Im Dirndl zu „Bobbi“, die keine Kleider mag - Dana geht nach NYC
Am 13. März fliege ich für drei Monate nach New York, um ein Praktikum im Leo-Baeck-Institut für deutsch-jüdische Geschichte zu absolvieren. Bis vor zwei Monaten stellte ich mir die „Vorbereitungsphase“ eher als melodramatischen Fünfakter vor: Erster Akt: Ich berichte meinem Freund André weinend, dass ich die Heimat verlassen muss. André bricht weinend zusammen und droht, sich zu erdolchen. Zweiter Akt: Ich erzähle meinen Eltern vom Vorhaben. Sie sind unheimlich stolz Mein Vater denkt, ich werde Diplomatin. Dritter Akt: Meine Freunde schenken mir kleine Altare für mein Handgepäck. Außerdem geben sie mir seitenlange Einkaufslisten mit. Vierter Akt: Ich packe mein silbernes Besteck und meine Hüte ein. Ich streiche andächtig über ein Damasttaschentuch mit Andrés Initialen, bevor ich es zu meinen seidenen Unterröcken lege. André stürmt in die Kleiderkammer herein und erdolcht sich. Fünfter Akt: Meine Freunde stehen weinend am Hafen. Ihre weißen Taschentücher werden zu Flecken und lösen sich schließlich ganz auf, als der holzvertäfelte Luxusdampfer mehr Abstand zum Festland gewinnt. Leider gestaltete sich die „Vorbereitungsphase“ sehr prosaisch.
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