Wie Hannes sich entschied, nach dem Abi nach Neuseeland zu gehen
Text: hannes-kerber
Toll: Wir können heute alles und dürfen alles mit unserem Leben machen, wir sind die Generation Option. Wenn nur das Entscheiden nicht so schwierig wäre.
Auf jetzt.de gibt es die Rubrik: Entschieden. Dort erzählen Menschen vom Entscheiden, wie sie sich entschieden haben, wie das Entscheiden ihr Leben verändert hat. Nach einem Klick auf das Label „Entschieden“ tauchen alle bisherigen Folgen auf.
Unser Mitarbeiter Hannes Kerber macht in diesem Jahr sein Abitur. Hier schreibt er, wie es zu dem Entschluss kam, nach dem Abschluss nach Neuseeland zu gehen.
Die Cook-Inseln. Gehören zu Neuseeland. (Foto: dpa)
Früher dachte ich, dass man in Australien ankommt, wenn man nur lange genug graben würde. Später erzählte mir jemand, der es wohl besser wusste, dass man sich erstens nicht durch die Erde graben könne und dass man außerdem nicht in Australien, sondern in Neuseeland herauskommen würde.
Im Sommer, Mitte Juli, fahre ich dorthin. Viereinhalb Monate Neuseeland – viereinhalb Monate Auszeit nach dreizehn Jahren Schule. Danach möchte ich noch nach Lateinamerika, vielleicht nach Ecuador oder Costa Rica. Ich wollte immer schon, zumindest seit ich mir über das Ende der Schule Gedanken mache, nach dem Abitur in ein englisch- und in ein spanischsprachiges Land.
Aus der Sicherheit, mit der ich seit langem meine Ausmusterung antizipierte, habe ich mir über irgendwelche möglichen ökonomischen Nachteile auf dem Arbeitsmarkt keine Gedanken gemacht. Anfang des Jahres, als mich jemand fragte, wohin ich denn nun fahre und auf eine genauere Antwort wartete, habe ich, ohne zu überlegen, Neuseeland gesagt. Wahrscheinlich war es Zufall, dass ich dieses Ziel genannt habe, denn damals wusste ich fast nichts über das Land. Der Gedanke, dorthin zu gehen, war mir vorher nicht gekommen – Irland lag näher.
Vor einer Woche habe ich mir einen Reiseführer gekauft: Jetzt weiß ich, dass Edmund Hillary, der Mount-Everest-Erstbezwinger Neuseeländer ist, dass es in Wellington, der Hauptstadt, pro Einwohner gerechnet mehr Cafés als in New York gibt und dass Neuseeland ein bisschen aussieht wie das bayerische Voralpenland.
Jetzt weiß ich aber auch, dass Neuseeländer sehr an dem Bild, das andere von ihnen haben, interessiert sind und dass sie deshalb Touristen häufig fragen, warum diese ausgerechnet nach Neuseeland gekommen sind. In meinem Reiseführer ist dieses Phänomen mit einer Karikatur beschrieben. Der dicke Tourist mit Adiletten und Bierdose, dem im Cartoon von einem ebenfalls etwas stereotypen Ureinwohner, einem Maori, diese Frage gestellt wird, antwortet: „Ich bin nur in Australien falsch abgebogen.“ Was ich sagen werde, habe ich mir noch nicht überlegt. Vielleicht: „Es war Zufall. Der Name lag mir einfach auf der Zunge.“ Vielleicht auch: „Weiter weg geht’s kaum.“ Letzteres war, sekundiert von einem etwas mitleidigem Blick, der Kommentar der Dame im Reisebüro, als ich meinen Flug gebucht habe.
Nach Neuseeland zu gehen, war die erste wichtige Entscheidung meines Lebens, die ich gemacht habe, ohne zu überlegen. Vielleicht habe ich mich für Neuseeland entschieden, weil die Insel 22 Flugstunden entfernt ist. Am anderen Ende der Erde, durch die man sich nicht graben kann. Wie gesagt: Weiter weg geht’s kaum.
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15.04.2007 - 20:43 Uhr
instant_human
Bei mir warens allerdings 28 Flugstunden.