12.03.2007 - 19:00 Uhr

0 34 Über Twitter weiterempfehlen

Im Dirndl zu „Bobbi“, die keine Kleider mag - Dana geht nach NYC

Text: dana-brueller

Am 13. März fliege ich für drei Monate nach New York, um ein Praktikum im Leo-Baeck-Institut für deutsch-jüdische Geschichte zu absolvieren. Bis vor zwei Monaten stellte ich mir die „Vorbereitungsphase“ eher als melodramatischen Fünfakter vor: Erster Akt: Ich berichte meinem Freund André weinend, dass ich die Heimat verlassen muss. André bricht weinend zusammen und droht, sich zu erdolchen. Zweiter Akt: Ich erzähle meinen Eltern vom Vorhaben. Sie sind unheimlich stolz Mein Vater denkt, ich werde Diplomatin. Dritter Akt: Meine Freunde schenken mir kleine Altare für mein Handgepäck. Außerdem geben sie mir seitenlange Einkaufslisten mit. Vierter Akt: Ich packe mein silbernes Besteck und meine Hüte ein. Ich streiche andächtig über ein Damasttaschentuch mit Andrés Initialen, bevor ich es zu meinen seidenen Unterröcken lege. André stürmt in die Kleiderkammer herein und erdolcht sich. Fünfter Akt: Meine Freunde stehen weinend am Hafen. Ihre weißen Taschentücher werden zu Flecken und lösen sich schließlich ganz auf, als der holzvertäfelte Luxusdampfer mehr Abstand zum Festland gewinnt. Leider gestaltete sich die „Vorbereitungsphase“ sehr prosaisch.
Dana übt das Urban-Sein schon mal für New York Meine Bewerbung schrieb meine Freundin Luisa, während ich für sie Apfelkuchen backte und derweil meine fröhlichen Assoziationen das Geräusch des Handrührgeräts erstickten. Motivation! Engagement! Professor! Frankfurt School! Ich schickte die Bewerbung zur Korrektur weiter an alle englischsprachigen Menschen, die ich kenne. Dann legte ich sie auf meinen Schreibtisch. Dort lag sie zwei Wochen, doch es verging kein Tag an dem ich sie nicht in die Hand genommen hätte und sanft über das schöne, glatte 120-Gramm-Papier strich und mir vornahm, mich morgen ganz bestimmt zu trauen, sie abzuschicken. Wochen später schickte ich sie tatsächlich ab. Ein paar Tage danach kam eine Zusage. Ich war sehr überrascht, dass man gerade mich für ein unbezahltes Praktikum in den Archiven des Leo-Baeck-Instituts ausgewählt hatte, dass man gerade mich tausende Nachlässe sortieren lassen wollte, dass man gerade mir eine Liste mit günstigen Wohnmöglichkeiten sandte, dass man ausgerechnet mir eine U-Bahn-Karte schenken wollte! Ich war sehr, sehr gerührt. Ein paar Tage später erhielt ich von der Archivleiterin eine E-Mail, in der sie mich noch auf den Dresscode hinwies: Keine Miniröcke, Piercings sind in Ordnung, Tätowierungen soll ich bitte verdecken (wofür hält die mich eigentlich?). Sie fügte folgenden Hinweis hinzu: Wir sehen aus wie bei „friends“, aber wir sind lustiger. Nächste Seite: Viele Fragen und komische Antworten
Weiter Seite 1 2


Neue Magazin-Texte:
Textoptionen
Mehr Texte von
dana-brueller
Mehr Texte zum Label
jetztgedruckt
Text Freunden empfehlen Text drucken Text melden
Der Text gefällt Dir?
Lesenswertpunkt schenken
Fehler gefunden?
Report an Error
Hier bei jetzt.de anmelden,
Texte schreiben und kommentieren.
Kommentar

speichern

Jetzt-Mitglied

dana-brueller offline

dana-brueller

ist jetzt-Userin und hat diesen Beitrag verfasst.