09.02.2007 - 19:00 Uhr

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Reingehört: Mit Locas In Love, Anajo, The Decemberists und The Indeliactes

Text: caroline-vonlowtzow

Immer zum Wochenende: die Playlist, mit den interessantesten Liedern, die diese Woche erscheinen.



Lied: „Sachen“ von Locas In Love
Ausgesucht weil: noch nie so schön all die namenlosen Erledigungen, Beschäftigungen und Unfreiwilligkeiten, eben „Sachen“, besungen wurden, die uns jeden Tag unsere Zeit rauben und an die wir uns am Ende eines Tages nicht einmal mehr erinnern können, sondern nur ein großes Gefühl der Leere und Nutzlosigkeit hinterlassen.
Ausgesucht aus: der zweiten Locas In Love-Platte „Saurus“ (Sitzer)


Puh, bei diesem Album der Kölner Band Locas In Love fällt es mir wirklich sehr schwer, nur ein Lied auszusuchen, so sehr mag ich diese Platte insgesamt: Schlichte, aber sehr berührende Melodien mit Gitarre, Schlagzeug und Bass, die manchmal durch eine Orgel, eine Geige, einen Bläsersatz oder einen schönen A-ha-Chorus aufgepeppt werden. Reduzierter Bombast aus leisen, sehnsüchtigen Momenten und großen, ausholenden Gesten, mit einem Sänger (Björn Sonnenberg), der sich traut, nicht zu reimen und dabei die poetischsten Texte hervorzaubert, und einer ganz bezaubernden Co-Sängerin (Stefanie Schrank). Endlich wieder eine Band, die einem aus der Seele spricht, ohne dabei die plattesten Alltagsbeobachtungen zu besingen oder diese zu romantisieren, und die sich originelle Bilder und Vergleiche ausdenkt, auf den Punkt gebracht in dem großartigen Opener „Sachen“, einem Lied für die Generation der „neuen Eigentlichkeit“: „Wir wollen immer etwas machen, aber es kommt immer was dazwischen, Wir stecken fest in einem Sumpf aus Ablenkung und Ausreden.“


Lied: „The Island“ von The Decemberists
Ausgesucht weil: das mit Abstand das Verrückteste ist, was ich je gehört habe. Einfach genial.
Ausgesucht aus: „The Crane Wife“, dem vierten Album der Decemberists (Capitol)


Huch, wat denn nu los? Sind Pink Floyd auferstanden? Klingt der Opener des neuen Decemberists-Album „The Crane Wife 3“ noch nach den verspielten Folk-Frickel-Melodikern, ist da plötzlich ein Prog-Rock-Brett am Start. Fast 13 Minuten ist „The Island“, das Opus Magnum dieses Albums, lang - eine Mörderballade, die die Geschichte eines Mords erzählt, in drei Kapitel unterteilt ist: Die langsam rockende Ouvertüre „Come And See“, der durchgeknallt orgelnde Folk-Teil „The Landlord’s Daughter“ mit Falsett-Arien, die sich in höchste Höhen schrauben, und der Schlussteil „You’ll Not Feel The Drowning“, in dem die Melodiebögen in Trauer und Dunkelheit zu versinken scheinen. Zum Herz zerreißen.
Mit „The Island“ kann sich zwar keiner der anderen Songs messen lassen, was aber nicht heißt, dass der Rest der Platte nicht auch großartig ist. Die Songs auf „The Crane Wife“ wurden um ein japanisches Volksmärchen herum gebastelt: Ein armer Mann rettet einen Kranich und pflegt ihn, bis er wieder fliegen kann. Ein paar Tage später kommt der Kranich als Frau zurück, sie heiraten und werden wegen der Webkünste der Kranichfrau sehr reich. Obwohl die Frau dem Mann verboten hat, sie beim Weben zu beobachten, bricht er sein Versprechen. Er erkennt, dass sie der Kranich ist und aus den Federn den Stoff für die Kleider gewinnt. Der Kranich entdeckt ihn und fliegt davon. Aus diesem Stoff entspinnt Colin Meloy, der „Welt bester Bänkelpopsänger und Moritatenteller“, seine eigenen fantastischen Geschichten von Mördergesellen, verfeindeten Familien und Bürgerkriegsromanzen, vertont sie mit barockem Zierrat, schwankenden Shanties und melodischem Jubilieren. Ein wahres Epos, diese Platte.

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