05.03.2007 - 22:30 Uhr

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#23

Text: brokensocial

12:43 Uhr. Er.
Vielleicht wirst du nie mehr durch diese Tür gehen.
Ich habe mir viele Gedanken gemacht, seit unserer letzten Begegnung und es würde mir nicht leicht fallen, dir von meinem Unglück zu erzählen, wären da nicht gewisse Regeln gewesen, die unser ständiges Auf und Ab bestimmten.
Mit jedem neuen Tag der kam, öffnete ich meine Augen und vor mir warst du. Ich sah dich in meinen Fensterscheiben, in den Gardinen und den Badezimmerfliesen. Mein Atem hätte Bäume vernarbt, hätten ihn nur nicht undurchlässige Wände gebremst. Hast du jemals etwas von dir in mir hinterlassen? Ein Rauschen, eine Perversion? Ich hätte dich gerne nackt auf meinem Bett gehabt, am Morgen, ja am Mittag und auch am Abend. Ich hätte dir die Welt erzählt, wie sie niemals sein würde und doch schon immer für mich gewesen ist. Ich hätte so viel. So viel.

17:56 Uhr. Sie.
Kannst du? Ja kannst du nur?: Deine butterweichen Hände von mir lassen, deine von Sehnsucht durchtränkten Finger von mir nehmen, die meine Haut durchdringen, als wäre sie flüssiger Wachs? Kannst du nur deinen Verstand von meinem lösen, der mir immer wieder zu sagen versucht, was ich hätte tun sollen, tun müssen.
In den Momenten, in denen deine Zunge in mir war, verlor ich meine Prinzipien, ich verlor jeglichen Selbstschutz und Machtverständnis. Du hast mich mit deiner infantilen Art und Weise Dinge weltenlos erscheinen zu lassen leer geräumt. Ich war keine Frau mehr in manchen Momenten, viel mehr ein kleines wehrloses Kind, versteckt unter einem Tisch, und doch mit offenem Schoß vor dir sitzend. Und ich habe auf deine Küsse gewartet, wie sie mich Nacht für Nacht umgaben. Es ist reine Dramatik, spreche ich nun von einer Liebe.
Aber Liebe was ist sie schon. Du warst die meiner Erinnerung. Du bist sie und wirst sie niemals verlassen haben.

02:13 Uhr. Er.
Ich frage mich, ob du noch den dunklen Fleck am rechten Knöchel trägst. Ich habe ihn oft geküsst, vielleicht erinnerst du dich daran. Vielleicht aber auch nicht. Es waren manchmal Nächte voller Filmrisse und Räumlichkeiten, aus denen pure Ekstase floss. In manchen Momenten trieben wir es in einem Hinterhof, in anderen hast du mich angeschrien, ich solle dich niemals mehr berühren, ich würde dir die Seele von der Haut kratzen, jede Faser in dir würde sich fort von mir neigen.
Manchmal wünschte ich, es wäre so gewesen. Du hättest mich nie wieder angerufen, nie wieder hätte ich dieses Telefon berührt und niemals mehr hätte ich deinen Namen nennen müssen. Dein Name hallt noch bis heute nach, und mit jedem Mal mehr, zerschießt es alles Verknüpfte in meinem Kopf. Ich vergesse die Art, mit der du mich versucht hast an zu machen. Oder wie deine Zunge meinen Bauch entlang fuhr. Ich vergesse dein Gesicht, wie dein Mund schmeckte, dein Hals und deine Hände. Ich verliere mein Gesicht, ich verliere meine Vernunft. Kannst du? Kannst du: gehen, und niemals zurückkehren? Mit anderen schlafen, vor meinen Augen, ihnen deine Zunge in ihren Hals stecken, ohne dabei auch nur ein einziges Mal an mich zu denken? Kannst du?

19:34 Uhr. Sie.
Ich werde können: Was immer dich zerreißen wird. Ich werde ihre Oberarme umschließen, ihnen in den Rücken kneifen, ein jedes Mal, wenn ich komme und sie werden es geil finden und immer mehr verlangen und ich werde es ihnen geben und kein einziger Teil von mir wird sich nach dir sehnen nicht ein Stück meiner selbst wird mehr deinen Namen kennen und es wird niemals mehr jemand nach dir fragen, mein Bett wird deinen Körper vergessen, deine Umrisse und deinen Schweiß.
Ich werde all das tun, was du nie wolltest, nur, um von dir loszukommen. Ich werde mit ihnen schlafen und sie werden mit mir schlafen und wenn sie stöhnen werde ich ein jedes Mal an dich denken und mir vorstellen wie es wäre, würdest du nur an ihrer Stelle sein, weil doch niemand so sehr etwas in mir hinterlassen hat wie du es getan hast. Ich werde deinen Namen stöhnen, hörst du? Ich werde immer und immer wieder den Schlüssel stecken lassen, in dem Glauben, du würdest eines Nachts heimlich die Tür öffnen und dich zu mir legen. Ich werde eine Leine durch mein Zimmer führen, an allen Wänden Textstücke über dich, über mich und uns. Auch wenn ich mir wünschen würde, in deinem Zimmer hängten diese. Ich werde dich vergessen, vergessen werde ich dich nie. Nie werde ich.



04:16 Uhr. Er.
Erinnerst du dich an C. Morgenstern, wie ich dir von ihm erzählte, und was er alles für mich war. Er schrieb dir jenes, was ich nicht konnte. Ich wollte mein ganzes Inneres auf ein Tablett packen und es dir vermachen. Er sagte einst, es müsste einmal ein sehr großer Schmerz über die Menschheit kommen, wenn sie erkennen, dass sie sich nicht geliebt haben, wie sie sich in manchen Momenten hätten lieben können. Und weißt du auch, dass es Mädchen mit solcher Hingabe gibt, dass man niemals mehr von ihnen lassen kann, lassen will? Ich sehe dich in deinem dunklen Kleid, wie deine Beine ganz leicht meine Knie umschlingen, ich kann die Innenseite deiner Oberschenkel sehen und in mir geht ein Sturm. Ich kann nicht und doch frage ich dich; kannst du? Einen Moment malen, der alles das beinhaltet, was mich an dir hält? Was mich von dir reißt und doch wieder nah an dich heranbringt? Geh niemals ohne ganz zu gehen. Und wenn du gehst, dann nimm alles von mir; alles mit dir.







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prinzessophie
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Mag ich Mag ich nicht

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15.03.2007 - 09:41 Uhr
prinzessophie

[der text ist w*bar]

howling_wolf
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Mag ich Mag ich nicht

0

15.03.2007 - 20:57 Uhr
howling_wolf

grosse,starke worte in einem grossartigen text!! erinnert mich ein wenig an jacques prevert.......??***wolfgirl

jugendbeweger
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Mag ich Mag ich nicht

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25.05.2007 - 16:48 Uhr
jugendbeweger

best. text. ever.

:mo:

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