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Kultur| 18.02.2007 19:00Lernen von Bill Drummond
Text: dirk-vongehlen
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Er hatte Englands beste Band. Dann verbrannte er sein Geld. Heute hasst er aufgezeichnete Musik – Lernen von den Alten: Bill Drummond
Ein Café im Londoner Stadtteil Shoreditch. Es gibt kostenlosen Internetzugang über W-Lan. An jedem zweiten Tisch sitzen Laptop-Nutzer und schauen angestrengt auf ihre Bildschirme. Bill Drummond trägt eine Barbour Jacke, in der Hand hält er seine Brille, das Glas ist herausgefallen. Er legt sie auf den Tisch, geht brillenlos zur Theke und bestellt Tee, schwarz, nicht zu stark.Bevor wir über irgendwas anderes sprechen können, müssen wir über das Geld reden: Wie ist es, eine Million Pfund einfach so zu verbrennen? Das wurde ich früher ständig gefragt. Mittlerweile ist das kein Problem mehr. Anfangs hatten wir aber das Gefühl, dass jeder eine Rechtfertigung für das verlangt, was wir da getan hatten. Und je mehr wir versuchten, die Aktion zu erklären, umso weniger ging es um die Aktion – am Ende drehte sich jedes Gespräch nur noch um Jimmy und mich und wie unmöglich es ist, eine Million Pfund zu verbrennen. Naja, es ist zumindest merkwürdig. Das mag schon sein. Aber die Reaktionen der Leute sagten am Ende mehr über sie aus als über unsere Aktion. Und, haben Sie es bereut? Na klar. ![]() Prankster heißt im englichen Witzbold oder Schlingel, auf Bill Drummond trifft es ziemlich gut. Foto: Georg Rulffes Weil es die Aktion Ihres künstlerischen Lebens ist, auf die Sie ständig angesprochen werden? Nein, natürlich wegen des Geldes. Außerdem: So viel spreche ich nicht mehr drüber. Das war früher schlimmer. Zum Beispiel als mein Sohn – er war damals neun Jahre alt – fragte: „Stimmt das, Dad, in der Schule wird erzählt, du hättest 100 Pfund verbrannt.“ Damals habe ich mir sehr gewünscht, es wären nur 100 Pfund gewesen. Womit verdienen Sie heute Ihr Geld? Wenn Sie im Hotel einchecken, was tragen sie in der Spalte Beruf ein? Ich war 23 Jahre alt, als ich für meine damalige Band Big in Japan einen Transporter mieten wollte. Als ich in dem Mietvertrag bei Beruf „Musiker“ eintragen wollte, wurde der Vermieter sehr ärgerlich: „Du kannst da nicht Musiker reinschreiben“, schimpfte er, „das erlaubt die Versicherung nicht.“ Er riet mir, ich solle „Publisher“ auf den Vertrag schreiben, weil niemand so recht weiß, was ein Publisher eigentlich macht. Und so halte ich es bis heute. Den Begriff „Künstler“ hasse ich. Als Publisher sind Sie vielleicht vergleichbar mit den Menschen, die hier im Café an ihren Laptops sitzen und an Ideen feilen – die wollen auch kreativ sein und publizieren. Was ist Ihr Tipp, wie man damit erfolgreich sein kann? Ich weiss nicht, ob es bei dem, was ich mache, wirklich um Erfolg geht. Wenn man einen Song veröffentlicht und an die Spitze der Charts will, dann kann man definieren, was Erfolg ist: eben die Nummer eins zu sein. Ich verstehe Erfolg eher als die Fähigkeit zu entscheiden, Dinge zu tun und sie dann tatsächlich in die Tat umzusetzen. Das klingt banal, aber die meisten Leute, vielleicht auch jene, die hier an ihren Laptops sitzen, kommen nicht voran, weil sie nicht dran glauben, was sie wollen. Sie denken nur darüber nach, warum etwas nicht funktionieren könnte, statt es einfach zu tun. Ist es tatsächlich so einfach? Es klingt nach einem Klischee. Aber ich habe gelernt, dass nur dann gute Sachen entstehen, wenn man nicht auf eine Erlaubnis wartet, sondern seine Ideen einfach in die Tat umsetzt. Das ist natürlich mit einem Risiko verbunden. . . . zum Beispiel mit dem Risiko, eine Million Pfund zu verlieren. Das war kein Risiko. Das war genau so gewollt. Mir geht es darum, dass man einkalkuliert, mit Rückschlägen zu leben, wenn man kreativ arbeiten will. Das ist wahrscheinlich das Wichtigste, was ich in der Schule und an der Kunsthochschule gelernt habe: auch ohne Unterstützung weiterzumachen. Damals habe ich mir gedacht: Vielleicht bin ich schlecht darin, dieses oder jenes zu tun, aber ich will es tun. Also mach ich’s. Das klingt nach Rebellion. Im Gegenteil. Ich glaube, dass es überhaupt nicht hilft, ein Rebell sein zu wollen. Ich würde auch von mir niemals behaupten, ein Rebell zu sein oder jemals einer gewesen zu sein. Für mich ist ein Rebell jemand, der die Macht, gegen die er eigentlich kämpfen will, anerkennt. Egal, wogegen er rebelliert: Er wird es nicht verändern. Es ist so als würde er gegen eine Wand laufen – die Chancen, dass die Wand nachgibt, sind gering. Und wie unterscheiden Sie sich davon? Natürlich ist es sexy, sich als Rebell zu bezeichnen. Es hat mehr Kraft, mehr Laustärke. Aber ich kenne keinen Fall, in dem sich ein Rebell durchgesetzt hat. Wenn überhaupt, dann nur, weil ihm jemand die Erlaubnis gegeben hat. Sie rebellieren nicht gegen die Musikindustrie, sondern schreiben eine Anleitung, wie jeder einen Nummer-Eins-Hit haben kann. Ich würde das nicht als subversiv bezeichnen. Es geht um die Erkenntis: Du willst etwas – dann tu es. Warte nicht darauf, bis dir eine Plattenfirma die Erlaubnis gibt. Oder bis die Musikpresse dich lobt. Aber sei dir des Risikos bewusst. Auf der nächsten Seite spricht Bill Drummond über Napster, das Internet und er erzählt, wie er sich plötzlich auf einem Korn-Konzert wiederfand. Dieser Text von jetzt.de ist in der Süddeutschen Zeitung erschienen. Du kannst die SZ zwei Wochen kostenlos testen - du musst nicht einmal kündigen: hier klicken!
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