28.02.2007 - 19:00 Uhr

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Wünsch dir was: Warum Wünschen glücklicher macht als man denkt

Text: stefan-winter

Gerade wer nichts hat, hat eine Fähigkeit, die von angeblich erwachsenen Menschen oft unterschätzt wird. Ein Plädoyer fürs Wünschen - mit tollem Wünsche-Rätsel

Es ist die wichtigste Lektion beim Erwachsenwerden und es ist wie das Erwachsenwerden selbst: es hört nie auf. Ich rede vom Wünschen, konkreter vom richtigen Umgang mit einem der schönsten Gefühle, die unser Emotional-Laden im Angebot hat: der Vorfreude. Die Lektion ist einfach und doch sehr spaßfrei. Sie besagt: „Sei vernünftig und schau dir dein Konto an“ – kurzum: „Schlag dir diesen Wunsch aus dem Kopf.“ Dieser Logik folgen wir, seit wir uns den einen großen Wunsch – den Wegzug aus der provinziellen Öde (vulgo: dem Elternhaus) erfüllt haben.
Und egal, ob es jetzt um eine sonnige Reise nach Sydney, einen neuen Laptop oder den unerreichbar tollen MP3-Player geht: Wir bleiben in unserem kleinen grauen WG-Zimmer, hacken langweilige Hausarbeiten in eine alte Tastatur und hören Musik stationär von selbstgebrannten CDs. Doch damit nicht genug, auch das Träumen von Sonne, Sound und neuen Tasten verwehren wir uns. Weil die immerwährende Debatte vom Sparen und vom Verzicht mittlerweile zum Soundtrack unseres so genannten prekären Lebens geworden ist. Soziologisch betrachtet ist das Praktikanten-Arbeiten an der Armutsgrenze tatsächlich ein großes Problem. Darum soll es hier aber mal kurz nicht gehen. Ich will auch niemanden vorschreiben, wie er sein ohnehin kaum vorhandenes Geld auszugeben hat. Ich möchte lediglich für eine sehr kindliche Tätigkeit werben, die in diesen Tagen etwas aus der Mode gekommen ist: für das Wünschen. Der Sprungturm der Gefühle Es gibt diese Versicherungswerbung, die mit dem Gefühl kindlichen Vertrauens wirbt. „Erinnern Sie sich noch“, fragt eine väterliche Stimme, „wie es war, als Sie ein Kind waren?“ Dann folgt eine Aufzählung, in der es um „vor nichts Angst haben“ und „großes Vertrauen haben“ geht. Immer wenn ich diese Werbung sehe (in der ein Anzugmann vom Sprungturm in einen See hüpft, Du weißt schon) muss ich an eine Fähigkeit denken, die ich als Kind hatte und die mir (und uns allen) heute fehlt: ich habe mir jede Menge Zeug gewünscht. Das meiste habe ich nicht bekommen, aber die Vorfreude auf eine neue Stereoanlage oder das Piratenschiff eines fränkischen Spielzeugherstellers sorgten für Ordnung in meinen Leben. Die Verwirrung, die sich aus einem Zuviel an Möglichkeiten und Wünschen ergibt, kannte ich als Kind nicht. Ich wollte ja die Stereoanlage. Darauf habe ich mich konzentriert. Manchmal habe ich dafür sogar gespart. Das war zäh, das war anstrengend, aber irgendwie war es ordentlich. Im besten und dümmsten Sinn des Wortes. Ich weiß, das ist eine Hollywood-Walt-Disney-Logik, aber es ist eine schöne Logik: gerade wenn man nichts hat, macht Wünschen Spaß. Wer sich alle seine (materiellen) Träumen mit einem Fingerschnippen (meist einer Unterschrift) erfüllen kann, hat kaum Spaß an dem neuen Soundsystem oder der tollen Wohnzimmer-Lampe. Stattdessen verfällt er in einen kapitalistischen Wunsch-Kreislauf, der nicht nur dem Wünschen seinen Zauber, sondern auch den erwünschten Produkten ihren Charme nimmt. Vielleicht ist das gut, schließlich ist all dieser Kram ja nur das: Kram. Nichts, an das man sein Herz hängen sollte. Nichts von wirklichem Wert. Aber diese Logik halte ich für weitaus zynischer als das Hollywood-Wünschen. Diese Logik muss man sich nämlich leisten können. Wer sich das nicht leisten kann, dem bleibt nur die eher unerfreuliche Realität. Aber eben auch sein eigenes Wünschen. Und das macht manchmal glücklicher als man denkt. Illu: marcus-holzmayr Mehr zum Thema auf jetzt.de - Der Tagesticker zur Frage: Erzähle uns deine materiellen Wünsche. - Das Porträt der Generation Option: "Die Vielfalt der Möglichkeiten macht uns verrückt. Aber wir können etwas dagegen tun."


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9 Kommentare

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keinekueche
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Mag ich Mag ich nicht

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01.03.2007 - 00:45 Uhr
keinekueche

nicht, daß ich mir materiell groß was leisten könnte, aber diese zynische einstellung zu materiellen hollywood-wünschen hab ich trotzdem.

ich wünschte ja, ich würde mir mal ganz naiv was unglaublich banales wünschen können. ich beneide leute fast, die eine schrankwand oder einen audi tt als die verdinglichung ihres lebensziels ausmachen können. so einfach gestrickt zu sein, erzeugt sicherlich profunde glücksgefühle.

niemandsonst
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Mag ich Mag ich nicht

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01.03.2007 - 10:26 Uhr
niemandsonst

Eigentum
Ich weiß, dass mir nichts angehört,
als der Gedanke, der ungestört
aus meiner Seele will fließen,
und jeder günstige Augenblick,
den mich ein liebendes Geschick
von Grundaus lässt genießen.

J.W. von Goethe

Doktor_Arbeitslos
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Mag ich Mag ich nicht

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01.03.2007 - 11:32 Uhr
Doktor_Arbeitslos

Sehr schön beobachtet. Kann ich nur so konstatieren. Wie Georg Ringsgwandl einmal so schön in einem Song formuliete. "Den dersft ned mitnemma". Egal um was es sich handelte. Du kannst es nicht mit in den Himmel nehmen. Ob es ein Jaguar ist oder ein Pelzmantel. Alles ist vergänglich.

Bei vielen Dingen überwiegt einfach die Vorfreude. Wenn ich die Stereoanlage, den Laptop, den Doktortitel habe, ist nichts mehr so wie vorher. Der Weg ist das Ziel. Danach sieht der Alltag wieder grau und häßlich aus. Und so bleibt uns nur der Wunsch neue Visionen zu entwickeln. Nur so kann es weitergehen. Sich eine Strategie zurecht zu legen, um die neuen Ziele zu verwirklichen. Doch was soll man tun, wenn man bestimmte Dinge nie erreichen kann? Was ist mit der idealen Partnerin, dem idealen Partner? Wird man sie/ihn je finden? Oder ist auch hier die Suche wichtiger als das Endergebnis? Liegt hier nicht die Gefahr? Wie kann ich eine Partnerin besitzen?

jane
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Mag ich Mag ich nicht

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01.03.2007 - 13:40 Uhr
jane

gefaellt mir, der text.

@kueche: was hat das denn mit einfach gestrickt sein zutun? manche leute verdienen abartig wenig und fuer die ist start/ziel bei monopoly, wenn endlich die neue schrankwand im wohnzimmer steht oder ein niegelnagelneues auto vorfaehrt. fuer diese leute ist es wie ein bestimmtes lebensziel, so hart gearbeitet und gespart zu haben, dass sie sich etwas "grosses" leisten konnten. das kann jahre gedauert haben und es kann ebenso sein, dass man nicht nochma so eine art lebensziel erreicht.
ich finde es daher recht unpassend, zu behaupten, diese leute sind "naiv" und "einfach gestrickt". es hat doch letztendlich nur damit zutun, wie hoch man sich seine ziele stecken kann. und wenn ich weiss, dass ich mein restliches leben niemals gross was verdienen werde, wieso sollte ich mir dann wuenschen, mal ein haus auf hawaii zu kaufen? da setzt man sich erreichbare wuensche, sonst hat man das ganze leben umsonst gewuenscht.

MissPancho
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Mag ich Mag ich nicht

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01.03.2007 - 14:09 Uhr
MissPancho

ja es ist wichtig immernoch wünsche zu haben, denn nur so kann man sich ziele setzen und treibt nicht teilnahmslos durchs leben.

mir ist aufgefallen dass meine wünsche schon lange nicht mehr materieller natur sind. wir haben ja auch fast alle alles und naja, die ewigen upgrades, da wird man irgendwann faul.

jedenfalls habe ich den versuch gestartet in 2007 100 wünsche aufzuschreiben, dokumentiert in meinem fotolog: www.fotolog.net/perihel

das wird aber irgendwie nichts denn ich will ja kaum etwas anderes als die basics: liebe, leidenschaft, reisen, sonne, sorglosigkeit, tolles essen...aber das ist zu einfach und da ist aj noch die realität und mit ihr der alltag. irgednwie ist es traurig so wenig inspiriert zu sein wenn es um die eigenen wünsche geht. materiell fällt mir nichts ein, ausser einer neuen kamera aber dieser wunsch stresst mich eher. besitz belastet + kognitive dissonanz bremsen mich da aus.

wann ist man denn nun glücklicher? wenn man viele wünsche hat oder wenige? gibt es wirklich die richtigen wünsche oder die falschen? (die einhaltung gewisser moralischer grenzen vorausgesetzt)

umso einfacher ein wunsch zu erfüllen geht, umso weniger erfüllt er einen mit glücksgefühl. dieses thema hast du gut erfasst. klamotteneinkaqufen strest mich heut meistens und eine volle h&m tüte löst schon längst keine großen glücksrausch mehr aus: eben wegen dieser einen unterschrift ;o)

unsere welt verzweifelt nur noch an den obersten beiden stufen der maslow pyramide, vor allam an der spitze: selbstverwirklichung. alles ander haben wir ja schon. und stufe 3 bröckelt derweil.

und deshalb diskutieren wir ja wieder alte werte. so wie die fähigkeit sich was zu wünschen.

und ich bin mal wieder abgeschweift. anyway.

IreneDecker
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Mag ich Mag ich nicht

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02.03.2007 - 08:55 Uhr
IreneDecker

Ich kann mir noch so sehr eine ruhige Wohnung und Schlaf wünschen, wenn die Lautsprecher im nächsten Stockwerk des Hartz-Slums dröhnen, SCHMERZT das.

keinekueche
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Mag ich Mag ich nicht

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02.03.2007 - 11:03 Uhr
keinekueche

@jane:
du mißverstehst mich.
ich spreche nicht vom preis des wunsches, sondern von der natur des wunsches. ich kann mir auch keine schrankwand leisten, und fände auch jemanden, der eine fünf-millionen-dollar-villa als einziges lebensziel hat, einfach gestrickt.

kleinefee2007
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Mag ich Mag ich nicht

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02.03.2007 - 12:10 Uhr
kleinefee2007

Gefällt mir sehr der Text.Habe vor einiger Zeit ein Buch von Pierre Franckh " Erfolgreich Wünschen " gelesen, seitdem weiß ich wieder wie wir als Kind gewünscht haben.Es kommt nämlich darauf an, wie wir wünschen und ob wir auch wirklich daran glauben.Ob wir vielleicht auch etwas dafür tun.Der Weg ist das Ziel und das Ziel ist, den Weg und Wunsch im Auge zu behalten.Wie ein Kind daran zu glauben, mit einem brennenden Gefühl im Bauch.Dann können wir alles erreichen.

sindarella
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Mag ich Mag ich nicht

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02.03.2007 - 14:57 Uhr
sindarella

durch "zufall" (den gibt es ja für mich nicht) komm ich gerade auf diese seite und lese das vom wünschen.

ich finde diesen text auch sehr schön und auch ich bin der meinung, es kommt drauf an WIE wir wünschen, ob wir uns mit diesem wunsch auch identifizieren können und wie sehr wir daran glauben.
wichtig ist auch die INNERE einstellung zu dem wunsch. es funktioniert nämlich nur dann, wenn ICH es mir WERT bin, wirklich wert bin, dieses oder jenes zu dann auch zu haben bzw. mit dem zu leben! ohne diese innere einstellung geht gar nichts! es hilft nämlich nichts, sich einfach nur zu wünschen und mit dem nächsten gedanken dann zu denken, steht mir das überhaupt zu, ist das nicht vielleicht doch ein bisschen zuviel gewünscht usw?
ich ergleiche das wünschen mit wie bei einem versandhaus bestellen:
ich gebe eine "bestellung" auf (schöne wohnung, möbel, job, nette menschen kennenlernen ... alles mögliche eben) und dann lasse ich den wunsche los mit der inneren gewissheit, dass "geliefert" wird! um das wie mach ich mir keine gedanken! denn, erst wenn ich diesen wunsch mit dieser inneren gewissheit loslasse, dass mir das "geliefert" wird, kann er sich auch sehr oft erfüllen ... oft auf eine weise, die wir mit unserem verstand nicht nachvollziehen können, weil wir meist ein "mangeldenken" haben. dadurch erleben wir auch so viel mangel und es bessert sich nicht wirklich was im leben.
zumindest kann ich nur von mir sagen: es funktioniert :-)
so bin ich zu meiner schönen wohnung gekommen, wo ich nicht wirklich viel dafür getan habe, so habe ich ein auto bekommen, das eigentlich schon verkauft war, jedoch ich das gefühl hatte, nein, das ist mein auto, ich bekomme es. ich war voll innerlich davon überzeugt, dachte dann auch nicht weiter darüber nach, das war für mich ganz klar, genau dieses auto war meines. und so geschah das unmögliche, woran keiner geglaubt hatte (ausser ich *g*). der käufer trat vom vertrag zurück, nahm sich stattdessen eines mit mehr ps und ... ich bekam genau dieses, mein auto. und es war auch meines, denn, ich hatte niemals probleme damit, es fuhr und fuhr 15 jahre lang ohne reparatur. und bei meinem letzten auto war es ähnlich ... ich wollte genau so ein auto, natürlich supergünstig ... ich "bestellte", dachte dann jedoch nicht mehr daran, weil ich innerlich überzeugt war, ich krieg so eines. und nach drei wochen, von einer minute auf die andere kam der anruf ... ich bekam dieses auto und dazu noch zu einem schnäppchenpreis.
es geht hier nicht nur um materielle dinge, denn stimmt schon, die kann man sich nicht mitnehmen. doch, solange ich hier auf erden bin, sehe ich diese als nette "spielsachen", mit denen ich eben auch spielen mag, dafür werden sie ja gemacht :-)
und diese art von wünschen habe ich auch erst so gelernt, als ich mich mit mir selbst "beschäftigte", warum was im leben so ist, in welchem "rad" ich da laufe, was ich bei mir ändern soll, damit es anders wird ... und all das ist meist nur "einen gedanken davon entfernt", indem man vielem gegenüber im leben ganz einfach die eigene EIN-stellung ändert :-)

dazu fällt mir auch ein: alles ist möglich, dem, der da glaubt ... oder so ähnlich *ggg* und genau so ist es auch.
nur, leider, wir haben den glauben an vieles (vor allem an uns selbst!) verloren und es wäre schön, wenn man den wieder so richtig schön AUF-leben lassen würde :-) jeder ist nämlich selbst für sich verantwortlich und das sollte mal der wunsch nr. 1 sein, dass man das auch wirklich sein möchte! dann klappt es auch mit dem wünschen viel, viel besser ;-)))))


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