Schwamm voller Worte für dich, ein Schwall voll sinnlos aneinander gereihter, und doch schmeichelhaft klingender Worte. Du trägst jede einzelne Farbe in dir, die ich jemals - ja wirklich und wahrhaftig - jemals sah. Vielleicht war es irgendwann einmal die fehlende Nähe, die mich immer und immer wieder ein Stück von dir davon riss. Und niemals war die Rede davon, dass es auch nur eine Sekunde lang so hätte sein müssen. Dass ich die Tage zählen konnte, an denen du Tür ein Tür aus gingst, und mit jedem Gehen mehr hast du ein Stück von dir davon genommen, aus mir heraus, aus diesen Wänden, diesen Räumen. Ich habe dir nie gesagt, dass ich eines Nachts mit dem Fahrrad vor deiner Tür stand, deine Nummer wählte und deinen Schatten am Fenster sah, gerade als du den Hörer abgenommen hattest. Es war mehr als nichts und das war mehr als das, was ich zuvor von dir hatte. Ich habe dir wohl nie gesagt, wie sehr du in mir vergraben warst, dass sich jedes Wimpernzucken und jeder Handschlag nur nach dir sehnte, und dass jeder neue Morgen, ja jeder alte Abend von dir erfüllt war, deiner Abwesenheit und der unsagbaren Gabe, dass ich an dir hänge, an deinem Mund, deinem Bauchnabel, oh deinen Ohren, und wie ich deinen Hals liebe, ich verneige mich vor all dem was du bist, und doch weiß ich, dass es ein wahrer Unsinn ist, denn nur dumme Menschen lieben so sehr, dass sie es auch nur mit Worten zu erklären versuchen. Vielleicht ist es deine Unantastbarkeit gewesen, die mich immer wieder ein Stück weiter von dir wegrücken ließ. Dass ich eines Nachts einen anderen Mann neben mir hatte, dessen Name nicht mal annähernd so weich und wohl in mir klang wie deiner und der auch nur halb so gut roch, wie du. Dein Geruch, oh dein Geruch hat mich in manchen Momenten in so viele Teile zerfallen lassen, dass es unmöglich für dich gewesen wäre, mich wieder zusammenzufügen. Manchmal liege ich nur so da, und immer und immer wieder öffne ich die Augen, um ein allerletztes Gefühl von dir zu suchen, das sich noch in meinem Zimmer verirrt haben könnte.
- j. II 05.09.2006
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30.03.2007 - 21:43 Uhr
selas_mene