Fall für Zwei: Die American Apparel-Werbung
Gestern wurde der LEAD-Award vergeben. Das ist die wichtigste Auszeichnung für Werbung und Gestaltung. Eine Werbe-Kampagne, die zwar nominiert, aber nicht ausgezeichnet wurde, ist die von American Apparel. Und die ist nicht okay. Oder? Ein Fall für Zwei
Ach was. Mit einem Handstreich kann ich die Optik der American-Apparel-Fotos doch genau anders auslegen: Im Gegensatz zu einem hochgepitchten, retuschierten, Gisele-Bündchen-räkelt-sich –am-Strand-der-Perfektion- Bild, das euch hundertmal öfter vorgehalten wird und deswegen hundertmal mehr bedrängt (So Schlank, so nackt, so perfekt musst du sein!) sind die AA-Fotos doch wie die AA-Shirts: recht natürlich und lebensnah. Klar geht es da um Sex und die Posen sind obszön (so sehr ja eigentlich auch nicht), aber hey: Die Mädchen, die ich da sehe, machen auf mich einen extrem selbstbewussten Eindruck, zeigen ungeniert ihre Achselhaare und ihre blauen Flecke und haben im Gegensatz zu Frl. Bündchen eine recht deutliche Botschaft: Ich will nicht künstlich sein. Sie sehen nicht aus wie Opfer des Sexismus, eher wie Anhänger - aber das schickt sich für Mädchen nur im Ehebett, oder was hast du gesagt? Du hast ein Problem mit Dov Charney. Vermutlich ist er ein Idiot, ich weiß es nicht. Vermutlich haben aber auch alle Mädchen ein Problem mit älteren Männern, sobald die zugeben, dass sie nach wie vor Interesse an Sexualität haben. Schmieriger Typ, sagt ihr dann und fürchtet, dass er euch über den Atlantik an den Po greift.
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