13.02.2007 - 19:00 Uhr

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Mächtige online: Ségolène Royals Sehnsüchte

Text: florian-kaindl

Eine schöne Frau braucht einen schönen Internetauftritt. Das hat sich auch Ségolène Royal, die Präsidentschaftskandidatin der französischen Sozialisten, so gedacht. Wer vielleicht bald die künftige Mutter der Nation sein wird, und dabei mit 53 Jahren noch so flott im Badeanzug herumrennt wie sie – der kann, gemessen an der Intention ihrer Seite desirsdavenir.org, auch versuchen, die Demokratie neu zu erfinden.

Der Empfang auf der Seite: Sehr sanft. „Zukunftssehnsüchte“, das Motto der Seite, ist weiß auf ein hellblaues Stück Himmel geschrieben, zartrosa Wolken ziehen daran vorbei. Darunter, im selben Farbton, ohne Wolken, aber mit Madame Ségolènes Lächeln, kündigt sich der Präsidentschaftspakt an. Darin erklärt die Royal schwarz auf weiß, dass sie, in enger Zusammenarbeit mit dem Volk selbst, 100 Vorschläge für Frankreich vertritt. Sie will die Anliegen jedes einzelnen Bürgers zur persönlichen Kaufkraft, zum Kampf gegen Gewalt, zu Umwelt und Bildung öffentlich machen: „Das, was ihr gesagt habt, habe ich gehört. Das, was ich wusste, habt ihr bestätigt. Ich wollte, dass die Bürger wieder das Wort ergreifen, damit ich ihre Stimme mittragen kann; ihr habt es nicht länger verdient, dass man sie umschreibt im Schatten solcher Programme, die man genauso schnell vergisst, wie sie verfasst wurden. Die Versprechen müssen gehalten werden, sie müssen glaubwürdig sein.“ Was erfahren wir? Über Madame selbst? Nicht viel. Eine Biographie ist zwar angelegt, aber sehr zurückhaltend platziert und etwas dröge. Man erfährt in erster Linie, wofür sich Ségolène Royal als Abgeordnete einsetzt: die Gleichberechtigung, sinnvolle Familiengesetze und eine Jugend mit Arbeitsplatz, ohne Gewalt. Man liest wolkige Sätze, nämlich, dass Madame Royal sich immer bemüht hat, „ihr politisches Handeln so konkret wie möglich in die Tat umzusetzen“. Sämtliche Aussagen der Kandidatin zu Sozialpolitik, Wirtschaft und Kultur sind aber in der Rubrik „Was ich über ... gesagt habe“ gespeichert. Was darin steht, von Kultur über Umwelt bis zu Europa, kommt sinngemäß noch einmal extra in einzelnen Diskussionsforen vor.
Das soll beim Leser hängen bleiben: Mitmachen lohnt sich. Ségolène Royal ist die Anwältin die Volkes: sozial engagiert und allzeit präsent. Der geneigte Betrachter kann mehr als 80 Videos aufrufen, die Madame Royal stets lächelnd auf Wahlkampftour zeigen: in Fernsehtalkshows, im Parlament, in der Banlieue. Ihre Laune scheint immer bestens zu sein, das Ohr ständig offen für Neues. Die Seite ist auch reich an Mitmachmöglichkeiten: Mit einem Klick leuchten rote, grüne, gelbe und blaue Farbtupfer auf, die kurzzeitig an Icons aus der Klingeltonwerbung erinnern. Sie sind für interaktive Diskussionsrunden gedacht, die Ségolène Royal selbst mit einem schwungvoll unterschriebenen Statement und einer Videobotschaft einleitet. Im Sinn eines Frontalunterrichts hält sie außerdem zu jedem Thema acht bis vierzehn Fragen bereit, deren Klärung sie ihren interessierten Mitarbeitern empfiehlt. „Wie verwirklicht man das republikanische Versprechen von der Erziehungsgleichheit?“/ „Wie erlaubt man es jedem Jugendlichen, sich voll am Arbeitsmarkt zu integrieren?“ So funktionieren, das ist wohl der Gedanke, Demokratie und Basisarbeit virtuell. Für wen ist die Seite gedacht? Für alle, die ihr Vertrauen in die Politik verloren haben. Und sich von Ségolène Royal erhoffen, dass sie es ihnen mittels direkter Volksbefragung zurückgibt. Man kann ihr nicht vorwerfen, sie würde nichts tun: Die Seite ist in unzählige Foren gegliedert, es gibt wahrscheinlich kein Detail, das sie nicht bedacht hat. Allein: Sie in diesem Wust aus Informationen auf ein klares Ziel festzunageln, und ihr ein Versprechen abzunehmen, an dem man sie messen kann – das fällt schon schwer. Die griffige Prägnanz, die man von Politikern gerne erwartet, geht in der Bleiwüste der „Zukunftssehnsüchte“ verloren. ++++++ Hier kannst du andere Texte aus dem Label „Mächtige online“ nachlesen.


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8 Kommentare

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jane
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Mag ich Mag ich nicht

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13.02.2007 - 19:31 Uhr
jane

die seite ist wie das zuruecklehnen in einer gummizelle.
begeisternd! vor allem der name, der ist der groesste treffer!
erinnert mich uebrigens an meine biologieprofessorin.

jurette
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Mag ich Mag ich nicht

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13.02.2007 - 23:36 Uhr
jurette

HALLO?

dichtmeister
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Mag ich Mag ich nicht

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14.02.2007 - 10:57 Uhr
dichtmeister

also beim ersten betrachten der seite kam mir irgendwie das wort "waschmittelwerbung" in den sinn.
...ja, ich glaube das trifft das gefühl das sie vermittelt (...also jetzt beide, sowohl seite als auch frau)

kulturgut
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Mag ich Mag ich nicht

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14.02.2007 - 11:52 Uhr
kulturgut

möge der herrgott frau royal als präsidentin verhindern. ihr konkurrent, der giftzwerg, ist zwar fast genauso schlimm, aber bei lichte besehen eben doch das sehr viel kleinere übel.

ihr auftreten ist jedoch ohne zweifel perfekt. als hotelmanagerin oder animateurin auf einer senioren-clubreise würde sie eine hervorragende figur machen.

Lyralie
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Mag ich Mag ich nicht

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14.02.2007 - 12:35 Uhr
Lyralie

der Auftritt ist perfekt..
der Giftzwerg Sarkozy hat gar keine Seite?

kulturgut
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Mag ich Mag ich nicht

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14.02.2007 - 12:47 Uhr
kulturgut

lyralie...doch, natürlich...

http://www.sarkozynicolas.com/

christina-waechter
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14.02.2007 - 15:44 Uhr
christina-waechter

@kulturgut:
sag mal, hast du heute deine misogynen 24 Stunden? Oder warum redest du gleich gar so einen Chauvinisten-Mist daher?

kulturgut
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Mag ich Mag ich nicht

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14.02.2007 - 15:51 Uhr
kulturgut

frau kretschmer: ich bin nicht misogyn. ich bewerte lediglich die politische ausrichtung von frau royal, und die werde ich wohl auch in 24 jahren nicht anders bewerten.

es gibt durchaus politikerinnen, deren tun ich sehr geschätzt habe bzw die ich auf jeden fall gegenüber ihren männlichen mitbewerbern präferiert hätte. zb margaret thatcher.

woraus sie also schließen, meine kritik hätte was mit dem geschlecht von frau royal zu tun ist mir nicht ganz klar.


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