Publikumsbeschimpfung: Digital ist besser!
Warum wehrst du dich gegen's Web? Zeit für eine Aussprache über konservative Mädchen mit Sarah-Kuttner-Frisur und provinzielle Indie-Jungs
Wir müssen miteinander reden: Ich habe ein Problem mit dir. Du bist ein mäßig bis gut gebildeter Mensch jungen Alters. Du hast eine eigene Meinung, von der du glaubst, dass sich jemand dafür interessiert. Du machst dein eigenes Ding, hast große Pläne. Und deshalb bist du – klar – besser als der Durchschnitt. Trotzdem fühlst du dich oft nicht gut, bist nicht zufrieden mit dir. Aber wer ist das schon? Im Grunde bist du, und deshalb muss ich dich heute beschimpfen, so ähnlich wie ich. Wir hören die gleiche Musik, mögen ähnliche Bücher, im Kino saßen wir womöglich sogar schon mal nebeneinander und beim Herausgehen haben wir fast unsere Umhängetaschen vertauscht. In einem Punkt aber unterscheiden wir uns: in der Frage, wie wir mit Technik umgehen. Ich liebe das Internet und du hasst es. Wenn ich das Wort Blogs höre, frage ich nach, du hingegen kriegst das Kotzen. Wenn in einem Text der Begriff Web2.0 steht, lese ich interessiert rein, du klickst auf „Löschen“. Wenn ein neues Gerät auf den Markt kommt, frage ich, ob mir das helfen kann, gähnst du.
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Mein nicht existierender Analytiker würde aber sagen:
Herr Winter, Sie schämen sich so sehr für dass was Sie der Germanistikstudentin gesagt haben, dass sie ein paar Hilfshypothesen konstruierten, in Form dieses Textes, digitaler Ablasshandel.
Natürlich verändert das Internet unser Leben, natürlich verändert sich unsere Kultur. Das tut sie aber auch ohne das Internet. Davon zu sprechen, dass sich "Medien, Musik, ja Kultur im Allgemeinen in fünf Jahren" nicht mehr für uns interessieren ist absurd.
Das Internet zum kommerziellen Massenmedium auszubauen war ein geschickter und nur konsequenter Schachzug. Jemanden zu verurteilen weil er dies nicht gut heißt und auf analoge Kommunikation und ein wenig weniger Gejazze steht ist meiner Meinung nach ebenfalls absurd.
Denn wenn man sich diese Internetkultur ansieht, auch zum Beispiel jetzt.de, dann kann man doch sagen das für den ganzen Buhai wenig rumkommt. Nehmt doch nur die schlecht recherchierten Texte, diese Tonnen digitaler Müll und Belanglosigkeit, die jeder Blognutzer tagtäglich produiert. Und wenn das unsere digitale Zukunft sein soll, bin ich lieber zu dumm für digital.
MfG
Der Commodore
das ist eine gespielte "anti-haltung".
irgendjemand hats gesagt, den fand man cool, dann plappert mans nach,
vielleicht weil dieser jemand eine besondere ausstrahlung hatte.
ich weiß auch nicht, welche leute contra-internet und contra-community sind. vielleicht sind das solche, die viele oberflächliche soziale kontakte pflegen und sich gegen das klischee wehren "wer surft, vereinsamt".
die sache mit den 68ern triffts doch auf den punkt.
trend- anti.
no future-gelaber.
und deswegen alles scheiße finden, was man nur scheiße finden kann.
(fortschritt, digitalisierung,...)
ich verhasple mich.
bevor ich noch mist laber-
du hast es auf den punkt gebracht.
und dafür ein punkt.
09.03.2007 - 20:32 Uhr
spaetabends
-commodore drückt das gewählter aus *G stimme ich aber zu
-der Text kommt ca 5 Jahre zuspät...
-klar verändertdas inet die Kultur,Musik, etc... jeder kann seine musik promoten, dafür wird man mit haufenweise musik überschwemmt die man besser gar nicht hören möchte. Das heist ich interessiere mich nicht mehr für die Musik.
-änlich verhält es sich mit blogs...
...war kurz davor den kommentar nicht zuposten... aber ist ja auch belanglos...
achja eine ganz andere Frage...
Glaubst du diesen Text liest irgendwer,der sich dem Internet verweigert?
ich glaube, was das internet angeht, rennst du hier offene türen ein... falsche stelle.
wobei ich mich frage, wer so drauf ist, wie oben beschrieben.
ich kenn zwar leute, die mit communities nichts anfangen können. jetzt.de verstehen außenstehende eh nie.
aber deswegen finden die leute doch das internet per se nicht kacke.
und warum ist ihrer meinung nach die "nondigitale" kommunikation denn nun besser?
und nur weil alles in 5 jahren anders sein wird gibt dies keinem das recht zu einer moralischen wertung. wer wird denn schon aus zukünftiger faktizität moral herleiten wollen - stichwort edemocracy
habe nach der lektüre mehr fragen als zuvor
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09.03.2007 - 19:35 Uhr
kulturgut
internet mögen mittlerweile so ziemlich alle, nur die mobilisierung von internet und tv via handy, smartphone & co. gilt derzeit noch allgemein als zivilisationskritiktauglich.