Komm mir nicht mit Kinderkrippen. Warum die Demografiedebatte mal zuhören sollte.
Ich bin weder Mutter, noch habe ich vor, es innerhalb dieses Jahrzehnts zu werden. Trotzdem macht mich die aktuelle Diskussion um Kinderbetreuung, Karrierefrauen und Vollzeitmuttis jeden Tag ein Stück missmutiger.
Familienplanung? Ich bin froh, wenn ich die Hausarbeit vom vorletzten Semester endlich mal fertig bekomme. Mich muss es nicht großartig interessieren, ob traditionelle Vollzeitmütter sich von Ursula von der Leyen diskriminiert fühlen oder die 32-jährige Kulturwissenschaftlerin nicht weiß, wie sie nach dem Elterngeldjahr ihr Kind mit ihrem Arbeitsleben vereinbaren soll. Eigentlich. In Wirklichkeit beschäftigt es mich aber sehr wohl. Denn genau wie die meisten Menschen in meinem Alter habe ich mir – nicht nur einmal – überlegt, ob und wie ich einmal Kinder bekommen möchte. Deswegen verfolge ich die laufende Debatte um die Rolle von Müttern und Vätern in Berufs- und Familienleben sehr genau. Und ich frage mich immer öfter, warum daran eigentlich so viele Menschen teilnehmen, die das Problem bereits hinter sich haben oder höchstens ganz aktuell damit beschäftigt sind. Was die Jungs und Mädchen denken und sagen, die innerhalb der nächsten Jahre damit anfangen wollen, Worte wie Erziehung oder Gehalt in ihren aktiven Wortschatz zu integrieren, scheint hier niemanden zu interessieren. Natürlich könnte man sagen: Mit uns hat die ganze Angelegenheit ja auch nicht viel zu tun. Mit Anfang zwanzig bekommt man im Allgemeinen eher keine Kinder, sondern versucht mit allen Kräften, kein Mitglied des Prekariats zu werden. Das hält uns aber nicht davon ab, uns Gedanken zu machen. Allein deswegen betrifft uns die Diskussion um die Rolle von Familien, Frauen und Männern in der Gesellschaft sehr wohl. Denn alles, was da verhandelt wird, spielt in unsere Pläne und Vorstellungen für die Zukunft mit hinein. Trotzdem hat uns bisher niemand gefragt. Das ist erstens ganz schön ungerecht. Und zweitens kippt die Debatte genau deswegen immer ins antiquiert-irrelevante. Denn tatsächlich können Mädchen von heute nur noch schwach kichern, wenn sich die Hausfraumütter in ihrem Lebensentwurf angefeindet fühlen: Die wenigsten Mütter der Zukunft möchten oder werden so leben. Und wenn es wer will, dann geht das auch in Ordnung. Ideologische Grabenkämpfe um Erziehungsmodelle spielen für uns keine Rolle. Das Problem für die Mütter von morgen ist überhaupt nicht mehr, ob sich die Frau vermännlicht, wenn sie Wert auf ein erfülltes Berufsleben neben ihrer Mütterlichkeit legt. Oder ob der Mann sich zwangsfeminisiert und aus seinen Domänen verdrängt fühlt. Wir vertrauen uns und den Jungen von heute, dass wir das schon hinbekommen. Aber wir trauen nicht unseren Chefs, dass sie uns allen ermöglichen zu arbeiten und Kinder zu erziehen, ohne dadurch einen irgendwie gearteten Nachteil zu erfahren. Da sollte sich der politische Diskurs einmischen – und nicht in der ewigen Auf- und Abarbeitung der immer selben Rollenklischees. Die Generation derjenigen, die in den nächsten zehn Jahre anfangen, Kinder zu zeugen, stellt sich überhaupt nicht mehr die Frage, ob Männer sich an der Erziehung beteiligen oder nicht. Sie zweifelt auch nicht an der Notwendigkeit staatlicher Kinderbetreuung. Wir wollen die, ganz klar. Wir werden sie auch brauchen: Erstens weil immer weniger Menschen in der Lage sein werden, alleine eine Familie zu versorgen. Und zweitens weil immer weniger Mädchen sich ausschließlich über ihre Kinder werden definieren können. Dazu sind wir einfach zu selbstständig erzogen. Die Demografiedebatte hinkt ihrer Zeit gnadenlos hinterher. Vielleicht sollte sie einfach mal nach vorne schauen – auf ihre Zukunft.- Geht’s noch: Warum der G8-Gipfel dringend Widerstand braucht 17.05.2007
- Rührt euch endlich! 16.11.2006
- Na, du kleiner Weltverbesserer 03.11.2006
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Also nur Mut, es gab - und gibt trotz aller Versuche die Gesellschaftsentwicklung zurueckzudrehen - Gegenden, in denen es absolut normal ist, das eine Mutter selbstverstaendlich wieder Vollzeit arbeitet, sobald das Babyjahr um ist. Das hat auch nichts mit Karrieremachen zu tun, sondern damit die Familie zu versorgen.
Dieses permanente Schuldgefuehleeinreden von allen Seiten ist meiner Meinung nach etwas, das im Westen wesentlich massiver vorkommt.
Weder ist es (in Westdeutschland) normal, Vollzeitmutter zu sein, noch ist es normal, dass der mann genauso den Beruf aufgibt wie die Frau. Da kann man weder den Jungs, im Sinne von zukuenftige Vaeter, nohc dem Chef trauen!
Auch wenn ungeschickt formuliert, das ist Knackpunkt. Frei: Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.
aber erstmal ganz allgemein: inwiefern wird denn irgendjemand, den die zukünftige gesetzgebung betrifft, in diese einbezogen?!
dann zum thema prekariat: wenn man sich mal anschaut, wie viele studenten is nötig hatten, gegen studiengebühren zu demonstrieren, dann sollten diese aber bitteschön auch nicht das angeblich mangelnde geld für kinder vorschieben. wenn es uns so gut geht dass uns studiengebühren nicht interessieren dann können wir allemal kinder finanzieren.
ich bin der meinung dass es, wie mit fast allem, eine sache der prioritätensetzung ist, ob man sich für kinder entscheidet oder nicht, die äußeren umstände werden leider immer noch vorgeschoben, obwohl es hervorragende voraussetzungen sind!
aber vielleicht werde ich ja ab august eines besseren belehrt ;-)
prioritätensetzung wie in schwanger werden, austragen, grossziehen?
nunja. man sieht manche leute machen sich eben weniger gedanken und manche eben mehr :D
doch einige ahnen wohl schon, was dabei herauskommt, wenn ein staatliches bildungssystem sich nun nach DDR-manier schon bald noch großflächiger die kleinsten würmchen greifen und nach schema F erziehen kann. für mich eine absolute horrorvorstellung.
private lösungen fände ich okay, aber offenbar sind die, die kinder bekommen, nicht bereit für diese selbst aufzukommen. sie zwingen lieber die "gemeinschaft", welche auch immer. ich will aber nicht für die kinder von anderen zahlen, zumal ich denen sogar damit schade, wenn ich sie so ner 08/15-betreuung aussetze. ich brauche mein geld, um selbst für eine familie aufkommen zu können und für die erziehung der kinder nach meinen vorstellungen, nicht nach denen des staates, wie das in totalitären systemen üblich ist. ich würde meine kinder niemals, ich wiederhole niemals in die hände des apparates geben.
finde es toll, wenn sich väter mehr um ihre kinder kümmern, aber auch hier hat der staat ein bestimmtes rollenmodell weder zu fördern noch zu bestrafen. ich selbst etwa würde niemals im beruf zurückstecken und plötzlich hausmann spielen - nicht meine welt. schön, wenn das einige paare aus ihrer sicht "moderner" handhaben. aber in der praxis werden sich auch viele akademikerinnen in zukunft noch für eine klassische rollenverteilung entscheiden.
sicher ist eines: wer als mann ausschließlich eine klassische rollenverteilung anstrebt, der muss dies heute so früh wie möglich mit der partnerin aushandeln, wenn kinder anstehen, damit es später nicht zu missverständnissen kommt. das hat sich wirklich geändert, dass frauen scheinbar oft annehmen, der mann würde sich schon in was anderes fügen, dieser aber dazu nicht bereit ist, selbst wenn er nach außen einen "modernen" eindruck erweckt.
es ist auch klar, dass ich niemals im beruf zurückstecken würde - und es
17.02.2007 - 14:03 Uhr
kulturgut
tja, ein arbeitsplatz muss sich halt irgendwie rechnen. der gesetzliche mutterschutz ist ein risiko, das jeder vernünftige chef irgendwie so in den griff bekommen muss, dass es sich lohnt, die jeweilige frau überhaupt zu beschäftigen. größere unternehmen kriegen das leichter hin, kleinere schlechter. noch mehr politischer zwang hat da gar nichts zu suchen.
Nur der Ordnung halber: die 17 Mill. Ostdeutschen, die in Krippen, Kindergärten und diesem Schulsystem groß wurden, haben mitnichten einen Knall, sind unterbelichtet oder geistig gestört bzw. indoktriniert, im Gegenteil.
Und nur zur Ergänzung: Finnland (PISA-Sieger) hat übrigens die Grundzüge des ostdeutschen Bildungssystems übernommen.
Private Initiativen zur Kinderbetreuung zu bilden, ist ja schön und gut - allerdings sind Kinderkrippen und Kindergärten für die Kinderbetreuung am besten geeignet, da das Personal dafür ausgebildet ist, die Einrichtung kindergerecht usw.
Nur kostet das Staat am meisten.
Und bei Männern, die nicht wollen, dass ihre Frauen arbeiten gehen, statt Kinder zu betreuen, habe ich immer den Eindruck, sie halten sich so lästige (Frauen-)Konkurrenz im Job und die lästige Hausarbeit zu Hause vom Hals.
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16.02.2007 - 19:44 Uhr
farilari