13.03.2007 - 15:33 Uhr

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Schlafende Schwalben

Text: KleinOrangenmaedchen

Ihr Bett geht fast bis zur Decke und es ist aus dunklem Holz. Sie hat das Bett schon lange. Und sie hat sich immer gefragt, wie aus den großen Bäumen, dem Holz mit dem Moosgeruch und dem Duft nach Wald, so ein Bett werden kann, das in ihr kleines Zimmer passt. Früher ist ihre Mutter immer mit hinaufgeklettert. Früher, als sie noch lächeln konnte und ihre pistaziengrünen Augen immer größer wurden, wenn sie von Feen und Hexen erzählte und der Vater im Wohnzimmer Politik schaute. Und Sport. Und dann tat sie so, als würde sie schlafen. Und schlief erst ein, wenn das Fernsehgeräusch verstummte und das Haus still wurde. Sie wollte ihn nicht in ihr Bett lassen, als er anfing, ihre Schultern zu küssen und die kleinen Narben entdeckte an den Oberarmen und wie er ihre Augen mit dem Wald verglich und seine Hose auszog. Stattdessen schaute sie aus dem Fenster. Ein großes Fenster mit Blick auf den Garten der Nachbarn, aus dem sie früher immer Pfirsiche geklaut hatte. Und er flüsterte ihren Namen, bis ihre Stimme schreien wollte und dann setzte sie sich auf den Boden, in die Ecke, mit den nackten Schultern gegen die gelbe Wand. Der Rauputz malte Linien in ihren Nacken. Und er schaute auf ihre Knie, die in den weiten Hosen steckten, und sein Auge begann leicht zu zucken. „Dein Auge zuckt.“, sagte sie und ihre Stimme klang wie der gelbe Rauputz an der Wand. Und er begann zu lächeln: „Deine Augen suchen die Bäume, dort hinten. Soll ich sie dir zeigen?“ Und seine Fingerspitzen waren angenehm kühl, als er ihre Hand nahm. Dann zeigte sie zu ihrem Bett und er nahm ihr die Angst aus dem Blick und steckte ihn in altes Kaugummipapier und sie verließen das Haus. Als sie selbst lesen konnte und der Fernseher abends ausblieb, schrieb ihre Mutter ihr einen Brief. Sie schrieb von dem Lächeln, das ihr jemand in der Nacht geklaut hatte. Und dass sie sie lieb hatte. Es vergingen Jahre, in denen sie nicht mehr lesen wollte. Sie malte. Jeden Abend malte sie vor dem Einschlafen. Mit roter Farbe auf blasser Haut. Sie kannte die Bäume noch nicht, die er ihr zeigte. Sie hatten dickere Stämme und es roch nach Pilzen. Er hatte den Arm um ihre Schultern gelegt und er hielt sie fest, als sie sich über das weiche Moos beugte und all die Buchstaben ausspuckte, die sich in ihr Herz gestochen hatten. Er streichelte ihr Haar, als sie mit dem Schreien anfing. Dann konnte sie nur noch flüstern: „Weißt du, es ist nicht wegen meiner Mutter. Alle denken sie, dass es wegen meiner Mutter wäre. Aber sie hat mich geliebt. Geliebt. Die meisten wissen gar nicht, was das ist. Liebe. Wenn dein Herz satt ist. Das ist Liebe.“ Und er schaute zu den Baumwipfeln und seine Augen flogen mit den schwarzen Vögeln durch den Abend. Er hielt ihre Hand und hörte nicht auf, über den Rücken zu streichen. „Wann ist deine Mutter gegangen?“ „Sie ist nicht gegangen. Sie ist nie gegangen. Sie ist geblieben.“ Und es kamen keine Tränen mehr. Die letzten Tränen waren bitter. Er fuhr sie nach Hause. Und sie stiegen zusammen die Treppe hoch. Die Leiter aus dunklem Holz, das nicht nach Wald riecht und nicht nach Moos. Und dann lagen sie dort und brauchten keine Decke. Seine Hand auf ihrem Bauch. Der Atem leise. Wie bei schlafenden Schwalben. „Schließen Vögel die Augen, wenn sie schlafen?“ Er nickte und der Schatten seines Profils blieb an der Decke hängen. „Sie hat dich geliebt. Mehr als ich es je tun kann, weißt du.“ Und sie küsste seine Lippen und die Buchstaben auf seiner Stirn.


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4 Kommentare

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Gambit
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Mag ich Mag ich nicht

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13.03.2007 - 17:31 Uhr
Gambit

sehr stimmungsvoll beschrieben

nerte
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Mag ich Mag ich nicht

0

13.03.2007 - 18:33 Uhr
nerte

Fliegen....


hoch über dem Himmel.

john_doa
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Mag ich Mag ich nicht

0

15.03.2007 - 08:15 Uhr
john_doa

Wow!

SanfteBrise7
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Mag ich Mag ich nicht

0

20.03.2007 - 10:01 Uhr
SanfteBrise7

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//her mind, was a very big house, we got lost there for hours until august fell//