Generation Option
Ob im Beruf oder im Privaten: Die Vielfalt der Möglichkeiten macht uns verrückt. Aber wir können etwas dagegen tun
Holger Habenicht glaubt, dass das Problem mit der Freiheit und den Optionen und den Entscheidungen noch zu wenig Widerhall in der Gesellschaft findet. Er sieht sich Menschen gegenüber, denen man nicht nur ein Gespräch lang zur Seite stehen müsste. Er sieht Menschen, die Lebenscoaches bräuchten, welche den Unentschlossenen Wege zeigen. Habenichts Prognose: „Wir bewegen uns auf eine lebenslange Beratung zu.“ Von der „Kapitulation vor den Möglichkeiten“ steht in manchen fast selbstdiagnostischen Essays zu lesen. Einmal mündet ein Text in ein herbes Fazit: „Freiheit ist auf Dauer nur schwer zu ertragen. Mit der Freiheit ist die Entschlusslosigkeit gewachsen. Die totale Überforderung in Anbetracht der Tatsachen.“ „Bitte: Lebt einfach!“ Würde man Klaus Hurrelmann diesen Satz vorlegen, er würde Sorgenfalten in seine Stirn ziehen und nicken. Er ist Sozialwissenschaftler in Bielefeld und einer der Autoren der Shell-Jugendstudie. Schon vor über einem halben Jahr äußerte er im Gespräch mit jetzt.de eine Befürchtung: In dieser Generation habe sich ein Bildungskapital angehäuft, wie es das in diesem Ausmaß in früheren Altersgruppen nicht gegeben habe. „Das Potential, das diese Generation durch ihre Möglichkeiten hat, ist ungeheuer hoch. Das kann eine Generation sein, die eine sehr hohe Gestaltungschance hat.“ Dann machte er eine Pause. „ Ob sie das aber schafft, das umzusetzen oder ob sie sich vor lauter Sorge, sich irgendwo zu früh festzulegen dieser Chance beraubt? Das weiß ich nicht. Aber das ist meine Sorge.“ Hurrelmann warnt deshalb vor einer „Vielleicht-kommt-noch-was-Besseres“- Logik. Sei es in der Ausbildung, im Beruf oder auch im Privatleben. „Meine Empfehlung lautet: Lasst Euch auf Optionen ein – im Wissen, dass Ihr die Fähigkeit habt, diese Option zu verändern. Und lebt. Denn Leben besteht auch aus Festsetzen und Entscheiden. Man weiß nicht mehr, was Freiheit ist, wenn man den Gegenpol, die Bindung nicht erlebt hat.“ +++ Auf jetzt.de veröffentlichen wir ab heute Protokolle und Texte unter dem Label „Entscheiden“. jetzt.de-User und Redakteure beleuchten das Entscheidungsdilemma. Userin jane eröffnet die Reihe der Entscheidungstexte. Sie erzählt davon, wie sie sich entschied, der Liebe wegen nach Amerika zu ziehen. Auch Amy Winehouse spricht im jetzt.de-Interview über das Problem, sich andauernd entscheiden zu müssen. Und übrigens: Im März veröffentlichen wir an dieser Stelle die zehn besten Essays, die uns zum Thema „Macht Freiheit einsam?“ erreichten.- Abschied vom Wachtturm: Drei Frauen und ihre Leben nach den Zeugen Jehovas 20.05.2012
- Was vom Macchiato-Meeting übrig bleibt 13.05.2012
- Zwei Pfund Nostalgie, bitte 13.05.2012
- Im Zeugungsstand 06.05.2012
- Hooligans - Es geht nicht darum, andere ernsthaft zu verletzen 06.05.2012






