Zum Valentinstag: Sechs Protokolle rund um die Liebe
Text: max-scharnigg
Alle tun es dauernd: Verlieben, Entlieben und Lieben. Wir haben uns heute davon erzählen lassen.
Fall Nr. 1: Mein erster Freund
Marc war so was wie der Schwarm der Oberstufe: braunäugig, attraktiv und natürlich spielte er in einer Band. Ich, zwei Stufen unter ihm, war zwar kein hässliches Entlein, hatte aber gemäß Teenie-Film-Klischee zumindest eine Brille.
Heute klingt das albern. Damals aber hatten wir bis zu seiner Karte in meiner Post nie miteinander geredet. Nach ewigem beidseitigem Pausenauflauern und Abi-Party-Umschleichen, hatte ich endlich kapiert: Er fand mich toll. Und ich fand ihn sogar so toll, dass ich die unsägliche Diddlmaus auf der Karte ignorierte - und rief an. Ab dann war die Sache gebongt. Große Liebe mit allem was dazu gehört. Briefe im Viervierteltakt schreiben. Urlaub abkürzen wegen zu viel Sehnsucht. Beständig Geschenke in Heimarbeit bauen. Ach, Marc war jemand, der einem Elvissongs ins Ohr sang, mit dem man auf Klippen klettern und sich tot lachen oder küssen konnte. Allerdings verkläre ich diese Dinge vielleicht, je mehr Zeit vergangen ist. Denn wir haben uns ja getrennt und das nicht aus so süßen Gründen wie im Film, wo jemand überraschend nach Alaska auswandern muss.
Den anderen und den Sex kennen lernen, das erste Mal „Ich liebe dich“ sagen. Das war für viele Monate ziemlich aufregend, schön und spannend. Genau das aber war das Problem. Es war immer extrem. Glücksgefühle gab’s nur in Übergröße und Krisen nur im Jahrhundert-Drama-Format. Wir wussten nie recht, wie man sich verhalten sollte. Woher auch? War eben alles das erste Mal. Andererseits war es jedoch ebenso naiv-einfach. Gleiche Schule, gleiche Ort. Unser Kleinstadt-Mikrokosmos war überschaubar und wir ehrlich gesagt froh, jemanden zu haben, mit dem man Zeit verbringen konnte. Ein bisschen war die erste Beziehung vielleicht auch wie ein gemeinsames Projekt, nur halt mit der Gebrauchsanweisung auf Chinesisch.
Erst als das Einfache sich fast ein Jahr später aufzulösen begann, wurde das Projekt „Beziehung“ richtig schwierig. So waren wir wohl beide überrascht, wie sich das Zusammensein allein dadurch verrückte, dass er nicht mehr Schüler, sondern Zivi war. Nach eineinhalb Jahren hat er Schluss gemacht, weil er Freiheit wollte - nur eine Woche. Dann war das Vermissen zu groß und wir wieder zusammen. Das ging schnell. Das echte Entlieben aber dauerte anstrengend lange. Monatelang. Schließlich haben wir nicht mehr gesehen, wer der andere ist. Er kannte meine Freunde kaum, ich seine ebenso wenig. Der Junge, den ich kennen gelernt hatte, interessierte sich mehr für Tätowierungen, Skateboards und sein Auto. Warum ich Theater spielte, verstand er wiederum nicht. Irgendwie änderte sich alles. Im Nachhinein muss ich sagen und das tat er auch, benahm er sich dämlich. Versetzte, verletzte mich. Wir stritten. Und wer waren überhaupt die ganzen Tinas und Nickis, die hier ständig anriefen?
Irgendwann hasste ich seine Angeber-Frisur, er meine blöden Hosen. Banales Zeug eigentlich, das aber etwas Entscheidendes aussagte: Wir bewegten uns in andere Richtungen. Als er eine Ausbildung begann, hatte unser Verhältnis bereits diesen allgemeinen Problemüberzug geklebt mit altbekanntem Kitt. Wir kannten uns gut, waren das fest eingeplante Paar für Geburtstage, Hochzeiten, und Weihnachten bei den Quasi-Schwiegereltern. Nach zweieinhalb Jahren hatten sich die großen guten Gefühle unter den Extremen längst verzogen. Kurz vor meinem Abi sagte er, es geht nicht mehr. Ich wusste, er hat Recht. Es war aus. So richtig.
Trotzdem: Die erste große Liebe vergisst man nicht. Genauso wenig wie den ersten großen Liebeskummer. Über die nächsten Wochen tröstete ich mich mit der Überzeugung „Eines Tages finden wieder zusammen“. Das klang gut und man glaubt, es hört nie auf. Tut’s aber doch. Bestimmt sogar.
franziska-eigner
Auf der nächsten Seite erzählt Penny, wie es ist, wenn er in sie verliebt ist. Sie aber nicht in ihn.