Expedition ins Bierreich: Ein Deutschlandführer
Angestrichen:
„In einem brandneuen Einkaufszentrum aus Glas, Stahl und buntem Kunststoff in Magdeburg musste ich feststellen, dass die Deutschen keine Vorstellung davon haben, wer sie eigentlich sind.“

Wo steht das denn:
Im Vorwort von Eric T. Hansens neuem Buch „Planet Germany“, in dem der gebürtige Hawaiianer die typischsten, klischeehaftesten und verrücktesten Eigenschaften der Deutschen unter die Lupe nimmt. So heißen seine Kapitel zum Beispiel „Die Deutschen können zwar den VW-Käfer erfinden, aber keine lustigen Filme über ihn drehen“ oder „Die Deutschen sind Patrioten – und wissen es nicht“.
Um diese Aussagen dingfest zu machen, hat er nicht nur umfassend recherchiert, sondern auch unzählige Beispiele gefunden, anhand derer sich der Deutsche schnell wiedererkennt. Warum zum Beispiel kann ein Amerikaner einen VW kaufen und sich immer noch als Amerikaner fühlen, während ein Deutscher sich für einen Verräter hält, kaum dass er in einen Cheeseburger beißt? Nicht zuletzt die ständigen Vergleiche mit den USA sorgen beim Lesen immer wieder für Überraschungen.
Der Autor feuert eine verblüffende Tatsache nach der anderen ab, schlägt wild mit Zahlen um sich und behandelt ganz nebenbei einen Großteil der deutschen Geschichte – ohne, dass es je langweilig wird. Schuld daran sind der feine Humor und das Gespür für jene Dinge, die die Deutschen tatsächlich ausmachen. Letzteres eignete sich Hansen während der zwanzig Jahre an, die er hier inzwischen lebt. Als Mormonenmissionar schickte man ihn einst nach Deutschland. Trotz seines baldigen Austritts aus dieser Gemeinschaft blieb er. Lernte die Sprache, Winnetou und den Feierabend kennen (und lieben), und noch viele andere Dinge, derer sich die Deutschen bis heute gar nicht bewusst sind. Ein weiterer Grund dieses erfrischende Buch zu lesen! Da darf das ein oder andere Argument ruhig weit hergeholt und – ausgerechnet – das Nörgel-Kapitel irgendwie überflüssig sein.
Dafür können wir in der nächsten Diskussion über Amerikanisierung und den Verlust der deutschen Seele zurückschlagen. Unseren Gegnern geben wir dieses Buch über ein Volk, das man nach dem Lesen endlich und völlig überzeugt sein eigenes nennen wird.
Steht im Bücherregal zwischen: „My dear Krauts“ von Roger Boyes und „Wie wir Amerikaner wurden“ von Michael Rutschky – denn das hat Hansen immerhin dazu gebracht, dieses Buch zu schreiben.
Planet Germany – Eine Expedition in die Heimat des Hawaii-Toasts von Eric T. Hansen, 286 Seiten, 12,95 Euro ist im Fischer Taschenbuch Verlag erschienen.
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kam bloss bisher noch nicht dazu es zu lesen.
19.02.2007 - 20:05 Uhr
der_heilige_bimbam
naja, ich kann das ja gar nicht beurteilen, weil "die deutschen" schliesslich keine ahnung davon haben, wer sie eigentlich sind. was ich allerdings vermute, ist, dass es einigermassen typisch amerikanisch ist, andere völker belehren zu wollen, weil die ja keine ahnung haben.
grüße
Was ist gegen "Amis" einzuwenden? Das ist einfach die gemeinhin komplett wertungsfreie Kurzform von "US-Amerikaner". Wer dagegen in der Slangregion von "Krauts" spielen will, der nennt die Amis nicht "Amis", sondern "Yanks".
Just sayin'.
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19.02.2007 - 19:56 Uhr
barcelona88
was jetzt, bmw oder vw. und warum ueberhaupt so abgeschrieben?
das buch an sich klingt interessant und ist auch ganz gut vorgestellt.
was mich noch interessieren wuerde: werden die buecher vor oder nach der besprechung in die sz-mediathek aufgenommen?